War’s a so
oder war’s net a so,
und wad’s net a so g’wen,
dann kunnt i’s net a so vazöl’n.

 

   
Familiensage von den Flussperlmuscheln  

Einstmals verliebte sich eine bestrickende Waldfee in den Ritter Immo von Aschhausen-Walpot, der auf einer der Burgen in der Gegend von Bad Berneck in Oberfranken hauste. Aber dieser erwiderte die Gefühle der holden Fee nicht. Und als die Fee eines Tages den Burgberg hoch wanderte, musste sie mit an sehen, wie Immo der schönen Almut von Stein einen Heiratsantrag machte. Tief gekränkt ging die Waldfee zum Fluss Ölschnitz und weinte bitterlich. Im Wasser wurde jede ihrer Tränen zu einer Perle. Die Muscheln im Fluss nahmen sie auf und verwahren sie für alle Zeiten.

 

   
Familiensage vom Käppele zu Rottendorf  

Einstmals soll der Würzburger Hoffuttermeister Christoph Kraus in türkischer Kriegsbedrängnis oder Gefangenschaft versprochen haben, dass er an der Stelle, an der er nach glücklicher Heimkehr zuerst die Festung von Würzburg wieder sehe, aus Dankbarkeit für die wunderbare Rettung einen Bildstock aufstellen werde. Um 1620 wurde ein Bildstock mit dem Bild der Schmerzhaften Muttergottes auf dem Steinberg errichtet. 1625, mitten im Dreißigjährigen Krieg, wurde dann ein kleines Kapellchen, „Heiligenhäuschen“ genannt, an dieser Stelle erbaut, das aber nur 15 Personen Platz bot.

Das heutige „Käppele“, wie es die Rottendorfer nennen, wurde 1753 begonnen und 1754 auf den Titel der Schmerzhaften Muttergottes geweiht, leider ist inzwischen der alte Bildstock verschollen. Johann Gottfried von Aschhausen, Dompropst zu Würzburg und gleichzeitig Patronatsherr von Rottendorf, wird als Stifter des Altares aufgeführt. Johann Heinrich Schell, der damalige Propsteiamtmann des Stiftes Haug, stiftete zum Bau 500 Gulden. Das Wappen der Aschhausen ziert den Altar und erinnert heute noch an den berühmten Domprobst, der später Erzbischof von Bamberg war.

 

   
Familiensage von den Felsbrocken  

Einstmals war die Schwester des Ritters Ruprecht von Bärenfels unglücklich und zutiefst betrübt, da er sie zur Ehe mit Ritter Bruno von Steinegg zwingen wollte. Als sie floh und von ihrem wütenden Bruder und dem genarrten Bräutigam verfolgt wurde, wiesen die Erdmännlein ihr den Weg zu ihrer geheimen Höhle. Auf dem schmalen Felspfad kamen die Verfolger näher, doch sie wurden von herabstürzenden Felsbrocken erschlagen.

 

   
Familiensage von den Erdmännlein  

Einstmals wohnte auf der Burg Rötteln ein habgieriger Ritter mit seiner einzigen Tochter Katharina. Der Burggraf wollte, dass sie einem reichen Grafen aus der Schweiz die Hand zum Ehebunde reichte. Allein Katharina hatte dem Ritter Friedrich von Bärenfels Treue geschworen. Weil ihr Vater sie zwingen wollte, floh sie heimlich des Nachts mit ihrem zahmen Reh von der Burg. Sie kam bis zur Erdmanns Höhle, wo die Erdmännlein sie freundlich aufnahmen und sie einige Zeit beherbergten.

Eines Tages ging Friedrich von Bärenfels auf die Jagd. Er wusste noch nicht, was vorgefallen war. Zur gleichen Zeit war die Jungfrau ausgegangen und pflückte einen Strauß Blumen. In der Nähe weidete das Reh. Friedrich erblickte es und schoss. Doch als er hinzutrat, um seine Beute zu nehmen, sah er die Jungfrau in ihrem Blute liegen. Er hatte das Reh verfehlt und der Schuss war der Jungfrau ins Herz gedrungen. Rasch eilte er nach Hasel, um sich Hilfe zu holen. Aber als die Leute hinunter kamen, war die Leiche verschwunden. Erdmännlein sollen sie davongetragen und in einen steinernen Sarg in der Höhle gelegt haben. Deshalb heißt dieser Teil der Höhle heute noch Fürstengruft.

Und wenn man in der Fürstengruft ist, den Blick auf den Sarkophag gerichtet, sieht man all die Erdmännlein, die noch heute um den Sarg stehen und Wache halten.

 

   
Familiensage vom Schatz auf Burg Gutenfels  

Einstmals hauste der Peter von Eptingen, ein Ritter, den man spricht von Gutenfelse, auf der Burg Gutenfels. In den unterirdischen Räumen hatte er wertvolle Schätze gehortet, die nun vom Geist seiner wunderschönen Tochter bewacht werden. Tatsächlich tönt der Boden an manchen Stellen hohl. An der Nordost-Ecke des Felsens befinden sich zwei Höhlen, die eine mit kaum bezwingbarem Eingang gegen Norden und einem beträchtlichen Spalt als Abschluss, die andere mit einer breiten Kluft beim Einschlupf und einem geräumigen Dom im Hintergrund. Schon manch einer hat in den Höhlen und Löchern nach dem Schatz gegraben, doch keiner hat ihn bis jetzt finden können. Auch hat sich uns das schöne Burgfräulein bisher nie gezeigt.

Einstmals konnte einer der Ritter Peter von Eptingen auf Gutenfels seine ewige Ruhe nicht finden und so zieht als Gespenst durch die Schluchten und Wälder der Gegend. Bei der Burg Gutenfels kann man bei Wetterumschlag oft auch unheimliche Geräusche von der Burg her hören: Kettengerassel, Pferdegetrampel, Peitschenknallen und Hundegekläff.

 

   
Familiensage vom Hans dem Fieger  

Einstmals saß auf dem Schlosse Dornsberg oder Tarantsberg im Vintschgau Ritter Hans, zubenannt der Fieger. Der liebte mancherlei, gutes Essen, guten Wein, schöne Weiber, die Jagd und das Geld - nur eines liebte er nicht, und dieses eine waren die Bäuerlein. Ob sie selbst den Unmut des Ritters ausgelöst hatten, wie sie nicht selten und gerne zu tun pflegten, oder aus welch anderem Grunde sein Hass gegen die Bauernschaft so tiefe Wurzeln geschlagen, ist unbekannt, kurz er war viel schlimmer gegen sie gesinnt als der berüchtigte Neidhart der Bauernfeind. Er war ein Bauernschinder, wie nur irgend je ein Ritter, und nicht nur im Leben von ihnen gefürchtet, sondern noch nach seinem Tode, denn er musste nach demselben gräulich spuken, und auch als Spuk zeigte er sich nur gegen die Bäuerlein absonderlich feindlich. Was half es, dass sie von ihm sagten, als er gestorben war: „Fieger ist tot, das hat der Himmel gefügt, jetzt haben wir endlich Ruhe vor dem Scheusal“, und sich bei seinem Namen bekreuzten? Sobald ihn einer nur nannte, war der Geist Hans des Fiegers da und fuhr vorbei und gab jenem im Vorbeifahren eine so Derbe auf die Platte, dass er umtaumelte und bisweilen das Aufstehen vergaß.

 

   
Familiensage der Burg Frankenberg  

Einstmals, im Jahre 0923, herrschte in der Burg Frankenberg große Aufregung, als atemlos einige Bauern Schutz suchend in die Burg flüchteten und die Nachricht brachten, dass die Hunnen die Stadt Salzungen in Brand gesteckt und das Salzwerk zerstört hätten und nun in den an den Abhängen des Pleß gelegenen Gehöften und Siedlungen jämmerlich hausten, raubten, mordeten und brandschatzten. An den geschützten Frankenberg jedoch wagten sie sich nicht heran. Man zog ihnen schwer bewaffnet eiligst entgegen, aber so schnell wie die Feinde gekommen waren, so schnell waren sie auch aus der Gegend wieder, Not und Jammer zurücklassend, verschwunden. Als sie jedoch in Jahre 0933 wieder kamen und die Stadt Salzungen abermals zerstörten, kamen sie auch bald in die Nähe des Frankenberges. Da zog ihnen der Burgherr mit seinen Mannen entgegen, wurde im Tal in einen Hinterhalt gelockt und seine Soldaten erschlagen. Er selbst aber schlug sich durch und sprengte als einziger Überlebender nach der Burg zurück. Hier stürzte er, da die Zugbrücke aufgezogen war, in den tiefen Wallgraben und brach sich das Genick.

 

   
Familiensage vom Irrglöcklein  

In dem runden Mauerturm am Unteren Tor in Leutershausen befindet sich eine Glocke, die von Martini bis Lichtmess abends um 8 Uhr, von da bis Walburgi und auch von Michaeli bis Martini um 9 Uhr mehrere Minuten lang läutet.

Einstmals soll ein Fräulein - entweder war es eine Freiin Fuchs von Birnbach aus dem nahen Schloss in Rauenbuch oder eine Nonne von Kloster Sulz - von der Abenddämmerung überrascht und im Altmühlgrund unterhalb von Leutershausen vom Weg abgekommen sein, so dass es sich in der Dunkelheit nicht mehr zurechtfinden vermochte. Plötzlich drang Glockenton an das Ohr der Verirrten. Sie ging der Schallrichtung entgegen und kam glücklich nach Leutershausen. Zum Dank stiftete das Fräulein die Glocke im Mauerturm mit der Bestimmung, dass sie während der dunklen Zeit des Jahres alle Abende geläutet werde, damit ihr Schall den Verirrten als Wegweiser diene.

 

   
Der erste Elefant in Wien  

Einstmals, im April 1552, herrschte freudige Aufregung in Wien. Die Plätze, Straßen und Gassen waren voller Schaulustiger aus allen Ständen. Und wirklich gab es da viel Seltsames und Wundervolles zu sehen, das sich zu einem großen Feste vorbereitete. Die Bestimmung dieses Tages aber war der feierliche Einzug und festliche Empfang des Erzherzogs Maximilian von Österreich, der nach langjährigem Aufenthalte in Spanien in sein Geburtsland zurückkehrte. Prinz Maximilian - wie man ihn gewöhnlich nannte, obwohl er schon seit 1548 den Titel eines Königs von Böhmen führte - gerade fünfundzwanzig Jahre alt und vermählt mit Maria, der Tochter seines Oheims, des Kaisers Karl V, war nach Wien berufen worden, um daselbst seinen bleibenden Aufenthalt zu nehmen.

Dieser Prinz und später Kaiser Maximilian der Zweite, hatte die allgemeine Aufmerksamkeit und Neugierde durch sein zwei Jahre vorher im Nachtlager zu Granada glücklich bestandenes, lebensgefährliches Abenteuer im höchsten Grade erregt. Alle wollte den ebenso heldenmütigen wie schönen Prinzen sehen, der in jener Räuberhöhle - einer Köhlerhütte - gegen eine Schar Mordgesellen so lange aufs mannhafteste standgehalten und die Genugtuung erlangt hatte, die Ruchlosen endlich mit Hilfe seines herbeigeeilten Gefolges ganz zu bewältigen und dem Gerichte zu überliefern. Wer hätte nicht den Helden jenes Aufsehen erregenden Abenteuers angestaunt und nicht auch zugleich gern die junge, schöne Frau gesehen, welcher der Prinz seine Rettung zu danken hatte, indem sie bei seinem Eintritt in die Behausung der Räuber ihm die Warnung zugeflüstert, auf seiner Hut zu sein, und die nun, wie verlautete, der dankbare Prinz mit sich genommen, um sie in Wien glänzend zu versorgen.

In der „Karnerstraße“ (unsere heutige Kärntnerstraße) begann der festliche Einzug des Erzherzogs und seiner erhabenen Gemahlin, um sich über den „Grünen Markt“ (Graben) und „Kohlenmarkt“ (Kohlmarkt) in die kaiserliche Hofburg fortzusetzen. Mit den Hoheiten kamen auch die fürtrefflichsten Kostbarkeiten, die unermesslichsten Schätze und wundersamlichsten Gebilde, ja sogar die seltensten Tiere aus der Neuen Welt, nämlich aus dem fernen Indien (Amerika), und alle diese verwunderlichen Herrlichkeiten als Geschenke, wohl verstanden, als Gratisspende des spanischen Königs Philipp des Zweiten für den Erzherzog. Die Menschen werden Dinge zu schauen kriegen, die der Stephansturm noch nicht geschaut hatte; aber nur wenige werden das, was sie ins Auge fassen, auch verstehen; denn, wie gesagt, die Neue Welt hat ganz andere Siebensachen als unsere alte, und dort ist das Gold so leicht zu haben als hier die Feldsteine.

Groß war da überall das Gedränge, besonders an den drei herrlichen Triumphpforten. Eine unzählbare Menschenmenge drängte sich bereits seit Anbruch dieses festlichen Tages durch die Straßen und Gassen von Wien, und man erblickte da die verschiedenartigsten und wunderlichsten Trachten von der Welt: den Bauer in grober, weiter Jacke und kurzen Hosen, blauen Stümpfen, plumpen Schuhen und breitkrempigem Hute; den Unfreien des Umlandes mit glatt geschorenem Kopfe; den ehrsamen Bürger und Zunftgenossen in faltigem Niederkleide, Wams mit schmalem Gürtel und dunklem kurzen Mantel; Männer aus den höheren Ständen in bunt gebauschter, großzügig geschlitzter Unterkleidung mit Mänteln aus schwerem Seidenstoffe, Schwungfederbarett mit Silber- oder Goldborten; auch Balkanier mit rotem Fez, Ruthenier mit Kuppelhut, Raizen, Armenier und Ungarn in ihren prächtigen und kleidsamen Nationalkostümen, dazwischen endlich verschlagen schleichende Juden, mit dem durch das Gesetz jener Zeit gebotenen Abzeichen eines gelben Fleckes auf der linken Seite der Brust.

Die bezeichneten Straßen und Plätze waren wie in einen Zauberhain umgewandelt; wohin man sah grünende und blühende Zweige, Blumen, bunte Tücher, Teppiche und Fahnen, nebst herrlichen Prunksachen aus Silber und Gold, und alles erglänzend in den milden Sonnenstrahlen eines schönen Lenztages.

Plötzlich krachte vom Karnertore (Kärtnertor) her das Ankunftssignal, der erste Kanonenschuss, dem also gleich mehrere folgten. Welche Aufregung! Welche stürmische Bewegung! Welche Erwartungen! Und all diese so hoch gespannten Erwartungen sollten noch übertroffen werden!

Der Zug selbst, überraschte alle, sie bestaunten die achtspännigen, reich vergoldete Wagen, worin das fürstliche Paar in süperb blendendem Schmucke saß und die jubelnden Begrüßungen der Menge mit der freundlich huldvollsten Miene dankend hinnahm, und auch die Pracht des folgenden spanischen Adels. Stutzig wurden die Wiener beim Anblicke der offen zur Schau getragenen glänzenden Gaben aus dem fernen Indien (Amerika), und mancher Absonderlichkeiten, zum Beispiel der riesigen „Indianischen Hühner“ (Truthähne), der stolzbunten „Indischen Raben“ (Papageien) mit dem schönen Gefieder und dem spaßigen Gekrächze; allein ihre Verwunderung und Bewunderung, ihre höchste Überraschung und Aufregung gab sich kund in tausendfachen Ausrufen beim plötzlichen Anschauen eines zwischen bewaffneten Hütern langsam einher schreitenden, riesenhaften Ungetümes, eines kolossalen schwarzen Vierfüßlers, mit lang gedehnter, gewaltiger, immer bewegter Nase und - was daran das entsetzlichste war - mit weit empor gekrümmten, ungeheuren, gelbweißen Hauern.

Schon beim Karnertore verbreitete der Anblick dieses auf vier dicken runzeligen Pfeilern so gravitätisch sich vorschiebenden schwarzen Berges mit dem seltsam geformten Felsvorsprung, der einen Kopf vorstellen sollte, was die daran baumelnden Ohrlappen und die pfiffig blickenden Augen glaubwürdig erscheinen ließen, fast in der ganzen Zuschauerschaft panischen Schrecken, und die plötzlich entstandene Unordnung drohte gefährlich zu werden, denn man stürzte übereinander hin, und jung und alt schrie um Hilfe.

Glücklicherweise befanden sich im Zuge selbst, teils unter den Zuschauern, mehrere gelehrte Herren, wie zum Beispiel die kaiserlichen Leibärzte Wilhelm Arragos, Krato von Kraftheim und Wolfgang Lazius, welche sich eifrigst bemühten, den Tumult zu hemmen und die allgemeine Angst durch die laut ausgesprochene Erklärung zu beschwichtigen, dass dieses Tier kein gefährliches Ungetüm, sondern im Gegenteil sehr gutmütig und gelehrig sei; dass es, mit Namen Elephas Elephantis, in seiner Heimat, in den Reichen Afrika und Asien nämlich, sogar nützliche Dienste verrichte; dass man aus seinen Zähnen das vornehme „Elfenbein“ gewinne, das dem Golde gleich geachtet werde, und mit dem die Türen am Tempel Salomons belegt gewesen seien, und dass sonach der erlauchte Erzherzog Maximilian, indem er es aus Hispanien mitgebracht, der Wissenschaft einen großen Dienst erwiesen habe.

Diese naturhistorische Erläuterung des Sachverhaltes mit dem langnasigen Ungeheuer, verschlug nicht viel, und erst als aus des Prinzen Gefolge die Herren Kanzler Widmannstadt, Geheimschreiber Christobal de Castillejo und kaiserliche Kammerdiener Leopold Heyberger sich dem vermeintlichen Untiere genähert und dasselbe furchtlos betastet hatten, begann die Furcht des Volkes zu schwinden, ja es entstand allmählich sogar ein Gedränge um den klug dreinschauenden Elefanten, so dass der Prinz freundlich den Zug bisweilen halt machen ließ, um den Leuten Zeit zur Bewunderung zu gönnen. So ging es glücklich vorwärts bis in die Mitte des „Grünen Marktes“.

Bei dem massenhaften Zudrange des Volkes aus allen Seitengassen, wird der Festzug gehemmt, und plötzlich ertönte aus der dicht gedrängten Menge um den Elefanten ein gellender, markerschütternder Schrei mit der Stimme der Todesangst. Frau Maria von Gienger, die Gemahlin des kaiserlichen Raitrates (Rechnungsrates) Anton von Gienger, der als Gönner der Wiener Hochschule vom Volke hochgeschätzt wurde und der ein Haus zu eigen besaß, wollte zu einem vorderen Platze, um von da aus den Zug bequem überschauen zu können.

Mit einem Mal von der zuwogenden Menge unwiderstehlich vorgedrängt, entglitt ihr für einen Augenblick ihr Kind, und dieses, fort gestoßen, kollerte vor die Füße des Riesentieres. Dem Entsetzensschrei der vor Schreck halbtot zurücktaumelnden Mutter folgt im Nu ein hundertstimmiger Hilferuf, und all der zunächst Stehenden Blicke starren nach dem Elefanten. Dieser aber sah ernst um sich, drängte mit seinem Rüssel alles von sich weg, hob, nachdem Raum um ihm geworden, fein säuberlich und gemach das weinende Kind auf, hoch über alle Köpfe empor und reichte es mit dem Anstande eines Dienst tuenden Kavaliers unverletzt der schreckensbleichen Mutter zurück. Jenen Angstrufen folgten nun betäubende Freudenrufe, ja, es wurden dem edlen Tiere Lebehochs gebracht, und der Jubel währte noch fort, nachdem dasselbe bereits den Blicken aller wieder entschwunden war.

Anton von Gienger, der Vater des so seltsam gefährdeten und zugleich geretteten Kindes, ließ aus Dankbarkeit an der Seitenwand des Eckhauses vom Graben gegen den Stock-im-Eisen-Platz, wo sich das Ereignis zugetragen hatte, zu immerwährendem Gedächtnis den Elefanten abbilden; zuerst aus Sandstein als Basrelief und darunter in lateinischer und deutscher Sprache folgende Inschriften anbringen:

Sincera Pictura Elephantis,
quem Serenissimus Rex
Maximilianus Primo
Viennae spectandum
exhibuit
Mense Aprili
Anno MDLII.

Dieses Tier heißt ein Elefant,
Welches ist weit und breit bekannt;
Seine gantze Größ, also Gestallt,
Ist hier gar fleißig abgemallt,
Wie der König Maximilian
Aus Hispanien hat bringen lan
Im Monat Aprilis fürwar
Als man zelt 1552 Jar.

1727 wurde darunter beigefügt: „Renovatum do Ao. MDCCXXVII“.

Nach diesem Jahre war aber das Basrelief schon so verwittert und so undeutlich geworden, dass man es ganz wegnahm und an derselben Stelle ein großes Wandgemälde anbrachte, welches noch in den alten Ansichten Wiens von Pfeffel, Delsenbach und anderen zu sehen ist. 1789 wurde während eines neuen Baues das Gemälde übertüncht und nicht wieder hergestellt. Die Gemeindevertretung Wiens hatte es zum Zwecke der Demolierung angekauft, um die enge Passage der dortigen Gegend frei zu machen, und im Jahre 1865 verschwand das alte Gebäude. Noch aber erhielten das Haus Nr. 31 der Rotenturmstraße und Nr. 47 der Kärntner Straße das Schild „Zum Elefanten“, und am Erker des letzteren befand sich auch ein Sandsteinbild dieses seltsamen Ankömmlings in Wien.

Leider erwies sich der erste Elefant in Wien noch weniger widerstandsfähig gegen die Unbilden des Wetters als sein steinernes Bildnis; er verendete schon am 18. Dezember 1553. Aus seinen Knochen wurde ein Stuhl gefertigt, welcher sich jetzt im Besitze des Stiftes Kremsmünster befindet.

 

   
Siege auch   Siehe auch Wolfsegg    
Familiensage vom Lindwurm  

Einstmals hauste am Wurmstein oberhalb Goisern, zur Zeit, als in der Goisernburg der König Kleonus herrschte, ein gewaltiger Lindwurm, der Schrecken in der Umgebung verbreitete. Eines Tages brach dieser Lindwurm aus und verheerte die Burg und das Land umher, wobei der König mit seinem Hofe zugrunde ging. Noch stand im Thale und von Berg zu Berg kein Wald, sondern Ackergründe, Wiesen und Weingründe bedeckten die Fluren. Da kamen nach 32 Jahren abermals sehr große „Wassergüsse“, durch welche das ganze Land verheert und öde wurde.

 

   
Familiensage vom räuberischen Fräulein  

Einstmals saß der Burgherr zu Guttenberg auf seiner Burg und war betrübt wegen der kriegerischen Zeiten. Marodierende Bauernhaufen hatten sich auch in Richtung Guttenberg aufgemacht. Als in diesen Tagen des Jahres 1525 ein schönes Fräulein mit ihrem Gefolge an der Burgpforte Einlass  und Schutz begehrte, entsprach er diesem Wunsch.

Am gleichen Abend richteten sich die aufständischen Bauern zur der Belagerung der Burg ein und drohten dem Ritter mit der Zerstörung. Da die Burg nur schwach besetzt war, wollte der Burgherr mit den Bauern verhandeln und in dieser Not sagte der Burgherr zu, seinen Burgschatz auszuliefern, wenn die die Bewohner und die Burg unversehrt bleiben sollten. Doch als er die Schätze aus der Schatzkammer holen wollte, war diese zu seinem Entsetzen leer und bis auf das Letzte ausgeräumt. Sen Verdacht fiel auf das schöne Fräulein, aber alles Rätseln, Jammern und Beteuern war vergebens, die Burg wurde von den Bauern geplündert, eingeäschert und alle Bewohner der Burg wurden von ihnen ohne Ansehen von Person und Alter abgeschlachtet.

Spät in der finsteren Nacht rollte ein schwer beladener Trosswagen mit Gefolge im Sturm den Burgberg hinunter. Im Wetterleuchten des aufkommenden Gewitters konnte man die schöne junge Frau erkennen, die auf dem Bock saß und die Pferde den Hohlweg hinunter peitschte. Plötzlich erfasse eine Sturböe das schwerfällige Gefährt und schmiss es um. Die Schöne wurde unter der Wagenladung zerquetscht, ihre Mannen aber begruben das Fräulein und den Schatz am Wegesrand bevor sie sich davon machten.

Seit dem erscheint bisweilen in stürmischen Gewitternächten eine weiß gekleidete Frau am Burgweg zur Burg Guttenberg und gar manchem einsamen Wanderer standen die Haare zu Berge, als er die weiße Gestalt nach ihrem Schatz suchen sah.

 

   
Familiensage von den Pilgern bei Büelisacker  

Einstmals 1309, wurden bei Büelisacker zwei adelige Pilger aus England erdolcht, die dann mit den abgeschlagenen Häuptern unter dem Arm nach Sarmenstorf weitergewandert waren.

1311 Johans von Hallwil stiftet die Angelsachsenkapelle in Sarmenstorf. In ihr werden die beiden Pilger beigesetzt.

 

   
Familiensage von der ersten Türkin  

Einstmals gehört die trutzige Wasserburg Crottorf im Wissertal an der südöstlichen Grenze des Oberbergischen Landes den Grafen von Hatzfeld-Wildenburg. Um 1600 war Sebastian von Hatzfeld Herr zu Crottorf, Wildenburg, Merten und Schönstein. Melchior von Hatzfeld, der Sohn des Burgherrn, war während des Dreißigjährigen Krieges neben Tilly und Wallenstein zum bekanntesten kaiserlichen Heerführer avanciert. Vom Burgherrn Sebastian von Hatzfeld wird eine seltsame Geschichte erzählt: Danach hängen in einem der unteren Säle zu Crottorf die Bilder derer von Hatzfeld, darunter auch das des Grafen Sebastian selbst. Er soll in den Krieg gegen die Türken gezogen und gefangen genommen worden sein. Nur durch die Heirat mit einer Türkin habe er sich aus der Gefangenschaft befreien können. Diese türkische Gattin begleitete ihn in seine ferne Heimat. Zu Crottorf erwartete Sebastian aber seine christliche Gemahlin, bei der er anfragen ließ, ob sie die heidnische Rivalin aufnehmen wolle oder ob er sie erschießen solle. Wohl um das Leben der fremdländischen Frau nicht auf dem Gewissen zu haben, stimmte sie ihrer Aufnahme zu, so dass der Graf fortan mit zwei Frauen lebte, von denen ihm jede drei Kinder schenkte. Als später die Türkin erfuhr, dass bei ihrer Ankunft zu Crottorf ihr Leben auf dem Spiel gestanden hatte, ließ sie aus Dankbarkeit für ihre Errettung auf einem Berg bei Crottorf, wo sich ihr Schicksal entschieden hatte, eine Kapelle erbauen. Die Fama ergänzt dann weiter, Sebastian sei in der Ahnengalerie derer von Hatzfeld abgebildet, umgeben von seinen beiden Frauen, der blond gelockten, helläugigen Deutschen und der schwarz gelockten, glutäugigen Türkin. Weiters erzählt man sich, dass er auch mit ihnen in der Kirche von Friesenhagen in Stein ausgehauen zu sehen sei.

Tatsächlich haben sich über die wahren Ehen des Sebastian von Hatzfeld genaue Aufzeichnungen erhalten, nach denen er sogar viermal verheiratet war. Unter diesen vier Ehefrauen ist zwar keine Türkin, wohl aber als dritte Frau (vor 1618) Margarethe von Bockenvörde zu Echthausen, genannt Schüngel, Tochter des Georg von Bockenvörde und der Margarethe, Witwe des Franz Wilhelm von Hatzfeld zu Merten und Schönstein. Und genau das ist die geheimnisvolle „Türkin“, denn die Familie von Bockenvörde Schüngel zu Echthausen im Kreis Arnsberg hatte nämlich zu jener Zeit tatsächlich muslimische Verwandte in der Türkei. Und das kam so:

   
Familiensage von der zweiten Türkin  

Einstmals im Jahre 1496 am Gertrudistag wurde Johann Schüngel zu Echthausen Vater eines wunderschönen Knaben. Seine Gemahlin Gerharde von Fürstenberg hatte ihm einen Sohn geboren, der auf den Namen Johann Christoph getauft wurde. Johann Christoph verlebte eine unbeschwerte Jugend, so dass ihn der Leichtsinn ergriff. Als er dann kurz nach 1514 eine junge Nonne verführte, die dazu noch eine nahe Anverwandte war, kannte der Zorn seines Vaters keine Grenzen. Er sperrte den missratenen Sohn wochenlang bei Wasser und Brot in einem entlegenen Keller ein. Johann Christoph gab schließlich jede Hoffnung auf, dass ihm sein Vater jemals wieder die Freiheit schenken werde. In seiner Verzweiflung überwältigte er eines Tages den alten Kerkermeister, einen treuen Knecht seines Vaters, und flüchtete auf abenteuerlichen Wegen zunächst nach Köln und Mainz, schließlich nach Straßburg. An Rückkehr war nicht zu denken, weil er den Knecht seines Vaters mit einem Messer lebensgefährlich verletzt hatte. In Straßburg trat Christoph unter dem Namen Heinrich von Gerau in die Dienste des Bürgermeisters Litzau. Es ging ihm dort gut, aber sein lockerer Lebenswandel brachte ihn in schlechte Gesellschaft. Bald fehlte es an Geld zur Finanzierung seiner Ausschweifungen. Da verfiel er auf den Gedanken, seinen Herrn zu bestehlen. Seine Missetat drohte aber bald entdeckt zu werden, so dass er sich bei Nacht und Nebel durch eine übereilte Flucht nach Paris in Sicherheit brachte. Dort fehlte es ihm ebenso an Geld, weshalb er sich einem spanischen Grafen anschloss, der für seine Reise nach Ofen in Ungarn einen Bedienten suchte. Dieser Graf war aber wegen seines üblen Lebenswandels nicht mit ihm zufrieden und entließ ihn in Ungarn aus seinen Diensten. Da blieb Johann Christoph nichts anderes übrig, als sein Auskommen als Söldner zu suchen. Als Sultan Soliman 1521 Belgrad belagerte, lag gerade mit seiner Truppe in der Stadt. Der Kommandant der Festung vertraute dem verwegenen Johann Christoph eine geheime Botschaft an König Ludwig an. Seine Kameraden hofften, er werde sie sicher durch die feindlichen Linien bringen. Christoph ritt aber um 2 Uhr morgens stracks zum Hauptquartier der Türken und überbrachte Sultan Soliman persönlich den in seinen Kleidern eingenähten Brief. Die Türken waren sehr erfreut, dass er zu ihnen übergelaufen war. Überdies bekehrte er sich zum Islam und wurde als Offizier bei den Janitscharen bestellt. Nach der Einnahme Belgrads zog Christoph mit dem Heer des Sultans nach Aleppo in Syrien, denn die Türken hatten es auf Ägypten abgesehen. In Aleppo erreichte das Heer aber der Befehl zum Rückmarsch. Die Truppen kehrten in die Türkei zurück und erreichten schließlich Smirna (Izmir). Dort wurde Christoph von einem türkischen Kaufmann freundschaftlich aufgenommen, dessen Vater ein spanischer Renegat und dessen Mutter eine türkische Prinzessin gewesen war. Sie wurden so gut bekannt, dass ihm der Türke einen Teil seines Geschäfts und obendrein seine Tochter zur Ehe anbot. Dieses Angebot nahm Christoph mit Freuden an und heiratete die Tochter seines türkischen Geschäftspartners. Seine türkische Ehefrau brachte zwei Knaben zur Welt, wovon einer Azir-Harrab hieß. Die traute Zweisamkeit wurde aber gestört, als Christoph eines Tages auf dem Sklavenmarkt eine blutjunge, wunderschöne Französin entdeckte. Wie er erfuhr, stammte sie von vornehmen Eltern aus der Bretagne. Ein habgieriger niederländischer Schiffskapitän hatte sie bei einem Spaziergang in Brest entführt und als Sklavin verkauft. Nun sollte sie das Serail eines vornehmen ägyptischen Paschas schmücken. Der in Liebe entflammte Christoph kaufte sie frei und nahm sie zur Nebenfrau. Gegen seine türkische Gemahlin wurde er mit jedem Tag gleichgültiger. Als diese schließlich 1531 starb, schmiedete er mit der Französin bald Pläne zur Rückkehr in seine Heimat. Diese Gelegenheit ergab sich 1537, als ein französisches Schiff im Hafen von Smirna anlegte. Zusammen mit seiner Nebenfrau und einer türkischen Sklavin ging er an Bord. Seine beiden türkischen Söhne, von denen der älteste gerade 14 Jahre alt war, blieben in der Türkei zurück. Christoph hinterließ ihnen aber eine Beschreibung seines Lebens und seine künftige Adresse. Nachdem die drei glücklich in Toulon angekommen waren, benachrichtigte er sofort die Eltern seiner Nebenfrau. Diese waren überglücklich, ihre tot geglaubte Tochter wohlbehalten in die Arme schließen zu können. Christoph nahm wieder die christliche Religion an und erhielt vom Bischof Dispensation und Absolution. Mehrere Jahre bewohnte er nun in der Nähe von Brest ein ansehnliches Landgut, bis schließlich seine Frau kränklich wurde und an Auszehrung starb. Da erfasste ihn das Heimweh, und er kehrte nach Westfalen zurück. Im Kloster Liesborn, wo er nach seinen eigenen Worten „sein sündiges Leben durch Abtötung des Fleisches abbüßen“ wollte, beschloss er 1563 seine schriftliche Lebensbeichte.

 

   
Familiensage vom Ritter Herwarth und der schönen Müllerstochter  

Einstmals gab es eine unglückliche Liebesgeschichte zwischen Ritter Herwarth und der schöne Müllerstochter Else, sie verliebten und verlobten sich. Herwarths Vater war aber damit ganz und gar nicht einverstanden. Er forderte von der schönen Else den kostbaren Verlobungsring zurück. Else weigerte sich, ihn wieder her zu geben. Da erdolchte der Graf die Müllerstochter und warf den Leichnam in die Hase. Schäumend vor Empörung trat die Hase über die Ufer und zweigte einen rechten Nebenarm ab, die Else. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass bei Hochwasser gelegentlich Wasser der Hase in den nahegelegenen Uhlenbach floss und der Herr von Gesmold im 15. oder 16. Jahrhundert das ausnutzte und die Twelbeke als Verbindung von Hase und Uhlenbach/Else ausbauen oder gar neu graben ließ.

 

   
Familiensage von der Gräfin von Hochstaden kostbarstes Gut  

Einstmals lag zwischen Frimmersdorf und Mörken in der pappelbestandenen Erftniederung unmittelbar am Flusse, wo sich ein länglich runder Hügel erhebt, die Burg der mächtigen, in vielen Gemeinden der Umgegend begüterten Grafen von Hochstaden. „Hohster Knupp“ nennen die Leute in Erinnerung an den einstigen Sitz des untergegangenen Grafengeschlechtes die letzte unscheinbare Stätte; an der auch gar nichts mehr als ihr Name an geschichtliche Vergangenheit erinnert. Einst hatte ein Graf von Hochstaden mit dem Jülicher Grafen Händel bekommen. Dieser verheerte die Grafschaft, und da die Erft, die die Burggräben sonst mit Wasser speiste, nicht hoch stand, gelang es ihm auch, die Burg seines Gegners zu nehmen. Er fand jedoch dort nur die Gräfin und einige Diener vor. Der Graf selbst hatte sich durch die Flucht rechtzeitig retten können. Er blieb aber fortwährend in der Nähe seiner Gemahlin, die im Schlosse aufs Strengste bewacht wurde. Tagsüber hielt er sich im Dickicht des „Dales“ drunten an der Erft verborgen; nachts aber sattelte er sein Pferd und ritt hinauf nach Hochstaden. Weil er aber durch Hufspuren seines Pferdes die Aufmerksamkeit der Feinde, die ihm auflauerten, nicht auf sich lenken wollte, hatte der Graf die Hufe dem Pferd verkehrt anschlagen lassen. Der treue Kastellan, der die Schlüssel zur Burg behalten hatte, pflegte dem Herrn auf ein verabredetes Zeichen das Tor zu öffnen. Der schlich sich sodann durch geheime Gänge zur Kemenate der Gräfin. So trieb der Hochstadener es eine ganze Weile. Als er aber eines Morgens in der Frühe wieder fortreiten wollte, stolperte das Pferd; die jülicher Wache wurde aufmerksam und der Graf sah sich bald von herbeigeeilten Soldaten gefangen. Die Gräfin wandte alles an, ihren Gatten aus dem Burgverlies, wohin man ihn gebracht, zu befreien. Doch es half nichts; er wurde zum Tode verurteilt. Die Frau bat für sich wenigstens um freien Abzug. Der wurde ihr gewährt, und in seiner Siegesfreude gestattete der Jülicher ihr dazu, das Kostbarste ihrer Habe mitzunehmen. Da lud sie sich ihren Mann auf den Rücken und trug ihn durch die Reihen der verblüfften Feinde hindurch bis zu der Stelle, wo jetzt Noithausen liegt. Dort ließ sich das treue Paar ein „Nothaus“ bauen, nachdem der Ort benannt wurde, kehrte aber nach einigen Jahren, als eine Versöhnung mit dem Gegner zustande gekommen war, zur Stammburg zurück.

 

   
Familiensage vom Pudel mit den lodernden Augen  

Einstmals gab es in Freiburg die St.-Josephs-Bastion, an deren höchstem Punkt, genauer gesagt, auf den Trümmern der Vaubanschen Festungsanlage, sich das kleine, aber feine Colombi-Schlössle erhebt. Müssiggänger und Liebespaare, die diese beschauliche Grünanlage mitten in der Stadt zum Verweilen reizt, sollten nachts auf der Hut sein: Ein schwarzer Pudel mit feurig lodernden Augen treibt hier mitunter sein Unwesen, und auf dem Dach des Schlösschens schwebt eine Frauengestalt in weißem Gewand. Wer jedoch die Hintergründe dieses Spuks kennt, wird über den ersten Schreck schnell hinwegkommen.
Dereinst hatte die Erbauerin des Anwesens, Gräfin Maria von Zea Bermudez und Colombi, als exotische und extravagante Person schon immer die Phantasie der Freiburger erregt. 1860 ließ sie das neugotische Schlösschen erbauen, starb aber schon zwei Jahre nach dem Einzug. Drei Jahre später, kurz vor ihrer Hochzeit mit dem Grafen Richard von Kageneck, starb auch ihre Tochter unter mysteriösen Umständen, vermutlich an vergiftetem Speiseeis. Selbstmord, meinten die einen, Mord durch eine Nebenbuhlerin die anderen. Auf jeden Fall spukt sie seither als weiße Braut auf dem Dach. Für die Erscheinung des schwarzen Pudels hatten die Freiburger eine andere Erklärung: Der Vater der Erbauerin, spanischer Gesandter in Petersburg, hatte seinen immensen Reichtum nämlich angeblich mit dem Handel von Sklaven angehäuft. Zur Strafe für seine Raffgier ist seine Seele zur ewigen Ruhelosigkeit in Gestalt eines Pudels verdammt.

 

   
Familiensage vom Colombischlössle  

Einstmals im Jahre 1861 wurde für die Gräfin von Colombi in Freiburg Colombischlössle erbaut, das brachte der Familie offenbar nur Unglück. Als die Gräfin im Jahre 1863 überraschend starb, vermuteten viele einen Zusammenhang mit einem mysteriösen Vorfall: einige Monate zuvor war die sehr beleibte Dame bei einem Spaziergang durch den hinteren Teil des Parks auf einer fetten Kröte ausgerutscht. Die abergläubische Gräfin, von Panik getrieben, befürchtete größtes Unheil und vermied es fortan, den hinteren Teil des Parks zu betreten. Sie ordnete gar an, die Reben und Bäume in dem Bereich abzuholzen und verkaufte dann das Grundstück. Aus diesem Grund, so erzählt man sich, höre der Park heute nach Westen sehr abrupt auf, fällt steil ab und wird von der Colombistraße durchschnitten. Das Unglück konnte dennoch nicht aufgehalten werden: die Gräfin starb kurz darauf.

Aber der Fluch der Colombis forderte kurz darauf noch ein zweites Opfer. Die Tochter der Gräfin, Christine, hatte sich drei Jahre später mit Richard von Kageneck verlobt. Kurz vor der Hochzeit reiste der Bräutigam jedoch noch einmal geschäftlich nach Bleichheim. Christine wohnte solange auf dem Kageneckschen Schloss in Munzingen - und erkrankte. Der herbeigerufene Doktor stand vor einem Rätsel. Aber kurz vor der Hochzeit erholte sich Christine allmählich wieder. In der Nacht vor der Vermählung jedoch wurde das Personal im Colombischlössle mitten in der Nacht vom Läuten der Türglocke aus dem Schlaf gerissen. Nachdem sie erfolglos nach einem späten Gast Ausschau gehalten hatten, begaben sie sich wieder in ihre Betten – und bekamen kurz darauf die Nachricht, dass Christine genau zu diesem Zeitpunkt auf dem Schloss in Munzingen verstorben war. Ihre Todesursache wurde niemals geklärt, jedoch seit dieser Zeit wollen viele Freiburger nächtens eine weiße Frau auf dem Dach des Colombischlössle gesehen haben, die vor allem in Richtung Norden blicke. Man erzählt sich, sie blicke sehnsüchtig nach Bleichheim, wo ihr Bräutigam in Christines letzten Tagen weilte...

   
         
   
Die Zeit der Herren von Kapell  

Einstmals waren die Herren von Kapell eine der größten, mächtigsten und auch wohltätigsten Adelsfamilien im Gebiet um St. Leonhard im Mühlviertel. Ursprünglich stammten sie aus dem Traungau und ihren Stammsitz hatten sie auf Steyregg. Im Machland, in dem sie das Amt der Landrichter besaßen, übten sie die Herrschaft über die Güter Blasenstein, Ruttenstein, Münzbach, Stampfeck-St. Leonhard, Reichenstein, Schwertberg, Windegg, Mitterberg und Waldhausen aus. Im Mühlviertel besaßen sie ferner die Herschaften Peilstein und Pürenstein und in Niederösterreich unter anderem Falkenberg, Altenhofen, Roßbach, Schönberg, Gobelsburg, Hadersdorf und Wartenstein. Das Wappen derer von Kapell bestand aus einem silbernen Schild mit zwei roten Hörnern schrägrechts belegt.

Der wohl berühmteste Spross dieses Adelsgeschlechts war wohl der auch Ulrich der Lange genannte Ulrich III. von Kapell. Er war ein glühender Anhänger von Rudolf von Habsburg und kämpfte mit diesem im Jahre 1278 Seite an Seite in der Schlacht am Marchfeld gegen Ottokar II. Jener war König von Böhmen und durch seine Einheirat in die Linie der Babenberger auch Herzog von Österreich. Rudolf von Habsburg gewann durch diese Schlacht das gesamte Machland, das vorher im Besitz Ottokars II. war. Ulrich III. von Kapell befehligte die Nachhut in jener Schlacht und rettete Rudolf I. das Leben. Zum Dank hierfür erhielt er von Rudolf das Amt des Landrichters im Machland mit Gerichtssitz in Mitterberg und viele Güter in diesem Gebiet als Lehen. Hierzu zählte unter anderem auch der Ort St. Leonhard. Rudolfs Sohn Albrecht I. von Habsburg, der durch diesen Sieg über die böhmische Linie der Babenberger am Marchfeld an den Titel des Herzögs von Österreich gekommen war, bestätigte 1284 diese Belehnung für Ulrich III.

Im Jahre 1301 starb Ulrich III. Sein Sohn, Hans I. von Kapell, übernahm das gesamte Erbe. Im Laufe der Zeit gelang ihm durch geschickten Kauf und durch Erbschaft, die Ländereien derer von Kapell reichlich zu vermehren.

Hans I. war jedoch nicht nur ein äußerst wohlhabender Lehnsherr, sondern auch außerordentlich fromm. Seine zahlreichen Stiftungen zugunsten der Kirche zeugen davon. Er stiftete nicht nur die Pfarren St. Leonhard und Weitersfelden, sondern baute auch die Schlosskapelle in Mitterberg und verhalf dem Kloster Pulgarn zu reichlichen Einkünften.

Insbesondere von der Wohltätigkeit Hans I. von Kapell konnte St. Leonhard profitieren. 1337 stiftete er, wie es in den alten Quellen heißt, einen beständigen Priester für die nahe Stampfeck gelegene Kapelle St. Leonhard und begründete damit die spätere Pfarre. Die vormalige Kapelle in St. Leonhard gehörte zur Pfarre Gutau. Mit Einverständnis des Klosters St. Florian wurde durch die Stiftung von Hans I. von Kapell St. Leonhard von Gutau abgetrennt und zu einer eigenen Pfarre erhoben. St. Leonhard verblieb zwar als Filiale bei Gutau, besaß jedoch eine gewisse Selbständigkeit. Zwar haben bereits vor der Stiftung durch Hans I. von Kapell Priester hier das Pfarramt von Zeit zu Zeit ausgeübt, doch konnten sie in St. Leonhard nicht genug Einkünfte erzielen, um davon leben zu können. Dieses Übel beendete Hans I. von Kapell und wies den in St. Leonhard tätigen Pfarrern ein ständiges Einkommen zu.

Der von Hans I. von Kapell ausgefertigte Stiftsbrief selbst datiert auf das Jahr 1342. In diesem ist auch vermerkt, dass der jeweilige Pfarrer von Gutau von den künftigen Pfarrern von St. Leonhard einen Zehnt zu erhalten habe. Der so genannte kleine Zehnt wurde bis ins Jahr 1880 gezahlt und bestand aus Flachs, Eiern und Geld. Der so genannte Zehntkasten des Pfarrers von Gutau war in Tirnberg im Haus des Wimmers eingerichtet. Bis ins Jahr 1900 wurden dort auch die Verzeichnisse über den bezahlten Zehnt aufbewahrt. Leider verbrannte die damalige Besitzerin diese Verzeichnisse in jenem Jahr und begrub damit ein Stück wertvolle Ortsgeschichte für immer. Aufgrund seiner historischen Bedeutung für die Heimatgeschichte sei der Stiftsbrief im Folgenden wiedergegeben:

"Ich Hans von Kapell und Ich Kungundt sein Hausfrau, Wir verrichten und thuen kund offenbar mit dem Brief allen die ihn sehent oder hörend lesen, dass wir mit aller unser Erben guete wille und gunst zu der Zeit, da wir es woll gethuen möchten durch Gott und mit gueter Andacht habe geben zu der Kapellen darz St. Leonhard, die ein Zuekirch ist hiez der Pfarr daz Guettau allen Clainen Zehent, den wir haben in derselben Pfarr, wie es genant ist mit allen recht Und nutzen als wir Ihn haben Inne gehabt Und von aller in Unser gewalt kommen ist. Und ein Hauss, das gelegen ist in demselben Dorf darz St. Leonhard und ein Krautgarten daselbste Und eine Wise, das ist anderhalb Tagwerkh, auch in der derselben Zu trost und zu einem ewigen Seelgerät Unss Und allen Unsseren vorderen, ald beschaidentlich das ein Priester da sitzen soll Ewiglich, und dieselbe Kapelle besunderlich besingen, wann manch Mensch daselben verfahren ist, an Gottesleichnam von den Wer der ist Von der Pfarr zu Guettau hiez St. Leonhard und noch geschehen mecht, Ob wir es nicht unterstunden. Es soll auch derselbe Priester Ihn nemben und behalten alles das zu derselben Kirche zu recht gehört, es sey von der Pfarr oder Von wen es Imer werden mag, oder von Klainen Zehent, als vorgeschrieben stehet am grossen Zehent allain beyderlay Traidt, den wir mögen zu haben und Oeffentlich an Zunehmben und soll davon raichen alle Jahr einen Zeitlichen Zins dem Pfarrer hiez Guettau, als er begehrt und anders nicht. Wäre aber, dass ein Priester da säss, der eines ungeordneten Lebens währ, das nicht sein soll und an den Herrn Zehent von St. Florianhauss säumig währ, als vor ist oft geschehen und darüber drey Stundt gemahnt wirdt Und sich nicht bessern wollt, so soll der Pfarrer daz Guettau haben sollen gewalt, denselben Priester verkehren und ainen anderen, der besser sey an sein statt sezen und der ihm den Zins als vorgeschrieben ist Zu ainem Zeichen des Er ihm unterthan sein soll, geb alle Jahr als sich die Zeit schickhet das die Sach und die Wandlung stät und unzerbrochen bleib, darüber gib Ich vorgenant Hans von Kapell diesen Brief zu einem wahrenurkhundt versigelte und mit einem Insigi, der geben ist zu Mittberch nach Christi Geburt tausend Jahr dreihundert Jahr darnach in dem Zwayundvierzigsten Jahr an St. Johannstag zu Sunibenten."

Erstmals als Pfarre erwähnt wurde St. Leonhard im Jahre 1364. Nach dieser Urkunde verpfändete Graf Stefan Harrach einige Dörfer in der Pfarre St. Leonhard an Heinrich den Schreiber, Schaffer zu Freistadt. Der Graf löste diese Güter jedoch nicht wieder ein und später kamen sie durch Bernhard Polan in den Besitz von Freistadt. Der Rat der Stadt schenkte diese Güter schließlich 1401 der Pfarre St. Leonhard als Messstiftung.

Die nachfolgenden Generationen der Kapell taten ihren Ahnen gleich und mehrten gleichfalls den Besitz der Familie. Im Jahre 1406 starb jedoch mit Eberhard II. als letzter der Kapell das Geschlecht im Mannesstamme aus. Die Erbtochter heiratete Hartneid V. von Lichtenstein und so fielen schließlich die Besitztümer an dieses in der Gegend um St. Leonhard wirkenden Adelsgeschlecht.

Nach dem Tode des letzten Herren von Kapell ging die Vogtei St. Leonhard 1406 in den Besitz derer von Lichtenstein über. In den nachfolgenden Jahren fielen die Hussiten mehrfach in das Machland ein. Aus den Jahren 1422, 1424, 1428 und 1432 sind deren Überfälle in der Gegend überliefert. In Wartberg und Pregarten brannten sie die Kirchen nieder. Sie kamen jedoch auch bis in die unmittelbare Umgebung von St. Leonhard. So steht wenige hundert Meter unterhalb des Ortes auf dem Weg ins Stampfental das so genannte "Blinde Kreuz".

 

   
Die Entstehung des Ortes St. Leonhard  

Einstmals siedelten Menschen an der Stelle des heutigen Ortes St. Leonhard. Insbesondere Hirten wurden vom ausgezeichneten Weidegrund rings um den Predigerberg angezogen und dort wurden sie auch allmählich sesshaft. Nicht zuletzt durch das Wirken der Mönche aus dem Hochstift Passau bauten diese Hirten wohl schon bald ihr eigenes Gotteshaus, das sie dem hl. Leonhard, dem Schutzpatron der Haustiere weihten. Von dieser Kirche sind leider keinerlei Reste mehr vorhanden. Erst nach der Mitte des 10. Jahrhunderts setzte sich nämlich der steinerne Bau von Kirchen durch. Vorher wurde überwiegend Holz als Baumaterial genutzt. Jenes aber überdauert die Jahrhunderte leider nur in den seltensten Fällen und nur unter bestimmten Bedingungen.

Die gesamte Gegend um St. Leonhard gehörte damals zur Pfarre Gutau. Diese wiederum unterstand dem Kloster St. Florian. Die erste urkundliche Erwähnung der Pfarre Gutau datiert auf das Jahr 1122. Denn aus jenem Jahr ist ein Dokument überliefert, wonach Bischof Reginmar von Passau dem Kloster St. Florian den halben Zehnt aus der Pfarre Gutau schenkte. Weitere Erwähnung findet die Pfarre Gutau in einer Urkunde aus dem Jahre 1131 anlässlich der Weihe des Altars und des Altarraumes der Pfarrkirche durch eben diesen Bischof Reginmar von Passau. Das vom Kloster St. Florian erbaute Schiff der Kirche wurde 1147 durch Bischof Regimbert geweiht.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes St. Leonhard stammt aus dem Jahre 1150. Dieses im oberösterreichischen Urkundenbuch aufgeführte Dokument beschreibt die sich von der Aist bis zur böhmischen Grenze erstreckenden Besitztümer der Herren von Hagenove. Diese Beschreibung enthält neben der Erwähnung von St. Leonhard auch noch die Namen Stechelberg und Flenitz. Der Stechelberg ist Teil der heutigen Ortschaft Schmierreit. Das direkt am Fuß des Stechelberges liegende Haus trägt auch heute noch den Hausnamen "Stechelberggut". Die Flenitz schließlich ist ein Bach, der in Erdmannsdorf entspringt und in Kefermarkt in die Feldaist mündet. Dem interessierten Leser sei nun die entsprechende Passage dieser Urkunde im Wortlaut wiedergegeben:

"Iste sunt proprietate que inceperuntvacare a domino Hagenove.... Inter fluvios dictos Agst ambos. Unus proprahitur de fluvio, qui dicitur Flenitz, de fluvio, qui dicitur Agst collateraliter usque ad vulgare Gemerk. Idte est erminus inferion, a fluvio, qui dici Aldagst, usque ad montem, qui dicitur Stechelberg sursum, es ultra montem, qui dicitur Stechelberg usque ad St. Leonhardum, es ultra stm. Leonhardum montem Stechelberg supra in silvam, qui dicitur Nortwald usque ad terminos, qui vulgariter dicuntur Generch."

Aus dem Jahre 1220 findet sich ferner eine Urkunde, die Auskunft über die Besitztümer des Hochstifts Passau im Gebiet um St. Leonhard gibt. In diesem Dokument wird eine dem Hl. Leonhard geweihte Kapelle erwähnt, die wohl der heutigen Pfarrkirche im Ort voraus ging:

"He sunt proprietatis et termine, quze ceperunt vacare ecel Pataviensi in Riedmarchia es morte tum advocati a terminus Boemie a fluvio, qui dicitur Vloene per decessum eusdem fluvii usque ad fluvium, qui dicitur Vedagist et per decessum flunimie usque Zwisl, ubi utraque Agst confluunt item per decessum Waldagast usque ad montam, qui dicitur de Stechilberg et ab eodem monte ad St. Leonhardum, et ita usque ad terminos australes Witra."

In dieser Urkunde wird das Gebiet der Gemeinde auch als Riedmark bezeichnet. Die Riedmark ist Teil des ehemaligen Mühlkreises oder Mühlviertels. Dieses Gebiet gliederte sich wiederum in drei Teile. Die genauen Grenzen der einzelnen Teile sind in Ermangelung genauer Urkunden und Dokumente aus dieser Zeit leider nicht mehr exakt zu bestimmen. Doch im allgemeinen wurde das Gebiet zwischen bayerischer Grenze und Haselgraben "Mühlland", zwischen Haselgraben und Aist "Riedmark" und der übrige Teil des Mühlviertels "Machland" genannt. Die Zugehörigkeit des Gebietes um St. Leonhard zur Riedmark ist jedoch nicht so eindeutig wie es das oben genannte Dokument erscheinen lässt. Denn viele Quellen und Urkunden aus jener Zeit lassen St. Leonhard als zum Machland zugehörig erscheinen. Mittlerweile wird jedoch in der Heimatforschung allgemein davon ausgegangen, dass St. Leonhard Teil der so genannten Riedmark war.

Im Jahre 1265 legte Adrian Rauch ein Verzeichnis aller Einkünfte des Landesfürsten aus den österreichischen Gütern an. In diesem "rationarium austracum" wurde St. Leonhard und die jeweilige Höhe der hier erzielten Einnahmen mehrfach erwähnt. Beispielsweise erhielt der Landesfürst einmal ein Talent und zehn Denare aus St. Leonhard. Doch nicht nur St. Leonhard, auch viele andere Dörfer und Ortschaften um St. Leonhard wurden in diesem Dokument mit den in ihnen erzielten Einnahmen aufgeführt. Beispielsweise waren dies Vierlinga (das heutige Langfirling), Pramenöde, Haide, Schachofen (das heutige Schwaighof), Mangus (Maasch), Weizzenstein (heute Teil von Haid), Gereut (Reit) und Panholz (Stiftung).

St. Leonhard ist ein sehr alter Ort und schon sehr früh befand sich hier eine dem hl. Leonhard geweihte Kapelle. Dies läßt sich alten Urkunden und Dokumenten entnehmen. So wurde beispielsweise der Predigerberg in den oben zitierten Urkunden aus den Jahren 1150 und 1220 als "mons St. Leonardum" bezeichnet. Aus dieser Kapelle wird im Laufe der Jahre wohl eine größere Kirche entstanden sein.

Durch Stiftung durch Hans von Kapell wurde schließlich 1342 die Pfarre St. Leonhard gegründet. Schon vor der Gründung der Pfarre werden aber Priester zeitweilig das Pfarramt in der Kirche von St. Leonhard ausgeübt haben. Deren Einkünfte waren jedoch wohl so gering, dass sie sich niemals lange am Ort halten konnten. In der Gründungsurkunde zur Pfarre St. Leonhard heißt es in diesem Zusammenhang beispielsweise, dass der von Hans von Kapell gestiftete Priester dem Pfarrer von Gutau einen Zehnt zahlen müsse, so wie dies früher schon oft der Fall gewesen sei.

 

   
Vorgeschichte  

Die Geschichten über die Zauberer und Hexen unter den Fürtsterzbischöfen Kinburg (Küenburg) sind zwar, bis auf wenige Ausnahmen, keine richtigen Sagen, entsprechen aber dem Stoff, aus dem Sagen gewoben werden.

Vorgeschichte zum Hexenwahn in Salzburg: Der Hexenwahn hatte zwischen 1575 und 1750 auch drei schreckliche Wellen von Verfolgung über das Fürsterzbistum Salzburg hinweg schwappen lassen. Der Anfang kam so: Ab 1550 kam es nach einer Jahrhunderte dauernden Warmzeit zu einem Klimasturz, der „Kleinen Eiszeit“, die bis etwa 1850 dauerte. In der Folge kam es immer öfter zu unerklärlichen Minderernten, Häufungen von Unwettern, Muren und Überschwemmungen. Die schwer betroffenen Bauern, die zudem ausgerechnet damals mit der Umstellung von ertragsgebundenen Zehents auf eine fixe Geldsumme konfrontiert wurden, forderten von der Obrigkeit das Eingreifen gegen den „Schadenzauber“.

 

   
Familiensage vom Schatz auf der Kienburg I  

Die Isel hat sich nach ihrer Art willkürlich und wild einen Flusslauf durch die Ebene gebahnt. Es gibt in diesem Tal bei Wälschmatrei (Matrei/Osttirol) wenig Grund für die Landwirtschaft, denn Busch- und Laubwerk bedecket die Ufer des Flusses. Hoch über den einzelnen Hütten, welche von Zeit zu Zeit das Auge des Wanderers berühren, ragt am jenseitigen Ufer die Feste Kienburg empor, ein trutziges Überbleibsel ausgestorbener Adelschaft auf einem einsamen Hügel, das Stammhaus des einst in Bayern blühenden Grafengeschlechts derer von Kienburg, die nun im Salzburgischen den Ton angeben und von dort aus ihre Herrschaftsrechte in dieser Gegend ausüben. Schon wurzeln mächtige Bäume im Boden zwischen den Gemäuern des einstigen Prunksaals, wo einst Grafen, Ritter und Edelmänner mit ihren edlen Frauen und den Gästen sich verlustiert hatten.

Einstmals hatte der Herr auf Kienburg in seinem Leben als Raubritter durch Gewalt, Entführung und Mord großen Reichtum erworben und viel Gold vergraben. Nun muss er als Geist den Schatz bewachen, bis er erlöst wird. Die Erlösung kann aber nur auf folgende Weise vor sich gehen: Auf den Burgmauern wird ein Baum emporwachsen. Sobald nun dieser Baum alt geworden ist, muss man aus seinem Holze eine Wiege zimmern, in welche der Erstgeborene eines freien Bauern gelegt werden wird. Ist derselbe dann herangewachsen, so muss er Priester werden und kann bei seiner Primizmesse, wenn er des Ritters in frommen Gebete gedenkt, diesen erlösen. Zur Belohnung dafür erhält er die Gewalt, den Schatz zu heben und darüber nach seinen Gutdünken zu verfügen.

 

   
Familiensage vom Schatz auf der Kienburg II   Einstmals ging in diesem Schlosse an der Isel der Graf von Kienburg, reich und mächtig, ein und aus. Die umliegenden Bauern mussten ihm arbeiten und zinsen, und er drückte sie mit unmenschlichem Fron, nahm von ihrem Gut, Schweiße und ihren Töchtern, was ihn gelüstete. Ein erbittertes Weiblein, dem er die letzte Kuh aus dem Stalle geholt, sprach über ihn einen gräulichen Fluch aus: „Das Gebein sollte ihm am Leibe verdorren, ausdorren die Kraft seiner Lenden, und er soll in den Flammen des Fegfeuers büßen, bis die Burg eingefallen, bis auf den Trümmern eine breitstämmige Fichte aufgegrünt, ihr Holz zu einer Wiege verarbeitet, und aus derselben ein Jüngling hervorgegangen sey, der zum Priester geweiht, seine erste Messe lese.“ Dieser Zeitpunkt sollte ihn aus den Flammen erlösen. Schon steht die Fichte auf den Trümmern, das Volk aber geht beklommen vorüber und schlägt ein Kreuz über den unglücklichen Zwingherrn.

 

   
Familiensage vom Mäusemacher  

Einstmals hatte es der große Zauberer und Hexenmeister Jakob Koller, kurzhin Zauberer-Jackl genannt, besonders auf die jungen Leute (Hüterbuben usw.) abgesehen, die er seine Zauberkünste lehrte. Ein solcher vom Jackl in der Zauberei unterrichteter Bub saß einmal nahe dem Wege, der nach Moosham führt. Er hielt ein Stäbchen in den Händen und schnitt davon Späne ab, deren jeder sich in ein kleines Mäuslein verwandelte. Da war aber der Gerichtsscherge des Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg, Fürsterzbischof in Salzburg. Der Gerichtsdiener kam aus dem nahen Pfleggerichte zu Moosham unversehens des Weges daher und sah dem sonderbaren Treiben des Buben zu. Als dieser des Schergen ansichtig wurde, erschrak er und wollte eilends entfliehen. Doch der Gerichtsscherge griff sich mit einem gewaltigen Satz den Buben und befragte ihn nach seinem seltsamen Tun, das er vorhin bei ihm beobachtet hatte. Der Bub versuchte anfangs zu leugnen, aber durch das hitzige Auftreten des Schergen eingeschüchtert, erwiderte er voll Angst: „Ich kann nichts, aber die andern können viel, sie sind meine Lehrmeister.“ Und er nannte all die Hexen und Hexer, so den Zauberer-Jackl, die vier Wölfe, die Staudingerhex und viele andere. Der Bub erzählte auch von der von den Zauberern zubereiteten Salbe, welche sie, damit angestrichen, auf 24 Stunden in Wölfe verwandeln könne. Auch ihn hätten die Wölfe einst mit einer Hexensalbe bestrichen, wodurch er in einen Wolf umgewandelt wurde; als solcher habe er einmal Jagd auf Pferdefüllen gemacht und da habe ihm eines mit dem Hinterfuße das Kinn entzweigeschlagen, daher die an ihm sichtbare Hasenscharte, das untrügliche Kennzeichen der Zauberer und Hexen.

Auf die Aussage des Buben hin wurden alle der Zauberei verdächtigen Personen eingefangen und nach Moosham geliefert, um nach einem schrecklichen Hexenprozess auf dem Paßeggen hingerichtet zu werden.

 

   
Familiensage vom Gewitter hinter dem Ofen   Einstmals war das erste Opfer der Hexenverfolgung im Salzburgischen ausgerechnet der 80-jährige Pfarrer Ramsauer von Bramberg. Der fromme Mann war bereits alt und weise und konnte die Angst der Menschen nicht verstehen. Um die Unsinnigkeit der Angst zu zeigen, hatte er gewitzelt, er könne hinter dem Ofen ein Gewitter hervor zaubern. Er wurde deswegen angeklagt, ihm wurde der Prozess gemach und schließlich wurde er unter der Regentschaft des Fürsterzbischofs Michael Graf von Kuenburg 1575 in Mittersill für dieses Verbrechen bei lebendigem Leibe verbrannt.

 

   
Familiensage vom Malteserritter und der guten Frau  

Einstmals war der Graf von Lerchenfeld bei den Malteserrittern. Die Devise dieser Organisation war und ist bis heute, anderen zu helfen. Es kann daher ohne weiteres sein, dass der Graf das Mädchen Josefine Haas unterwegs aufgelesen hat und in seinem Haushalt aufnahm. Als Lehrerstochter war sie sicherlich in der Lage, lesen, schreiben und rechnen zu können. Dies zeichnete sie vor allen anderen Arbeitssuchenden aus. In den Kreisen der Mädchen, die sich als Dienstmädchen verdingten, war diese Fertigkeit keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Wie ein Ölgemälde und eine Büste zeigt, war Josefine von einnehmendem Äußeren, der Chronist beschreibt sie sogar als „blühend schön“. Klugheit und Schönheit können ein Grund für eine Vertrauensstellung im Haushalt des Grafen gewesen sein. Ob sie der Graf geheiratet hat oder nicht, ist nicht von Bedeutung. Eine Ehe zwischen einem Adeligen und einer Lehrerstochter war damals undenkbar. Daher war es mehr oder weniger irrelevant, ob Josefine die Geliebte des Grafen war oder eine Trauung zur linken Hand stattgefunden hatte. Diese Form der Trauung bedeutete, dass die Frau keinerlei Rechte besaß, keine Anerkennung vor dem Gesetz oder den Anverwandten hatte, für sich selbst und auch nicht für ihre Kinder weder Name, Titel oder Stellung erben konnte.

Es lässt sich zwar keine Geburtseintragung für gemeinsame Kinder finden, durch die Eintragung am Grabstein wissen wir jedoch, dass aus der Verbindung zumindest eine Tochter namens Louise entstammte, die 1841 gestorben ist. Die Erzählungen berichten, dass Louise 14 oder 17 Jahre alt geworden sein soll.

Im Todesjahr von Louise, 1841, war Josefine Haas 58 Jahre alt. 14 oder auch 17 Jahre zurückgerechnet ergibt ein für damalige Verhältnisse unwahrscheinliches Geburtsalter für eine Mutter. Viel erklärlicher erscheint es hingegen, dass Tochter Louise durch ihre uneheliche Geburt eine standesgemäße Heirat nicht eingehen konnte. Auch für sie war daher bestenfalls eine Trauung zur linken Hand möglich, was den Nachnamen am Grabstein erklären würde. Als mögliche Todesursache kommt eine der damals häufig auftretenden Seuchen in Frage oder Kindbettfieber.

Wann der gräfliche Vater gestorben ist, lässt sich wiederum nicht feststellen. Eine kleine Bemerkung im Stiftungsbrief von 1868 lässt jedoch den Schluss nahe, dass zur Zeit, als die Stiftungen geschaffen wurden, also 1844, Graf Lerchenfeld noch gelebt haben könnte. Es heißt im Absatz 13 aus dem Kodizille vom 27. November 1846 zum Stiftungsbrief von 1844 in der Fassung von 1868: „Mein Wunsch und Wille ist, wenn die vorhergesagte Abhandlung der Verlassenschaft des Herrn Grafen Lerchenfeld in 4 Monaten nach seinem Tode nicht beendigt ist, so trete ich mit dem von mir ausgesprochenen Brautgeschenk, welches 6 Mädchen aus Klosterneuburg betrifft, zurück und es sind alle Pläne und Entwürfe über diesen Punkt nichtig und ungiltig, ...“

Ein Brief von Josefine Haas vom 15. April 1844 an den Bürgermeister der Stadt Burglengenfeld in der Oberpfalz mit der „Stiftungs- resp. Schenkungs-Urkunde“ muss in der kleinen Stadt für große Aufregung gesorgt haben.

„Nachdem ich mir durch den Segen Gottes, durch Sparsamkeit und durch eingetretene glückliche Zeitverhältnisse ein namhaftes Vermögen erworben habe, und nachdem es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, meine einzige Tochter aus diesem irdischen Leben abzurufen, und ich somit ohne direkten Erben bin, so will ich, in Anerkennung der guten Erinnerung, welche meine Vaterstadt Burglengenfeld in der Oberpfalz von Bayern meinem seligen Vater bewahrt, und damit ich in eben so gutem Andenken erhalten werde, jetzt schon bei Lebzeiten einen Theil meines Vermögens zum Besten der in Burglengenfeld und in einem Umkreis von zwei Stunden um diese Stadt geborenen armen Mädchen bestimmen, und eine Stiftung machen, deren Fond in Einhundert zwanzig Stück Aktien der kaiserlich königlichen privilegierten österreichischen National-Bank bestehen soll. ...“

Josefine Haas hatte eine Summe von 240.000 Gulden als Anfangskapital bestimmt, bestehend aus 120 Stück Aktien der K. K. Niederösterreichischen Nationalbank Wien

Zwölf arme Mädchen sollten mit den Zinserträgnissen dieses Stiftungskapitals jedes Jahr mit einer Brautausstattung beteilt werden. Die Anforderungen waren streng reglementiert. So musste jedes der zwölf durch Los zu bestimmende Mädchen ein gutes Führungszeugnis beibringen. Erst mit Vollendung des 24. Lebensjahres und nach vollzogener Eheschließung, was mit einem gerichtlich beglaubigten Trauschein nachgewiesen werden musste, erhielt das ausgewählte Mädchen das Brautgeschenk in der Höhe von 800 Gulden Reichswährung zugeteilt. Damit konnte sie ein Grundstück mit Haus kaufen.

Josefine Haas hatte auch für die Verlosung strenge Vorschriften gegeben. In einer Lostrommel, „... einem Rad von Glas...“, sollten hölzerne Büchsen mit den Namen der in Frage kommenden Mädchen sorgfältig gemischt werden [Diese Trommel wird auch heute noch für Verlosungen benutzt.]. „Nach sorgfältiger, durch Umdrehung des Rades bewirkter Mischung, soll ein achtjähriges Mädchen ein Büchschen aus dem Rade ziehen, und so fortfahren, bis das letzt Büchsen herausgehoben worden ist“. Die Stiftung sollte jeweils am Geburtstag der Stifterin, am 25. März, vollzogen werden, so wie es heute noch geschieht.

Für die erste Ziehung am 2. August 1857, an der Mädchen teilnehmen durften, die in der Zeit vom 25. März 1844 bis 24. März 1845 geboren worden waren, mussten 108 Kapseln hergestellt werden.

Die Satzungen der Aussteuerstiftung wurden von König Ludwig I. am 24. Juli 1844 bestätigt und im „Regierungsblatt für das Königreich Bayern“ am 27. Juli 1844 veröffentlicht. Zum Dank für ihre großzügige Schenkung erhob er Josefine Haas am 28. August 1844 in den Adelsstand und verlieh ihr den Ehrennamen „von Längenfeld-Pfalzheim“. Die Eintragung ins Adelsmatrikel erfolgte am 3. September 1844. Auch ein Wappen wurde Josefine Haas von Längenfeld-Pfalzheim zuerkannt. Das Wappenschild ist durch einen Schrägbalken mit Stern in zwei Teile geteilt. Im rechten Feld befindet sich ein Pelikan mit seinen Jungen in einem Nest, als Symbol ihrer großzügigen Stiftung. Im linken Feld findet sich ein Zinnenturm mit Tor und Fenstern.

Die österreichische Beglaubigung erfolgte am 18. Dezember 1844: „Die angeblich zu Wien domicilierende Josephine Haas ist am 25. August d. J. in den bayr. Adelsstand erhoben worden mit der Bewilligung, dass sie ihren bisherigen Nahmen in jenen von Längenfeld-Pfalzheim ändern darf. (Nr. 42, Seite 758).“

 

   
Familiensage vom Juden am Schlossberg  

Einstmals lebte auf dem Schlossberg bei Pappenheim ein Bauer, der einem Juden Geld schuldig war. Als er die Schuld trotz aller Mahnungen nicht bezahlen wollte, drohte der Jude, ihn vor Gericht zu verklagen. Da erschlug der Bauer seinen Gläubiger und warf den sterbenden Mann im hellen Licht der Sonne in den Burgbrunnen. Der Jude aber sagte zuvor sterbend: „Wenn auch kein anderer diese Tat gesehen hat, so muss dich doch die Sonne verraten.“

So oft nun früh die Sonne hell in die Schlafkammer schien, lächelte der Bauer vor sich hin und dachte: „Du hast gut scheinen, aber verraten kannst du mich nicht!“ Seiner Frau fiel das Lächeln auf, und eines Abends schmeichelte sie ihm die Geschichte ab. Er müsse immer über den dummen Juden lächeln, sagte der Bauer, den er erschlagen habe.

Als die beiden nach einigen Jahren oft in Streit miteinander gerieten, und der Bauer seine Frau roh behandelte, schrie die Frau: „Willst du es mit mir auch so machen wie mit dem Juden, den du erschlagen und in den Brunnen geworfen hast?“ Das hörte ein Knecht und meldete es dem Gericht. Der Bauer flüchtete in die Fremde und verscholl. Nur um Mitternacht muss er als ruheloser Geist auf dem Schlossberg umgehen.

 

   
Familiensage von der Rettung des Vaterlands  

Einstmals kündet eine Weissagung der Familie Pappenheim, dass ein Sprössling des Hauses einen einfallenden König töten und das Vaterland retten werde.

Heinrich Graf von Pappenheim glaubte wohl, er werde diese Prophezeiung erfüllen, als er 38-jährig von Wallenstein nach Lützen zur Teilnahme an der bevorstehenden Schlacht gegen Gustav Adolf gerufen wurde. Pappenheim erschien mit 8.000 Reitern in dem Augenblick auf dem Schlachtfelde, als der Sieg sich den Schweden zuneigte. Voll Begierde, Gustav Adolf selbst im Kampf zu begegnen, stürzte er sich in das dichteste Gewühl und stellte das Treffen wieder her. Er selbst wurde dabei tödlich verwundet und verschied 17. November 1632 in der Pleißenburg zu Leipzig. König Gustav Adolf aber war bereits eine Stunde vor dem Eintreffen Pappenheims gefallen.

 

   
Familiensage vom Schuster zu Lauingen  

Einstmals, als die Heiden und Hunnen bis nach Schwaben vorgedrungen waren, rückte ihnen der Kaiser mit seinem Heere entgegen und lagerte unweit der Donau zwischen Lauingen und dem Schloss Faimingen. Nach mehreren vergeblichen Ausfällen von beiden Seiten kamen endlich Christen und Heiden überein, den Streit durch einen Zweikampf entscheiden zu lassen. Der Kaiser wählte den Marschall von Calatin (Pappenheim) zu seinem Kämpfer, der den Auftrag freudig übernahm und nachsann, wie er den Sieg gewiss erringen möchte. Indem trat ein unbekannter Mann zu ihm und sprach „Was sinnst du? Ich sage dir, dass du nicht für den Kaiser fechten sollst, sondern ein Schuster aus Henfwil (später Lauingen) ist dazu ausersehen.“ Der Calatin versetzte „Wer bist du? Wie dürfte ich die Ehre dieses Kampfes von mir ablehnen?“ - „Ich bin Georg, Christi Held“, sprach der Unbekannte, „und zum Wahrzeichen nimm meinen Däumling.“ Mit diesen Worten zog er den Däumling von der Hand und gab ihn dem Marschall, welcher ungesäumt damit zum Kaiser ging und den ganzen Vorfall erzählte. Hierauf wurde beschlossen, dass der Schuster gegen den Heiden streiten sollte. Der Schuster übernahm es und besiegte glücklich den Feind. Da gab ihm der Kaiser die Wahl von drei Gnaden sich auszubitten. Der Schuster bat erstens um eine Wiese in der Nähe von Lauingen, dass diese der Stadt als Gemeingut gegeben würde. Zweitens, dass die Stadt mit rotem Wachs siegeln dürfte, welches sonst keinem mittelbaren Ort verstattet war. Drittens, dass die Herrn von Calatin eine Mohrin als Helmkleinod führen dürften. Alles wurde ihm bewilligt und der Daumen St. Georgs sorgfältig von den Pappenheimern aufbewahrt, die eine Hälfte in Gold gefasst zu Kaisheim, die andre zu Pappenheim. Auf dem Hofturm der Stadt Lauingen findet sich obige Sage abgemalt. [Frei nach den Gebrüdern Grimm]

 

   
Familiensage vom Mühlmandl in der Lichtenau  

Einstmals ging ein Spielmann aus Haslach am Ufer der Großen Mühl entlang nach St. Oswald. Unweit des Schlösschens Lichtenau begegnete ihm ein seltsames Männlein. Es hatte ein braunes Gesicht, und seine Haare und sein Bart waren wie die grünen Pflanzen, die man am Grunde der Mühl findet.

„Wohin gehst du?“ fragte es den Spielmann. „Nach St. Oswald“, antwortete dieser, „dort ist eine Hochzeit, und da soll ich geigen.“ „Lass die Oswalder“, sagte der Zwerg, „die werden auch ohne dich tanzen. Komm mit mir, ich habe heute meine Hochzeit, da sollst du mir aufspielen.“

Das Mandl führte ihn zur Mühl und ging mit ihm in das Wasser. Sie kamen zu einem Tore, das sich von selber öffnete, und dann in einen Saal, der mit Zweigen und grünen Pflanzen aufgeputzt war. Viele Zwerge mit ihren Begleiterinnen am Arme schritten durch eine Tür herein, und der Tanz begann. Der Haslacher fiedelte den ganzen Tag, daß ihm seine Finger weh taten; endlich hatten die Zwerge genug und verließen den Saal. Der letzte aber kam auf ihn zu und sagte: „Begehre keinen Lohn und sage, du seiest mit dem zufrieden, was im Kehricht hinter dem Besen liegt.“

Es dauerte nicht lange, so kam der Bräutigam wieder und fragte, was er denn für die Musik schuldig sei. „Ich bin mit dem zufrieden, was im Kehricht hinter dem Besen liegt“, antwortete der Spielmann. „Gut gewählt“, sagte lachend der Zwerg, „es sind nur drei Kreuzer. Nimm sie dir, bewahre sie aber gut auf, und sooft du Geld wünschest, schlage auf die Tasche, und du hast so viel, als du willst.“ Darauf führte das Mandl den Geiger aus dem Saale, und sogleich stand er wieder neben der Mühl auf der Wiese. Er wusste nicht gleich, ob er wache oder träume. Als er aber um sich sah, erblickte er das Schlösschen und weiter weg den Kirchturm von Haslach.

Er ging dem Orte zu, da kam ein Reiter auf einem prächtigen Schimmel vorüber. „Was kostet der Schimmel?“ fragte der Haslacher. „Hundert Gulden“, war die Antwort. Da schlug der Spielmann voll Erwartung auf die Tasche, in der die drei Kreuzer waren, und sogleich fühlte er, dass sie schwer war. Er holte die hundert Gulden heraus und kaufte den Schimmel.

Von nun an schlug der Spielmann fleißig auf seine Tasche und war bald ein reicher Mann. Er erwies den Haslachern viele Wohltaten und ließ auch rings um den Ort starke Mauern anlegen, die den Bewohnern gar oft, besonders in den Hussitenkriegen, gegen ihre Feinde sicheren Schutz boten.

 

   
Familiensage der Agnes von Pfannberg  

Einstmals im Jahre 1269 wurde die Festung Pfannberg zerstört, die auf einen der Vorberge, etwa eine Wegstunde südlich von Frohnleiten, gebaut war. Die Besitzer des Schlosses Bernhard und Heinrich wurden vom Sibald Pögl zu Reiffenstein der Untreue und des Verrats beschuldigt und verhaftet. Bald erschienen auch die Lehensmänner des Königs und forderten die Burg. Die schöne Gattin Bernhards lehnte jedoch die Übergabe ab und so begannen sie die Burg zu beschießen. Aber die Feinde hatten keinen Erfolg, so beschlossen die Söldner die Burg zu belagern. Zwei Wochen lang umzingelten der Feind erfolglos die Burg.

Eines sonnigen Tages sahen einige Söldner einen spielenden Jungen in einem Felsspalt verschwinden. Ein mutiger Söldner stieg nun bei Nacht in diese Felsspalte. Er entdeckte, dass der Weg ins Innere der Burg führte. Nun wussten sie, wie sie in die Festung eindringen konnten. Niemand in der Burg bemerkte, dass die Söldner den Schlossberg zu besteigen begannen. Ein erbittertes Ringen begann. Die mutige Schlossherrin führte selbst den Kampf an und ermutigte mit ihren Worten die Männer, die sie in helle Begeisterung brachte. Die Männer konnten sich in die Nähe des Burgtores durchschlagen, schon schienen Freiheit und Rettung zu winken. Doch da traf ein feindlicher Speer die edle Herrin. Die Getreuen sahen mit Schaudern den Fall ihrer heldenmutigen Herrin und wurden vom Feind überwältigt. Die Herrin selbst konnte sich noch einiger Feinde erwehren, ehe sie selbst starb. Nur zwei der Getreuen gelang es lebend zu entkommen. Am Morgen suchten die Feinde vergeblich die Leiche der mutigen Burgfrau. Die zwei Männer, die dem Kampf entkommen waren, hatten ihre Leiche fortgeschafft. Erbost steckten die Feinde die Burg in Brand und mussten ohne Agnes von Pfannberg zurückkehren. Seitdem kann man in hellen Vollmondnächten ihren Schatten in der Ruine sehen.

 

   
Familienlegende von der wundertätigen Marienstatue   Einstmals verschwand eine Marienstatue aus dem Schloss Vasoldsberg und wurde dann in den Murauen in Fernitz in einem Dornbusch aufgefunden. Obwohl man die Madonna dreimal an ihren ursprünglichen Aufstellungsort auf Schloss Vasoldsberg zurückgebracht hatte, ist sie dort stets wieder verschwunden und in den Auen gefunden worden. An der wundersamen Fundstelle in Sankt Marein bei Knittelfeld wurde von den Freiherren von Prankh für die wundertätige Marienstatue eine Kapelle mit dem Namen „Maria Trost“ errichtet.

 

   
Familiensage vom verwunschenen Fräulein  

Einstmals hatte man die Trümmer der Burg Ramstein beim Dorfe Brezwil zur Errichtung von Sennhütten verwendet, die in der Nähe aufgebaut wurden.

Beim Ausbrechen eines Balkens kam plötzlich eine Jungfrau nebst einem Hündchen hervor und bat die Arbeitsleute, man möge diesen Balken zu einem Altar verwenden und sie auf diese Weise von ihrer Verwünschtheit erlösen. „Ich bin“, sagte sie, „die Tochter des Schlossherrn gewesen und dieses Hündchen hier war unser Jäger, der mich entführte. Auf meiner Flucht entschlief ich und der uns nacheilende Vater bannte uns mit Verwünschungen in einen Baum; der Balken da, den ihr eben aus der Wand gebrochen hab, ist aus diesem Baum geschnitten.“ Die Zimmerleute warfen den Baum gleich ins Feuer, aber schon am nächsten Morgen darauf lagen die schönsten Kühe des Sennen tot im Stalle. Jede hatte einen großen schwarzen Fleck unter der Brusthaut. Von nun an wiederholte sich dieser Rinderfall alle zehn Jahre, und oft sah man auch eine weiße Gestalt, der ein Hündchen nachlief, durch die Scheune ziehen. So brach man zuletzt die gefährlichen Sennenhütten ganz ab.

 

   
Familiensage über den Randeck in Saugestalt  

Einstmals hauste Fritz von Randeck auf seinem Burgfelsen. Einmal fuhr Fritz von Randeck mit einem Wagen mit sechs Pferden und einer Menge Bedienten, hielt vor dem Haus eines Mannes, von dessen schöner Tochter er gehört hatte. Er stieg aus und bat den Mann, er möchte ihm seine Tochter zur Gemahlin geben. Der Mann war froh, dass seiner Tochter ein solches Glück widerfuhr, und sagte gleich ja. Es war auch an dem Freier gar nichts auszusetzen.

Das Mädchen erschrak auch anfangs vor dem Ritter und scheute sich, ihn zu heiraten, aber auf Zureden ihres Vaters willigte es endlich ein. Darauf setzte es sich in den Wagen zu dem Blaubart und fuhr mit ihm fort. Wie es in seine Burg kam, war alles prächtig, und was die junge Schönheit nur wünschte, das geschah, und sie wären recht glücklich gewesen, wenn sie sich nur an den rauen Ritter hätte gewöhnen können, aber immer, wenn sie den sah, erschrak sie innerlich davor.

Nachdem das einige Zeit gewährt, sprach er „Ich muss für Tage auf eine Jagd, da hast du die Schlüssel zu der ganzen Burg, du kannst überall aufschließen und alles besehen, nur die Kammer, wozu dieser kleine goldene Schlüssel gehört, verbiet ich dir. Schließt du die auf, so ist dein Leben verfallen.“ Sie nahm die Schlüssel, versprach ihm zu gehorchen, und als er fort war, schloss sie nacheinander die Türen auf, und sah so viel Reichtümer und Herrlichkeiten, dass sie meinte, aus der ganzen Welt wären sie hier zusammengebracht. Es war nun nichts mehr übrig als die verbotene Kammer, der Schlüssel war von Gold, da gedachte sie, in dieser ist vielleicht das Allerkostbarste verschlossen. Die Neugierde fing an, sie zu plagen, und sie hätte lieber all das andere nicht gesehen, wenn sie nur gewusst, was in dieser wäre. Eine Zeitlang widerstand sie der Begierde, zuletzt aber ward diese so mächtig, dass sie den Schlüssel nahm und zu der Kammer hinging „Wer wird es sehen, dass ich sie öffne.“ sagte sie zu sich selbst, „Ich will auch nur einen Blick hineintun.“

Da schloss sie auf, und wie die Türe aufging, schwamm ihr ein Strom Blut entgegen, und an den Wänden herum sah sie tote Weiber hängen, und von einigen waren nur die Gerippe noch übrig. Sie erschrak so heftig, dass sie die Türe gleich wieder zuschlug, aber der Schlüssel sprang dabei heraus und fiel in das Blut. Geschwind hob sie ihn auf und wollte das Blut abwischen, aber es war umsonst, wenn sie es auf der einen Seite abgewischt, kam es auf der andern wieder zum Vorschein. Sie setzte sich den ganzen Tag hin und rieb daran und versuchte alles Mögliche, aber es half nichts, die Blutflecke waren nicht herauszubringen. Endlich am Abend legte sie ihn ins Heu, das sollte in der Nacht das Blut ausziehen.

Am andern Tag kam der Ritter von der Jagd zurück, und das erste war, dass er die Schlüssel von ihr forderte. Ihr Herz schlug, sie brachte die andern und hoffte, er werde es nicht bemerken, dass der goldene fehlte. Er aber zählte sie alle, und wie er fertig war, sagte er „Wo ist der zu der heimlichen Kammer?“ Dabei sah er ihr in das Gesicht. Sie ward blutrot und antwortete „Er liegt oben, ich habe ihn verlegt, morgen will ich ihn suchen.“ „Geh lieber gleich, liebe Frau, ich werde ihn noch heute brauchen.“ „Ach ich will dir’s nur sagen, ich habe ihn im Heu verloren, da muss ich erst suchen.“ „Du hast ihn nicht verloren,“ sagte der Ritter zornig, „du hast ihn dahin gesteckt, damit die Blutflecken heraus ziehen sollen, denn du hast mein Gebot übertreten, und bist in der Kammer gewesen, aber jetzt sollst du hinein, wenn du auch nicht willst.“ Da musste sie den Schlüssel holen, der war noch voller Blutflecken. „Nun bereite dich zum Tode, du sollst noch heute sterben“, sagte der Ritter, holte sein großes Messer und führte sie auf den Hausehrn.

„Lass mich nur noch vor meinem Tod mein Gebet tun“, sagte sie. „So geh, aber eil dich, denn ich habe keine Zeit lang zu warten.“ Da lief sie die Treppe hinauf und rief so laut sie konnte zum Fenster hinaus „Ihr Jagdgefährten des Ritters, kommt, helft mir!“

Der Teufel, mit dem der Ritter auf der Jagd gewesen war, saß im Wald beim kühlen Wein und sprach zu sich „Mir ist, als hätt ich die Stimme des Ritters Frau gehört. Ich kann mir nun den Ritter holen!“ Da sprang er auf sein Pferde und ritt, als wäre er der Sturmwind, die Frau des Ritters aber lag in Angst auf den Knien. Da rief der Blaubart unten „Nun, bist du bald fertig?“ Dabei hörte sie, wie er auf der untersten Stufe sein Messer wetzte; sie sah hinaus, aber sie sah nichts als von Ferne einen Staub, als käm' eine Herde gezogen. Da schrie sie noch einmal „Ihr Jagdgefährten des Ritters! kommt, helft mir in meiner Not!“ Und ihre Angst ward immer größer. Der Blaubart aber rief „Wenn du nicht bald kommst, so hol ich dich, mein Messer ist gewetzt!“

Der Teufel war schon so nah, dass er die Stimme des Ritters hörte „Nun ist's genug gebetet, ich will nicht länger warten, kommst du nicht, so hol ich dich!“

Da stand aber auch schon der Teufel im Schlosshof, verwandelte den Ritter mit einem Fluch in eine Sau, setzte sich auf das Tier und ritt auf dem Fritz von Randeck in Saugestalt aus dem Burghof über die Zugbrücke durch den Wald den Berg hinunter und schnurstracks in die Hölle und alle Reichtümer des Blaubarts gehörten ab nun der Schönen im Schloss. [Frei nach den Gebrüdern Grimm]

 

   
Familiensage über die drei steinernen Brüder  

Einstmals hausten auf der trutzigen Burg Randeck im Altmühltal drei Brüder. Sie waren wegen ihrer Wildheit verhasst, und jedermann wich den rohen Gesellen aus. Namentlich die Jungfrauen fürchteten sich, ihnen zu begegnen. Deshalb fand auch keiner der Brüder eine Frau und sie mussten sich darum oft verspotten lassen. Da schworen sich die Drei einander zu, drei Edelfräulein zu rauben, die im Kloster Weltenburg Zuflucht gesucht hatten. Schon vor Tagesanbruch standen sie am Ufer der Donau, gegenüber dem Kloster. Der Kahn zur Überfahrt lag am jenseitigen Ufer. Kurz entschlossen überquerte der Jüngste schwimmend den Strom, band den Kahn los und ruderte zurück. In der Mitte des Flusses hielt er entsetzt inne, denn ein dumpfer Laut drang aus der Tiefe. Hinabschauend erblickte er auf dem Grund des Wassers die Leichen dreier Ritter. Grauen erfasste ihn. In diesem Augenblick tauchte eine Nixe aus den Fluten und winkte ihm freundlich zu. Aufs höchste überrascht, ließ er die Ruder sinken. Erst auf die mahnenden Zurufe der Brüder ruderte er ans Ufer. Die drei Brüder fuhren an das Weltenburger Ufer, versteckten sich im Klostergarten und lauerten auf ihre Beute, die das Kloster barg. Nicht lange, da öffnete sich die Klosterpforte, und heraus traten drei schöne, liebliche Jungfrauen. Die Bösewichte stürzten sich auf sie, schleppten sie trotz verzweifelten Bittens und Flehens in den Kahn, der sie schnell Donau abwärts trug. Der Überfall war nicht unbemerkt geblieben. Der Klostervogt, ein Vetter der Jungfrauen, eilte im pfeilschnellen Kahn zu Hilfe heran. Als sich die Räuber verfolgt sahen, stürzten sie sich ins Wasser, um schwimmend ans Ufer zu flüchten. Aber die Donaunixe ergriff sie und verwandelte sie in drei Steine.

 

   
Familiensage vom Teufelsstein bei Reichenbach  

Einstmals soll der Teufel einen riesigen Stein in einer einzigen Nacht gebildet haben. Nicht weit von Reichenbach im Amte Lichtenau, dem hohen Steine gegenüber in einem Walde liegt dieser Teufelsstein. Er sieht aus, als wären etliche hundert Karren Steine kunstreich zusammengeschüttet, indem sich wunderbarlich Gemächer, Keller und Kammern von selbst gebildet, in welchen bei schweren und langen Kriegen die Bewohner der Gegend mit ihrem ganzen Haushalt gewohnt. [Frei nach den Gebrüdern Grimm]

 

   
   

Bei den Sagen um Reichenstein haben wir alle Sagen der beiden Reichenstein versammelt, sowohl des Schweizerischen (aus dem meine Vorfahren stammen), als auch des Rheinischen.

 

   
Familiensage vom Ritter Haim zu Reichenstein  

Einstmals war eine Frau wegen ihrer Schönheit landauf, landab berühmt und wenn sie die Harfe mit meisterlicher Hand spielte, empfanden alle die ihr lauschten, ihren Gesang und ihr Spiel wahrlich als eine Vorahnung der Seligkeit. Die holde Frau Anna war jedoch zutiefst unglücklich und weinte Nacht für Nacht. Ihr Gemahl, Ritter Haim zu Reichenstein, begegnete ihr hart und ohne Liebe. Er scholt sie wegen ihrer Schönheit, die ihr doch nur als ein Geschenk des Himmels in die Wiege gelegt worden war. Auch grämte er sich darüber, dass sie ihm keinen leiblichen Erben schenkte.

Eines Tages erging ein Ruf an alle Ritter durch das Land, gegen die ungläubigen Heiden im Orient in den Krieg zu ziehen. Da wollte auch Ritter Haim zu Reichenstein zu den Waffen greifen und sich in den Kreuzzug einreihen.

Sein Zorn gegen seine Frau war es, der Ritter Haim zu Reichenstein verleitete, sich dem Kreuzzug in das Morgenland anzuschließen. Denn er wusste, dass sie während seiner Abwesenheit große Sorge um ihn haben würde.

Ritter Haim nahm nun Abschied von seiner Frau Anna und ritt fort ins Morgenland. Er zog nicht aus Eifer um den Glauben in den Krieg, sondern um seine Frau Anna zu kränken.

So geschah es, dass er auf dem Kreuzzug in die Gefangenschaft der Ungläubigen geriet. So hielt der Sultan von Jaffa den Ritter Haim zu Reichenstein in harter Haft und ließ ihn schwere Sklavendienste verrichten. Als der Ritter nun dem Sultan ein Lösegeld antrug, damit dieser ihn endlich in die Freiheit entließe, setzte der Sultan dieses so hoch an, dass selbst der Verkauf aller seine Ländereien nicht genügt hätte, ihn auszulösen.

Viele Jahre währte bereits die Gefangenschaft des Ritters Haim zu Reichenstein, ohne dass in ihm auch nur die geringste Hoffnung auf Befreiung keimen konnte. Während dieser Zeit war seine Frau Anna auf Reichenstein voller Sorge und Traurigkeit. Denn für viele Jahre drang keinerlei Kunde von den Kreuzfahrern bis zur abgelegenen Burg Reichenstein hinauf. Voller Traurigkeit rührte sie auch ihre geliebte Harfe nicht mehr an. Und so lag diese nun schon seit Jahren mit zersprungenen Saiten in einem Winkel ihrer Kemenate.

Nach vielen Jahren der Trübsale und der Ungewissheiten kam nun ein fahrender Sänger auf Reichenstein. Dieser zog, wie es in jenen Jahren beim fahrenden Volk Sitte war, von Burg zu Burg und verkündete die Neuigkeiten und Nachrichten, die ihm im Laufe seiner Wanderungen zugetragen wurden. So berichtete er der holden Frau Anna, dass Ritter Haim unter dem Sultan von Jaffa in harter Gefangenschaft schmachte und Frondienste verrichten müsse.

Monate später brachte ein Schiff Pilger in das Heilige Land. Unter jenen war auch ein junger Franke mit goldgelocktem Haar, der die Harfe meisterlich zu spielen verstand. Als der Sultan von Jaffa schließlich von diesem jungen Franken hörte, bat er ihn für einen guten Lohn an seinen Hof, damit dieser dort seine Spielmannskunst zum Besten geben könnte.

Der junge Harfenspieler willigte ein und begab sich an den Hof des Sultans. Dort spielte er auf und sang ein Lied von der Liebe und der Treue der Frauen seines Landes. Er spielte und sang mit solcher Lieblichkeit, dass dem Sultan und seinem Hofe die Herzen erweichten und sie ganz ergriffen wurden.

Als der junge Franke nun sein Spiel beendet hatte, sprach der Sultan zu dem Jüngling: „Erbitte Dir eine Gnade, wunderbarer Spielmann. Und was Du forderst, sei Dir gewährt.“ Daraufhin erbat sich der Harfenspieler vom Sultan, er möge seine Christensklaven herbeirufen. Von diesen wollte der Jüngling einen erwählen und der Sultan solle diesem die Freiheit schenken.

Der Sultan willigte ein und ließ seine Sklaven kommen. Es kam ein langer Zug von jungen und alten Männern aus den Kerkern. Einige trugen ihre Ketten noch aufrechten Hauptes. Anderen hatte ihr hartes Los bereits das Haar gebleicht und den Rücken gekrümmt. Unter den letzteren erspähte der Spielmann mit dem goldgelockten Haar auch den Ritter Haim zu Reichenstein.

Der Spielmann deutete auf den Ritter und rief: „Diesen da, erbitte ich mir, oh Herr, als meinen Lohn.“ Voller Dankbarkeit und Freude sank der Ritter Haim zu Reichenstein vor dem fremden Harfenspieler auf die Knie. Nicht ohne Verwunderung über die Bescheidenheit des jungen Franken folgte der Sultan seiner Bitte und entließ den Ritter Haim aus der Gefangenschaft. Doch er ließ beide erst ziehen, nachdem er sie reich beschenkte.

Im Hafen von Jaffa trennten sich der Jüngling und der Ritter. Haim zu Reichenstein begab sich sogleich auf ein Schiff und kehrte nach vielen Wochen der Reise wohlbehalten zu Burg Reichenstein zurück. Dort angekommen bat er alle seine Nachbarn und Freunde zu sich, um mit ihnen seine Errettung und glückliche Heimkehr zu feiern.

Während die Burg nun in festlichem Glanze erstrahlte, meldete der Pförtner die Ankunft eines fremden Jünglings. Es war ein Pilger, der eine Harfe in seinen Händen trug. Ritter Haim rief aus, „sollte es mein Erretter sein“ und befahl, ihn sogleich hereinzuführen. Und welch Wunder, es war der fremde Jüngling, der ihn aus der Gefangenschaft errettete. Ritter Haim hieß ihn vollster Freude willkommen und bat ihn, zu bleiben und Mantel und Pilgerkappe abzulegen.

Als der fremde Pilger nun tat, was ihm der Ritter geheißen hatte und Mantel und Kappe niederlegte, erkannte Ritter Haim in ihm seine treue Frau Anna. In diesem Augenblick sank er, wie schon einmal in Jaffa, vor ihr voller Dank und Freude auf die Knie. Von diesem Augenblick an vergaß er seinen ganzen Gram, den er einmal für seine Frau hegte und achtete und behandelte sie bis an sein Ende wie den Schutzengel seines Lebens.

 

   
Familiensage vom goldenen Buchenlaub  

Einstmals ging an einem sonnigen Herbsttage ein armes Mädchen auf den Reichenstein, um für zwei Ziegen Streu zu holen. Da erblickte es ein unbekanntes Weib in auffälliger, alter Tracht, das mit einem Rechen die vielen umher liegenden Buchenblätter zusammenzog, genau zählte und neben sich aufhäufte. Jedes Blatt klang, als würden Goldstücke aufeinander fallen und wie Gold glänzten sie auch. Das fremde Weib gab dem Mädchen durch stumme Gebärden zu verstehen, die Körbe damit zu füllen. Vor Schreck aber lief das Kind davon. Das unschuldige Sonntagskind hätte die arme Seele erlösen und zu größtem Reichtum gelangen können.

 

   
Familiensage vom Reichensteiner Brotweiblein  

Einstmals sammelte ein Mädchen aus Stadlern am Reichenstein Waldgras. Da begegnete ihm in der Nähe des Wartturmes ein uraltes, gebücktes, verhutzeltes Weiblein. Das reichte dem Kinde stumm ein Brot hin. Das Mädchen aber fürchtete sich, das Laiblein anzunehmen und lief schnell davon. Nun begann das alte Mütterlein herzzerreißend zu weinen und verschwand zwischen den Felstrümmern. Durch Annahme des Brotes und ein „Vergelts Gott“ hätte die arme Seele erlöst werden können und der Laib Brot wäre in pures Gold verwandelt worden. Dieses Weiblein war aber niemand anders als die Tochter des einstigen Turmwarts vom Reichenstein, der zur Zeit der Hussitenkriege die im Walde gelegene Mündung des zur Burg führenden Ganges verriet.

 

   
Familiensage von der Brautwerbung auf Rheinstein  

Einstmals nahmen Herren der prächtigen Burgen am Rhein die Schiffer und Handelsleute aus. Fanden sie bei einem kein Gold, so nahmen sie sich eben Silber oder andere Werte.

Der Ritter Diethelm auf Burg Rheinstein konnte sein Leben lang mit Geld nicht umgehen, es ist ihm immer zwischen den Fingern zerronnen. Sei einziger Trost in seinem Unglück war seine Tochter Gerda, die aus einer späten Ehe hervorgegangen war und deren Mutter bei der Geburt verstarb. Das Mädchen war nun in dem Alter zu heiraten.

Der Vater träumte von einem reichen Verehrer, der ihn für die Tochter bestens entschädigen sollte. Es gab zwar einen Bewerber dem weder Jugend noch Schönheit fehlten - Helmbrecht, der Sohn des alten Sternbergers - aber auch auf Burg Sternberg gab es keine Reichtümer.

Doch Helmbrecht war so hartnäckig, dass er eines Tages seinen Onkel, den Gunzelin von Reichenstein bat, als Brautwerber bei Gerdas Vater vorzusprechen. Gunzelin besaß ein großes Vermögen, wenn auch mit zweifelhafter Herkunft. Er war der nächste Nachbar von Ritter Diethelm und wusste nur zu gut, dass er einen reichen Schwiegersohn haben wollte.

Als er Gerda jedoch erblickte, war er von ihrer Schönheit so angetan und setzte sich in den Kopf, Gerda, koste es was es wolle, selbst zu heiraten, dass er selbst um sie warb statt für seinen Neffen. Der Vater war sogleich vom Reichtum und dem bestimmten Auftreten des Bewerbers angetan und willigte ein.

Da der Herr von Reichenstein es nicht erwarten konnte, wurde die Hochzeit bereits auf einen der nächsten Tage gelegt, die in der Klemenskapelle von Trechtingshausen vollzogen werden sollte. Diese Kapelle liegt zu Fuß der Burgen Rheinstein und Reichenstein direkt am Rhein.

Da sich Gerda jedoch so sehr den jungen Helmbrecht als ihren Zukünftigen gewünscht hatte, war sie außer sich, als sie erfuhr, dass Gunzelin, der alte Mann, der Werber war. Sie weinte bitterlich. Vergeblich versuchte der Vater, sie zur Vernunft zu bringen, aber es nutzte nichts. Er hatte Gunzelin sein Ritterwort gegeben und dabei sollte es bleiben. Das Mädchen weinte die ganze Zeit bitterlich um ihren Geliebten. Zu ihrem Glück jedoch hatte sie sich hierzu den Burggarten ausgesucht.

Als Helmbrecht versuchte, Ritter Diethelm umzustimmen, stand er vor der verschlossenen Tür. Der Vater ließ ihm bestellen, er habe sein Wort verpfändet.

Ein Wassergeschöpf, das in dem Bach der neben der Burg fließt haust, wurde von den vielen Tränen angelockt. Die Nixe hörte sich das Leid an und suchte eine Lösung.

Am Hochzeitstag kam das ungleiche Paar an einem Hornissennest vorbei, als sie zur Klemenskapelle hinab ritten. Als Gunzelin kam, wurde wie von Nixenhand ein scharfes Stück Schiefer aus größter Höhe heruntergeschleudert und traf genau das Hornissennest. Die zornige Hornissen stürzten sich auf das Pferd, auf dem Gunzelin saß. Von zahllosen, brennenden Stichen gequält ging das arme Tier hoch und warf seinen Reiter den Steilhang hinunter. Gunzelin brach sich dabei das Genick.

Die Braut aber hatte mehr Glück, sie wurde von dem jungen Helmbrecht gerettet, der sich vor Kummer oberhalb der Kapelle versteckt hatte. Bereits eine Woche später stand er als Gerdas Retter mit ihr vor dem Traualtar in der Klemenskapelle. In dieser Kapelle wurden sie nach langer glücklicher Ehe und einem erfüllten Leben auch gemeinsam zur letzten Ruhe gebettet.

 

   
Familienlegende vom Mariastein  

Einstmals um das Jahr 1380 ist der mariasteinische Gnadenort entstanden. Auf romantischen Felsen des an Höhlen und Klüften reichen Jura-Gebirges erhebt sich heute das Heiligtum der Mutter Gottes von Mariastein, das wie ein Leuchtturm hinausschaut in die nahe Umgebung, aber auch geistiger und seelischer Leuchtturm ist für Tausende von Menschenherzen aus verschiedenen Ländern. Eine ganz eigenartige Poesie umgibt den heiligen Ort Mariastein. Obwohl nicht fern von der Großstadt Basel, liegt eine wunderbare Ruhe über dem heiligen Felsen und seiner romantischen, zur Andacht stimmenden Grotte, und der Pilger fühlt sich geborgen und gehoben in der Felsenkapelle von Mariastein. Nicht nur äußere Poesie umgibt das Heiligtum, nein, die ganze Entstehungslegende atmet überirdisches Walten auf dem heiligen Berge.

1693 beschreibt der hochgelehrte Kloster-Geschichtsschreiber Pater Dominicus Ginck in seiner Chronik folgende Begebenheit: „Als eines Hirten Weib bey der Gegend dises Thals in obgedachtem Eychwald eine Heerd Vichs hütete / ist selbige bey allzuhitzig-stechenden Sonnen-strahlen / mit welchen damals zu höchster Sommers Zeit diser fewrige Planet allerhefftigst auff die Erden spihlete / endlich veranlasst worden / sich um ein erquickend / kühl / und schattechten Ort umzusehen: Massen dann hierzu eine nechst und wolgelegene Steinklufft eines holen von Natur selbsten aussgekünstleten Felsens sich sehr bequemlich erzeigte: Machte sich ohne weitere Sorg mit ihrem bey sich habenden Kind unverweilt hinunder / sich in diser kühlschattreichen Felss zu erfrischen / sintemal die unerträgliche Hitz ihro aller mit Schweiss überrunnen ohne das hurtige Füss machte; warffe also in Begleitung ihres Kind den abgematteten Leib alldort zur Erde nieder. Was geschicht? das / was gemeinlich einem von Hitz und Arbeit erlegenen Menschen: der Schlaff war nur zubald under solchem anreizenden Schatten-Dächlein / hinderschleicht und übernimmt das gute Weib / welches dann alsbald eingeschlaffen / Wacht und Sorg über die grasende Heerd Gott einfältig vertrauend / wusste aber indessen nichts von einigem Unglück / noch weniger traumete ihr davon / was gestalten das auffsetzige und schlipfferige Glück ein wachtbares Schalcks-Aug auff ihr mithabendes Kind / welches sie gar wol versorget zu seyn vermeinte / warffe. Als nun die fromme Mutter jetzt aller Sorg frey da ein gute Weil schlieffe und aussrastete / lieffe inmittels ihr unruhiges Kind in disem holen Felss herum / biss endlich als es auss angeborner Fürwitz in das tieffe Thal wollte hinab schawen / es auss kindischer Unachtsamkeit sich zu weit über den Felss hinauss gewagt / gählings gestrauchelt / entschlipft / und über den stutzigen Felss in das vier und zwantzig Klafter tieffe Thal (O grausamer Fahl!) plötzlich hinunder geschossen.
Demnach nun die Mutter zu genügen schlaffen / und widerum erwachet / giengen alsobald ihre ersten Gedanken nach ihrem hinderlassenen Kind / wie es um dasselbige stehe; da sie aber hin- und her-sehend selbiges weder sehen noch hören oder anderwerts verspühren könnte / erschracke sie über die massen / bildete ihr nach langem Suchen und Ruffen / nichts anderes ein / als müsse das unbehutsame Kind in das tieff und schroffächtige Thal gefallen seyn / wie es dann auch ware: Laufft derohalben aller entrüst und angsthafft in höchstem Herzleyd durch einen rauch und stutzigen Umweg in das Thal hinunder ihr arm-unglückseligges / wo nicht in Stücke zerfallenes / aufs wenigest doch todes Kind für ein ungezweiffelte Leich auffzuheben / und zur Erden zu bestatten. Aber o unverhofftes Wunder! Nachdem die betrübte Mutter in das Thal gelangt / an statt da sie ihr nichts anders einbildete / als ein hertzbrechendes Traurspihl / sihe! da fande sie mit frölichem Anblick ihr tausent liebes Kind gantz unverletzt / frisch und gesund mit frewdigen Geberden Blümlein brechend.
Die Mutter von so unverhofftem Anblick theils vor Frewden / theils vor Verwunderung aller erstaunet / wusste nicht / ob sie ihren Augen glauben / oder die Sach in Zweiffel ziehen sollte? biss dass sie endlich sich um etwas erholend gefragt: Ey mein Kind / wie finde ich dich allda? Wie kommt es doch? Ja wie ist es je möglich / dass dir in so grausamen Fahl kein Leyd geschehen / noch widerfahren? Tausend- für einmal hättest du sollen zerschmettert und zerfallen seyn; sag mir / wie bist du dannoch in solchem Fall mit deinem so zart und wuntzigem Leben davon kommen / dass ich dich jetzt da frisch und gesund finde und antriffe? Ach liebe Mutter / antwortet das Kind / Ja freylich mehr dann tausent- für einmal hätte ich sollen von so erschröcklichem Fall natürlicher weiss um mein junges Leben kommen seyn / wann nicht ein überauss schön hellglantzende Jungfrau gleich wie die Sonn von gar vil lieben Engeln begleitet und umgeben / in währendem Fahl mich in Ihr Jungfräwlichen Schos empfangen / und wie du nun sihest / mich beym Leben erhalten hätte / darum ich jetzt allhier dise Blümlein abbriche und samble / ihro zu Lob u. Danck ein schönes Ehren-Kräntzlin zu flechten und zu verehren: Dann ebendise so liebreiche Jungfraw hat mir gesagt / sie seye Maria die Mutter Gottes / und Himmelskönigin / und habe disen Ort und holen Felss / von dem ich bin herunder gefallen / Ihro zu einer heiligen Wohnung ausserwöhlet / allwo Ihr gebenedeyter Nam immer sollte gepriesen werden: hat auch versprochen / Sie wölle allen denjenigen / so sie in disem Stein oder Felss inbrünstig anrufen / und andächtig besuchen werden / alle erwünschte Hilff und Gnad bey Ihrem liebsten Sohn für gewiss aussbringen und erlangen, Dessen dan zu einem ungezweiyffelten Warzeichen habe sie mir in so entsetzlich hochen Fahl der Ursachen halber das Leben geschenkt und erhalten / auff dass ich disen Ihren endlichen Willen / in Ansehen dises gross an mir erwiesenen Wunderwercks aller Welt ehest solte offenbar machen und aussbreiten. darauff Sie eben aller erst in selbem Augenblick / da du zu mir kamest / mit herrlichem Glantz in den Himmel gestiegen / und vor meinen Augen verschwunden.“

Die glückliche Mutter erzählte von der wunderbaren Errettung ihres Kindes. Wie ein Magnet zog in den folgenden Jahrhunderten die Felsenhöhle von Mariastein die gläubigen Seelen an. In kurzer Zeit stieg die Hochschätzung und Andacht, und auch die Freigebigkeit der Pilger ermangelte nicht, so dass in kurzer Zeit eine Kapelle errichtet werden konnte, zumal ja die Natur eigentlich Baumeisterin war und es nicht großen Aufwand erforderte, die Höhle in eine Kapelle umzuwandeln. Besonders tat sich da ein edler Ritter aus dem Hause Landenberg mit seiner Freigebigkeit hervor, so dass darin Altäre errichtet und eingeweiht werden konnten.

Ein schönes Marienbild wurde kunstreich aus dem Stein gehauen, in der Kapelle angebracht und zum ewigen Gedächtnis der wunderbaren Begebenheit geweiht. Pater Dominicus Ginck schildert das Bild, das das heutige Gnadenbild sein muss, mit folgenden Worten: „So ist diese braunlecht / doch etwas mit Rosen- oder Leibfarb undermengt / und lächlendem Angesicht, also dass selbiges ohne sonderbahre Hertzens Erquickung nicht kan angesehen werden / so je mein Pilger / dein Aug einfältig / und dein Hertz auffrichtig ist, die jemals solches begrüsst und gesehen haben / können es besser aussagen / als wir beschreiben: Sonsten sitzet ehrengemelte Bildnuss drey Schuh hoch / gleichwol jemand ihm solches stehend / wegen heut zu Tag herrelichem Geschmuckskleydung möchte einbilden: Auff dem rechten Armb halt sie ihr Jesus Kindlein über die massen lieblich und holdselig seine Aüglein gegen dich schiessend, in der Schos tragt sie die Weltkugel, die linke Hand darob haltend / als ein getrewe und hochmächtige Beschützerin ihres Reichs-Apfel: Ist kurz zu sagen sehr anmühtig, süss, lieb- und trostreich anzusehen.“

Zu gleicher Zeit wurde über dem Felsen eine Behausung für einen Einsiedler gebaut, der den heiligen Ort betreuen und bewachen sollte. Der erste Einsiedler soll jenes gerettete Kind gewesen sein. Später betreuten die Pfarrer von Metzerlen und Hofstetten den heiligen Ort. Da aber die Grenze nicht bestimmt war und jeder der beiden meinte, die Wallfahrt befinde sich in seiner Pfarrei, gab es des öfters Händel unter ihnen.

Der Wunderfelsen vom Stein lag in der Herrschaft Rotberg. Da die Andacht zur Mutter Gottes an diesem Orte von Tag zu Tag zunahm, stiftete der hochherzige und fromme Arnold von Rotberg, Bürgermeister der Stadt Basel, eine Pfründe für einen Priester, der dort die Messe lesen und den erforderlichen Gottesdienst halten sollte. Dieses sein Vorhaben ließ Arnold von Rotberg den damals in Basel versammelten Konzilsvätern vortragen und diese bestimmten am 14. März 1442, dass der Generalvikar von Basel, Peter zum Luft, dafür besorgt sein soll, dass die Pfründe mit einem Wallfahrtspriester im Stein errichtet werden solle, der unabhängig von jeglicher Pfarrei sei und direkt unter dem Bischof stehe.

Mariastein wurde immer berühmter, die Zierden und Kirchen-Ornamente mehrten sich, bis eine Freuersbrunst alles vernichtete, Kapelle und Pfrundhaus. Der Pfrundherr musste den Stein verlassen, und einige Zeit blieb die Wallfahrt verödet, bis Bischof Johann von Veningen sich ins Zeug legte. Nach dem Ableben des Ritters Arnold von Rotberg und seiner Gemahlin Clara Rötlin übergab er im Einverständnis mit dessen Tochtermann Peter Reich von Reichenstein und seiner Frau Margaretha von Rotberg die Wallstatt Mariastein mit aller Zubehör den Augustiner Mönchen von Basel durch den Geheimkämmerer des Grafen Karl von Burgund und der Kurie von Basel, Peter von Hagenbach.

 

   
Familiensage vom Mann ohne Kopf I  

Einstmals ließ Rudolf von Habsburg 1282 die Reichensteiner Raubritter allesamt an Bäumen aufknüpfen doch ihr Anführer, Dietrich von Hohenfels, konnte entkommen.

 

   
Familiensage vom Mann ohne Kopf II  

Einstmals kam Rudolf von Habsburg 1282 auf die Burg Reichenstein um Gericht über die letzten Raubritter zu halten. Nach dem Urteil fleht Dietrich von Hohenfels den König an, wenn schon nicht sein eigenes Leben, dann doch wenigstens das seiner neun Söhne zu schonen: sie seien unschuldig, er sei es gewesen, der ihnen das Rauben, Plündern und Morden befohlen habe.

Der König, der ein abschreckendes Beispiel für alle Raubritter geben wollte, wies diese Bitte zurück, doch war er bereit, ein Gottesurteil vollziehen zu lassen. Man führte Dietrich zur Richtstätte, direkt dort, wo heute die Clemenskapelle steht und stellte seine Söhne in einer Reihe nebeneinander auf.

Der König sprach: „Sieh nun, du Mordgeselle, dort stehen deine Söhne. Gleich wird dein Kopf im Sande rollen, doch wenn du es dann noch schaffst, an der Reihe deiner Brut entlangzulaufen, so will ich all denen das Leben schenken, die du passiert hast.“

Dietrich von Hohenfels sah seinen Söhnen fest in die Augen, warf schweigend einen Blick auf den Weg, der an ihrer Reihe entlang zu laufen war. Schon im nächsten Moment fiel sein Kopf zu Boden, von einem einzigen Schwertstreich des Henkers abgetrennt.

Doch jetzt geschah das Unfassbare, Unheimliche, das allen dabei Gewesenen eisige Schauer über den Rücken jagte. Der blutige Leichnam fiel nicht um, er wankte kurz und stakte dann, sich auf unsicheren Beinen vorantastend, auf die Reihe der Söhne zu. Eins, zwei, drei, vier, fünf Söhne, dann der sechste, siebte, achte und schließlich der neunte Sohn.

Erst jetzt stürzte der gefürchtetste Raubritter der Gegend mit rasselndem Kettenhemd zu Boden, wobei eine hohe Blutfontäne aus seinem Halsstumpf hervor schoss und die Umstehenden bespritzte.

Rudolf von Habsburg aber, der kreidebleich geworden war, schenkte den Söhnen das Leben und verließ die blutige, unheimliche Stätte, so schnell er konnte.

 

   
Familiensage von der geheimnisvollen Grabplatte  

Einstmals war der französische Dichter Victor Hugo auf der Burg Reichenstein und er berichtet darüber:

„Als ich so fortschritt, fiel mein Auge auf die Ecke eines Grabsteines, welcher aus dem Schutt hervorsah. Eifrigst beugte ich mich nieder. Mit Händen und Füßen beseitigte ich den Schutt und in wenigen Augenblicken hatte ich eine sehr schöne Grabplatte aus dem 14. Jahrhundert. aus rotem Heilbronner Sandstein enthüllt.

Auf dieser Platte lag, fast halb erhaben, ein vollkommen gerüsteter Ritter, welchem aber der Kopf fehlte. Unter den Füßen des Mannes stand folgendes, aber immer noch deutlich lesbares Distichon, in großen römischen Anfangsbuchstaben:

VOX TACUIT.
PERIIT LUX.
NOX RUIT ET RUIT UMBRAVIR CARET IN TUBA QUO CARET EFFIGIES.

Von welcher Person sprachen diese, an Inhalt traurige, an Form barbarische Verse?

Durfte man dem zweiten Verse am Steine glauben, so fehlte dem Gerippe unten so gut, wie dem Bildnis oben der Kopf. Was bedeuten diese drei X, welche durch ihre besondere Größe so auffallend aus der übrigen Schrift hervortraten? Indem ich die Platte aufmerksam betrachtete und mit einer Handvoll Gras vollends reinigte, bemerkte ich um das Bild herum noch andere fremdartige Zeichen. Es waren die drei X in dreifach verschiedener, phantastisch, verschlungener Form. Weiteres habe ich nicht von dem geköpften, geheimnisvollen Ritter erfahren. Trauriges Schicksal!
Welches Verbrechen hat dieser Unglückliche wohl begangen? Die Menschen haben ihn mit dem Tode, die Vorsehnung mit Vergessenheit belegt. Finsternis auf Finsternis. An dem Bildnisse fehlt der Kopf, in der Legende sein Name, seine Geschichte im Gedächtnis der Menschen.

Sein Grabstein wird ohne Zweifel bald verschwinden. Ein Weinbauer von Soneck oder Rupertsberg wird ihn eines schönen Tages nehmen, die Asche des verstümmelten Gerippes, das er vermutlich noch bedeckt, mit den Füßen zerstreuen, das Gestein zerhauen und aus dem Grabesdeckel das Gesimse einer Wirtshaustüre machen.

Und die Bauern werden sich trinkend herumsetzen, und die alten Weiber werden spinnen, und die Kinder werden lachen um die Bildsäule des Namenlosen, der einst vom Henker enthauptet und jetzt von einer Mauer zersägt wird.“

Die Platte ist tatsächlich nicht mehr vorhanden. Mag sein, dass ein Trechtingshausener Winzer sie zerschlug, um die Bruchstücke einem nüchtern-profanen Zweck zuzuführen, mag sein, dass sie bei den Wiederaufbauarbeiten der Jahrhundertwende übermauert oder zerstört wurde. In welchem Teil der Burg sie lag, weiß man nicht.

So birgt die Reichenstein, wie fast jede Burg, noch manches Geheimnis…

 

   
Familiensage des Raubritters Heinrich von Schellenberg   Einstmals beherrschte der wilde Heinrich von Schellenberg ein beachtliches Gebiet, das von Wolkenstein und Scharfenstein bis Schellenberg und an die Grenze zu Böhmen reichte. Auf seiner Burg war der wilde Ritter eigentlich nie anzutreffen, jedenfalls nicht für die Mönche aus Altzella, für die Heinrich als Raubritter und Strauchdieb galt. Stellten sie ihm zu hart nach oder kamen ihm in seinen Dörfern in die Quere, ließ er sie seinen starken Arm fühlen. Doch Heinrich hatte die Mönche unterschätzt: Sie klagten ihn beim Kaiser an, beschuldigten ihn des Landfriedensbruchs, der Wegelagerei und nicht zuletzt der Kirchenschändung. Der Kaiser ließ Heinrich vorladen, doch der lachte nur höhnisch und ließ auf seiner Burg den Lieben Gott einen frommen Mann sein. Da schickte ihm der Kaiser die Ritterheere der Nachbarschaft auf den Hals, ihn mit Gewalt zu bringen. Schließlich wurde Heinrich auf seiner Burg Liebenstein gefangen. Und seither ist dort gegenüber auf dem Katzenstein kein Stein mehr auf dem anderen. Damit war Heinrich sein Land und seinen guten Ruf und seine letzte Burg los.

 

   
Familiensage vom Fräulein von Staufenberg I  

Einstmals drückte die Tochter des alten Burgherrn einen Fußtapfen in einen Fels, auf dem sie oft lange stand, weil es ihr Lieblingsplätzchen war. Der Fels ragt auf dem Harz bei Sorge, einem braunschweigischen Dorfe, auf ihm hatten die Staufenberg ehedem einer Burg erbaut. Man sieht jetzo eine Klippe da, auf der einst ein Menschenfuß eingedrückt stand. Noch von Zeit zu Zeit zeigt sich dort das verzauberte Fräulein in ihren goldgelocktem Haar.

 

   
Familiensage vom Fräulein von Staufenberg II  

Einstmals war der Staufenberg mit einer Burg bebaut, der Berg liegt auf dem Harz bei Sorge, einem braunschweigischen Dorfe. Man sieht jetzo eine Klippe da, auf der ein Menschenfuß eingedrückt stehet. Diese Fußtapfe drückte einst die Tochter des alten Burgherrn in den Fels, auf dem sie oft lange stand, weil es ihr Lieblingsplätzchen war. Noch von Zeit zu Zeit zeigt sich dort das verzauberte Fräulein in ihren goldgelben, geringelten Haaren. [Frei nach den Gebrüdern Grimm]

 

   
Familiensage vom Peter von Staufenberg  

Einstmals wohnte der Ritter Peters Dimringer von Staufenberg auf seinem Stammschloss, in der Ortenau unweit von Offenburg. Einen Pfingsttag früh hieß den Knecht das Pferd satteln und wollte von seiner Feste gen Nussbach reiten, daselbst die Metten zu hören. Der Knabe ritt voran, unterwegs am Eingang des Waldes sah er auf einem Stein eine wunderschöne, reich geschmückte Jungfrau mutterseelenallein sitzen; sie grüßte ihn, aber der Knecht ritt vorüber. Bald darauf kam Herr Peter selbst daher, sah sie mit Freuden, grüßte und sprach die Jungfrau freundlich an. Sie neigte ihm und sagte: „Gott danke dir deines Grußes.“ Da stund Peter vom Pferde, sie bot ihm ihre Hände, und er hob sie vom Steine auf, mit Armen umfing er sie; sie setzten sich beide ins Gras und redeten, was ihr Wille war. „Gnade, schöne Fraue, darf ich fragen, was mir zu Herzen liegt, so sagt mir, warum Ihr hier so einsam sitzet und niemand bei Euch ist.“ - „Das sag ich dir, Freund, auf meine Treue: weil ich hier dein warten wollte; ich liebe dich, seit du je ein Pferd rittest; und überall in Kampf und in Streit, in Weg und auf Straßen hab ich dich heimlich gepfleget und gehütet mit meiner freien Hand, dass dir nie kein Leid geschah.“ Da antwortete der Ritter tugendlich: „Dass ich Euch erblickt habe, nichts Liebers konnte mir geschehen, und mein Wille wäre, bei Euch zu sein bis an den Tod.“ - „Dies mag wohl geschehen“, sprach die Jungfrau, „wenn du meiner Lehre folgest: Willst du mich lieb haben, darfst du fürder kein ehelich Weib nehmen, und tätest du's doch, würde dein Leib den dritten Tag sterben. Wo du aber allein bist und mein begehrest, da hast du mich gleich bei dir und lebest glücklich und in Wonne.“ Herr Peter sagte: „Frau, ist das alles wahr?“ Und sie gab ihm Gott zum Bürgen der Wahrheit und Treue. Darauf versprach er sich ihr zu eigen, und beide verpflichteten sich zueinander. Die Hochzeit sollte auf der Frauen Bitte zu Staufenberg gehalten werden; sie gab ihm einen schönen Ring, und nachdem sie sich tugendlich angelacht und einander umfangen hatten, ritt Herr Peter weiter fort seine Straße. In dem Dorfe hörte er eine Messe lesen und tat sein Gebet, kehrte alsdann heim auf seine Feste, und sobald er allein in der Kemenate war, sagte er bei sich im Herzen: Wenn ich doch nun meine liebe Braut hier bei mir hätte, die ich draußen auf dem Stein fand! Und wie er das Wort ausgesprochen hatte, stand sie schon vor seinen Augen, sie küssten sich und waren in Freuden beisammen.

Also lebten sie eine Weile, sie gab ihm auch Geld und Gut, dass er fröhlich auf der Welt leben konnte. Nachher fuhr er aus in die Lande, und wohin er kam, war seine Frau bei ihm, sooft er sie wünschte.

Endlich kehrte er wieder heim in seine Heimat. Da lagen ihm seine Brüder und Freunde an, dass er ein ehelich Weib nehmen sollte; er erschrak und suchte es auszureden. Sie ließen ihm aber härter zusetzen durch einen weisen Mann, auch aus seiner Sippe. Herr Peter antwortete: „Eh will ich meinen Leib in Riemen schneiden lassen, als ich mich vereheliche.“ Abends nun, wie er allein war, wusste es seine Frau schon, was sie mit ihm vorhatten, und er sagte ihr von neuem sein Wort zu. Es sollte aber damals der deutsche König in Frankfurt gewählt werden; dahin zog auch der Staufenberger unter viel andern Dienstmännern und Edelleuten. Da tat er sich so heraus im Ritterspiel, dass er die Augen des Königs auf sich zog und der König ihm endlich seine Muhme aus Kärnten zur Ehe antrug. Herr Peter geriet in heftigen Kummer und schlug das Erbieten aus; und weil alle Fürsten darein redeten und die Ursache wissen wollten, sprach er zuletzt, dass er schon eine schöne Frau und von ihr alles Gute hätte, aber um ihretwillen keine andere nehmen dürfte, sonst müsste er tot liegen innerhalb drei Tagen. Da sagte der Bischof: „Herr, lasst mich die Frau sehen.“ Da sprach er: „Sie lässt sich vor niemand denn vor mir sehen.“ - „So ist sie kein rechtes Weib“, redeten sie alle, „sondern vom Teufel; und dass Ihr die Teufelin minnet mehr denn reine Frauen, das verdirbt Euren Namen und Eure Ehre vor aller Welt.“ Verwirrt durch diese Reden sagte der Staufenberger, er wolle alles tun, was dem König gefalle, und alsobald war ihm die Jungfrau verlobet unter kostbaren, königlichen Geschenken. Die Hochzeit sollte nach Peters Willen in der Ortenau gehalten werden. Als er sein Frauenzimmer wieder das erste Mal bei sich hatte, tat sie ihm klägliche Vorwürfe, dass er ihr Verbot und seine Zusage dennoch übertreten hätte, so sei nun sein junges Leben verloren. „Und zum Zeichen will ich dir folgendes geben: Wenn du meinen Fuß erblicken wirst und ihn alle andere sehen, Frauen und Männer, auf deiner Hochzeit, dann sollst du nicht säumen, sondern beichten und dich zum Tod bereiten.“ Da dachte aber Peter an der Pfaffen Worte, dass sie ihn vielleicht nur mit solchen Drohungen berücken wolle und es eitel Lüge wäre. Als nun bald die junge Braut nach Staufenberg gebracht wurde, ein großes Fest gehalten wurde und der Ritter ihr über Tafel gegenübersaß, da sah man plötzlich etwas durch die Bühne stoßen, einen wunderschönen Menschenfuß bis an die Knie, weiß wie Elfenbein. Der Ritter erblasste und rief: „Weh, meine Freunde, ihr habt mich verderbet, und in drei Tagen bin ich des Todes.“ Der Fuß war wieder verschwunden, ohne ein Loch in der Bühne zurückzulassen. Pfeifen, Tanzen und Singen lagen darnieder, ein Pfaff wurde gerufen, und nachdem er von seiner Braut Abschied genommen und seine Sünden gebeichtet hatte, brach sein Herz. Seine junge Ehefrau begab sich ins Kloster und betete zu Gott für seine Seele, und in allen deutschen Landen wurde der mannhafte Ritter beklaget.

Im 16. Jahrhundert, nach Fischarts Zeugnis, wusste das Volk der ganzen Gegend noch die Geschichte von Peter dem Staufenberger und der schönen Meerfei, wie man sie damals nannte. Noch jetzt ist der Zwölfstein zwischen Staufenberg, Nussbach und Weilershofen zu sehen, wo sie ihm das erste Mal erschienen war; und auf dem Schlosse wird die Stube gezeigt, da sich die Meerfei soll unterweilen aufgehalten haben. [Frei nach den Gebrüdern Grimm]

 

   
Familiensage über die Burg Rottenegg  

Einstmals trieb der weit und breit gefürchtete Ritter und Räuberhauptmann Tiege von seinem Raubnest auf Lichtenhag sein Unwesen. Er war Herr über Leben und Tod aller, die seinen Bereich betraten. Die armen, leibeigenen Bauern hassten ihn nicht minder als die Ritter der Nachbarburgen, welche er ständig bedrohte. Das letzte Fräulein von Eidenberg entschloss sich einst, ihr Gelübde ins heilige Land zu erfüllen. Zur Aussprache über ihr Testament nahm sie den Weg über Rottenegg, auf welcher Burg ihre Verwandten saßen. Vergeblich warnte sie ihr Kaplan entlang der Rodl zu reiten, wo Tiege in der Klammleiten den Weg unsicher machte. Tieges Knechte lauerten an allen Straßen und Wegen.

Als die Räuber aus dem Wald angriffen, suchte der Kaplan sein Beichtkind zu schützen, wurde aber kurzerhand erschlagen. Das schöne Fräulein lieferten die Wegelagerer ihrem Herrn ab, der sie bat, seine Frau zu werden. Die aber lehnte ab. Die Pilgerin blieb auch gegen Drohung hart , durch die Tiege schließlich das Jawort erzwingen wollte. Das verleitete den Räuber zur maßlosen Wut. Er ließ die Gefangene vom Söller ins Tal der Rodl stoßen. Gleich darauf zog sich ein Gewitter zusammen und der erste Wetterstrahl fuhr in die Burg und erschlug Tiege.

Ein Gefolgsmann der Ermordeten war nach Rottenegg geflohen die Verwandten zur Rache aufzurufen. Wer nur eine Waffe tragen konnte, eilte gegen Lichtenhag wo über den Tod Tieges große Verwirrung herrschte. Mühelos wurden alle Raubgesellen ausgehoben und an die nächsten Bäume geknüpft. Die Burg selbst aber brannte bis auf die Mauern nieder.

 

   
Familienlegende des Ernst von Zwifalten  

Einstmals hatte der Abt Ernst von Zwiefalten sein Amt als Abt des uralten und ehrwürdigen Konvents des Klosters nieder gelegt und nahm im Gefolge von Otto von Freising am Zweiten Kreuzzug teil.

Er bewährte sich im Morgenland als rechter Haudegen und Sarazenenschlächter, wurde aber nach einer verlorenen Schlacht in Mackah [Mekka in Saudi Arabien] von den Sarazenen gefangen genommen und grausam verhört, dabei wurden ihm Hände und Füße abgehauen. Anschließend wurde er, nur mit einem Lendentuch bekleidet, an einen Baum gefesselt, dort wurde ihm der Bauch aufgeschlitzt, worauf er mit heraushängendem Eingeweide mit einem frommen Gebet auf den Lippen sein Leben aushauchte.

Der katholische Gedenktag des Märtyrers Ernst ist der 7. November, sein Sterbeort ist Mackah.

 

   
Familiensage vom Schloss Sprinzenstein   Einstmals sah ein Landmann auf einem Felsen des Öfteren einen Sprinz sitzen. Sooft er auch diesen Habicht verjagte, flog derselbe immer wieder auf den nämlichen Stein. Der Mann sah hierin einen Wink des Himmels, grub nach und fand einen reichen Schatz, wovon er die Burg auf diesem Sprinzenstein erbaute. Später erhielt er den Adel.

 

   
Familiensage vom Blinden Kreuz   Einstmals erspähten die plündernden Hussiten, von Gutau aus kommend, die Herrschaft der Sprinzenstein und den Ort St. Leonhard und schickten sich sogleich zu einem Raubzug an. Als sie an diejenige Stelle kamen, an der heute das Blinde Kreuz steht, wurden sie von so dichtem Nebel eingehüllt, dass sie nichts mehr sahen und umkehren mussten. Auf diese Art und Weise wurde St. Leonhard vor den Plünderungen durch die Hussiten bewahrt.

 

   
Familiensage vom Wilden Heinz von Stein  

Einstmals war es dem Heinz von Stein gelungen, auf seinen Streifzügen die liebreizende Waltraud gefangen zu nehmen. Der Wilde Heinz aber war von herkulischer Gestalt und Furcht erregendem Äußeren. Das anmutige Mädchen war die Tochter des alten Gravenecker, Meier von Trostberg. Zuerst mit Schmeicheleien und Geschenken, dann mit Drohungen versucht der Wilde Heinz sich die Schöne gefügig zu machen, doch die bleibt standhaft. Ihr heimlicher Geliebter war Siegfried von Gebsattel, der sich inzwischen als Reitknecht verkleidet unter Heinzens wüste Schar gemischt hatte. Der alte Gravenecker versucht vergeblich, seine schöne Tochter aus den Fängen des Wilden Heinz zu befreien und geriet beim einem seiner Angriffe auf die Burg in Gefangenschaft. Heinz fordert nun die Unschuld Waltrauds für das Leben ihres Vaters und als der alte Meier von solchen Handel nichts wissen will, ließ ihn der Wüterich zur Richtstätte schleppen. Waltraud aber gab sich selbst den Tod, als Heinz sich nähern wollte. Inzwischen war es Siegfried von Gebsattel gelungen, die Kriegsknechte aus München und Salzburg unbemerkt in die Burg einzulassen. Sie erstürmen die Burg und machen Heinzens Leute nieder. Der Wilde Heinz aber trauert neben der toten Waltraud über ihren frühen Tod, so hatte ihn Siegfried von Gebsattel gestellt und ihn für den Mörder gehalten. Der Ritter wurde nun von dem ergrimmten Siegfried von Gebsattel zu einem Zweikampf auf Leben und Tod gefordert und im erbitterten Kampf besiegt und erstochen. Als der alte Gravenecker, der im letzten Moment aus der Hand des Henkers befreit worden war, den Leichnam seiner Tochter sah, brach er mit gebrochenem Herzen tot zusammen. Der Schmerz gebeugte Siegfried erfuhr indes schaudernd, dass er in Heinz von Stein seinen eigenen Vater getötet hatte, der ihn kurz nach der Geburt hatte aussetzen lassen.

 

   
Familiensage vom Rosengärtlein I  

Der Hochfreie Manegold III. von Abbsbach-Werde erbaut um 1100 die Kuenringerburg Aggstein auf einem 300 m hohen Felsen über der Donau bei Aggsbach. Nach dem ruhmlosen Ende der Kuenringer und der Zerstörung Aggsteins durch Friedrich den Streitbaren blieb diese Feste fast zweihundert Jahre Ruine. 1429 wurden die Maissauer auf Aggstein vom Landesfürsten gestürzt. Herzog Albrecht V. übergab das „öde Haus, das einst von Untat wegen zerbrochen worden ist und also öde liegt“ seinem Kammermeister Georg Scheck vom Wald zu Lehen und ermächtigte ihn zum Wiederaufbau der Burg. In harter Frone hatte die armen Untertanen des Ritters sieben Jahre lang Stein auf Stein geschichtet, bis 1436 der Bau vollendet war und der Ewigkeit zu trotzen schien. Abgesehen von den späteren Kanzleibauten der Mittelburg geht der erhaltene Burgbau auf ihn zurück. Er durfte auch an der Donau ein Mauthaus errichten. Die Frau des Kolman Scheck vom Walde auf Aggstein ist in der Kirche von Aggsbach begraben. In der Sage lebte Georg Scheck vom Walde als Raubritter fort, der seine Opfer vom Rosengärtlein in die Donau stürzte. Georg Scheck war, wie seine Nachfolger Georg von Stein (1463-1476) und Feldhauptmann Ulrich von Grafenegg (1476/77) unbotmäßig, gewalttätig und in die inneren Wirren des Landes verwickelt.

Einstmals hauste auf dem hohen Aggstein, unterhalb des Klosters Mölk in Österreich, ein furchtbarer Räuber, welcher die ganze Gegend unsicher machte, dessen Name war Schreckenwald. Hoch auf der steilen Felsenspitze des Aggsteins war ein fast unzugänglicher, enger und schmaler Raum im Geklüft, kaum drei Schritte lang und breit, der hatte nur einen Ausgang in einen furchtbaren Abgrund. Wenn nun Räuber Schreckenwald einen Wanderer aufgelauert und ihn gefangen und beraubt hatte, schleppte er ihn hinauf in dieses enge Felsenbehältnis, das er mit verruchtem Scherz seinen Rosengarten hieß, und ließ da dem Unglücklichen die Wahl, ob er verschmachten oder in den tiefen entsetzlichen Abgrund sich stürzen wollte. Diese Untaten trieb Schreckenwald lange Zeit, bis es sich zutrug, daß er einst einen Jüngling fing, welcher ein kühner und gewandter Springer und Kletterer war; auch dieser ward von dem starken Räuber in seinen entsetzlichen Rosengarten gestoßen und die furchtbare Wahl ihm freigestellt. Mit kundigem Auge maß er des Sprunges Tiefe, sah Bäume unter sich aufragen, befahl Gott seine Seele und sprang in den Schauerschlund, doch wusste er des Sprunges Richtung so zu nehmen, dass er auf einen Baumwipfel fiel, den er alsbald mit starker Hand erfasste; leicht glitt er dann in die Tiefe, wo die Gebeine der vor ihm Herabgestürzten und Zerschmetterten moderten, und fand glücklich einen rettenden Ausweg. Jetzt tat er die Lage des furchtbaren Raubnestes kund, sammelte eine tapfere Schar, lauerte Schreckenwald. auf und fing ihn, der seine wohlverdiente Strafe empfing. Darnach entstand das Sprichwort im Volke, wenn von einem Menschen die Rede, der aus höchster Not nur mit Leibes- und Lebensgefahr sich retten kann: „Er sitzt in Schreckenwalds Rosengärtlein.“ [Frei nach Ludwig Bechstein, 1840]

 

   
Familiensage vom Rosengärtlein II  

Einstmals hatte der Ritter Georg Scheck vom Walde sich auf dunkle Art in die Gunst des Herzogs zu setzen gewusst und war im Innern ein habgieriger, hochmütiger und grausamer Mann. Kaum hatte er die neue Burg bezogen, da zeigte er sich in seiner wahren Gestalt und hauste nicht minder schrecklich in der Wachau wie einst die „Hunde von Kuenring“. Er unterdrückte seine Untertanen und presste das Volk aus, wo er nur konnte. Sein Mautrecht auf der Donau nütze er so schrankenlos aus, dass er die meisten vorüber fahrenden Schiffe gänzlich ausplünderte. Bald wurde er im ganzen Donautal nur mehr der „Schreckenwalder“ genannt.

Seine Gefangenen hatten die furchtbarsten Qualen zu erdulden. An Stricken wurden sie über die schroffen Felsen hinausgehängt, um ein möglichst hohes Lösegeld von ihnen zu erpressen, oder man stieß sie durch eine kleine Pforte auf eine schmale Steinplatte hinaus, unter der die Felsen steil in die Tiefe abfielen. Hier hatte der Gefangene nur die Wahl, entweder elend zu verhungern oder durch einen Sprung in den schauerlichen Abgrund seinen Leiden ein schnelles Ende zu machen. Diesen kleinen Feldvorsprung nannte der grausame Ritter in rohem Scherz sein „Rosengärtlein“, und es war weit und breit berüchtigt und gefürchtet.

Viele Jahre hatte der Schreckenwalder sein schändliches Handwerk betrieben und durch Raub und Erpressung so viel Reichtümer angesammelt, dass er vier weitere Burgen im Umkreis an sich gebracht hatte, da führten ihm eines Tages seine Knechte einen jungen Gefangenen vor, der edler Herkunft schien, aber seinen Namen nicht verraten mochte. Auch er erlitt das Schicksal vieler Vorgänger und wurde in den grauenhaften Rosengarten hinaus gestoßen, wo ihm die furchtbare Wahl seines Todes freistand. Aber der Jüngling war ein kühner und gewandter Springer und Kletterer. Mit scharfem Auge maß er die Tiefe des Sprunges, bemerkte Bäume in der Tiefe aufragen und sprang, seine Seele dem Herrn empfehlend, mutig in den schaurigen Schlund. Die Richtung des Sprunges hatte er so gewählt, dass er in eine dicke Baumkrone fiel, die er mit starker Hand erfasste. Von hier glitt er leicht auf den Boden herab, wo die Gebeine der vor ihm Herabgestürzten und Zerschmetterten moderten und bleichten.

Jetzt war er gerettet, eilte ins Tal hinab und tat die Lage des furchtbaren Raubnestes kund. Er sammelte die Ritter und Reisigen der benachbarten Burgen um sich, lauerte dem Schreckenwalder auf und nahm ihn gefangen. Der schändliche Strauchritter fand seine wohlverdiente Strafe und wurde enthauptet.

Die Burg verblieb im Besitz der Nachkommen des Ritters. Aber der letzte Schreckenwalder trieb es nicht besser als seine Vorfahren, sperrte die Donau mit einer Kette ab und raubte die Schiffe aus. Raubritter Jörg Scheck vom Wald waren zu seiner Zeit alle Schiffe, die donauaufwärts fuhren, mautpflichtig. Einmal nahm er einen Grafen gefangen, dem es aber gelang, mit Hilfe eines Junkers, des Sohnes der Herrin von Schwallenbach, seiner Haft zu entfliehen. Während der Graf nach Wien eilte, um dem Herzog die Schandtaten des Aggsteiners zu berichten, warf der Schreckenwalder den Junker ins Burgverlies und gab nach einiger Zeit seinen Knechten den Befehl, den Gefangenen über die Felsen des Rosengärtleins in die Tiefe zu stürzen. Schon hatte der Jüngling seinen letzten Gang angetreten, da klang leise von Schwallenbach herüber der Ton des Abendglöckleins durch die Luft. Andächtig lauschte der dem Tod Geweihte und bat seinen Henker, ihm so lange Zeit zu lassen, sein letztes Gebet zu verrichten, bis der letzte Glockenschlag in den Lüften verhallt sei. Unwillig gewährte es der Burgherr. Aber oh Wunder! Das Glöcklein hörte nicht auf zu tönen, freilich erweichte es das harte Herz des ruchlosen Schreckenwalders nicht Fluchend über das andauernde Geläut, wollte er grimmig das Ende abwarten, um seine grausige Mordtat zu vollziehen.

Da erhob sich Lärm in der Burg. Die Mannen des Herzogs waren, geführt von dem Feldhauptmann Georg von Stain, vor der Feste angelangt, hatten sie umzingelt, und das Raubnest fiel in die Hände der Belagerer. So unterblieb durch das Wunder des Glöckleins von Schwallenbach der Mord an dem gefangenen Junker. Der Scheck verlor alle seine Güter und fand als Bettler sein Ende im Elend.

Georg von Stain und sein Kumpan Ulrich Freiherr von Graveneck waren um keinen Pfifferling besser als die Schreckenwalds und verloren die Burg Aggstein alsbald wieder, nachdem sie sich darauf häuslich eingerichtet hatten.

 

   
Familiensage vom Fräulein von Bühl  

Einstmals ließ der der "edle und feste Junckher David von Stain" 1550 das Bühler Schloss erbauen. Doch das "Fräulein von Bühl" hatte das Schloss verspielt, und so soll sie - vor lauter Schuldgefühl - keine Ruhe gefunden haben und seitdem im Bühler Tal umhergeistern.

"Das Fräulein von Bühl
hat's Schlössle verspühlt!"

 

   
Familiensage vom Liebesbrunnen  

Einstmals war im Gewande Bühl ein stattliches Schloss, umgeben von herrlichem Garten und einem kunstvoll gemauerten Brunnen. Der Herr von Bühl war reich und von der Einwohnerschaft sehr geschätzt. Seine Tochter war die bildhübsche Irmgard. Diese wurde vom Sohn des benachbarten Schlosses Waldhausen zur Frau begehrt. Doch die beiden Schlossherren waren sich feindlich gesinnt. So erhielt der junge Herr von Waldhausen ein hartes "Niemals", als er um die Hand seiner Geliebten beim Herrn von Bühl anhielt. Trotzdem fanden sich die beiden Liebenden heimlich bei Nacht am Brunnen im Bühlgarten. Einmal wurden sie dabei überrascht und Irmgard sprang aus Angst vor ihrem Vater in den Brunnen. Reinhardt sprang ihr nach und so waren die Beiden im Liebesbrunnen im Tode vereint.

 

   
Familiensage von den feindlichen Brüdern  

Einstmals wohnten auf den nachbarlichen Burgen Sternfels und Liebenstein am Rhein zwei Brüder, die waren sehr reich und hatten die stattlichen Burgen von ihres Vaters Erbe erbaut. Da ihre Mutter starb, wurden sie noch reicher, beide hatten aber eine Schwester, die war blind, mit der sollten nun die Brüder der Mutter Erbe teilen. Sie teilten aber, da man das Geld in Scheffeln maß, dass jedes ein volles Maß nach dem andern nahm, und die blinde Schwester fühlte bei jedem, dass eines so richtig voll war wie das andere. Die arglistigen Brüder drehten aber jedes Mal, wenn es ans Maß der Schwester ging, dieses um und deckten nur den von schmalem Rand umgebenen Boden mit Geld zu, da fühlte die Blinde oben darauf und war zufrieden, dass sie ein volles Maß empfing, wie sie nicht anders glaubte. Sie war aber gottlos betrogen, dennoch war mit ihrem Gelde Gottes Segen, sie konnte reiche Andachten in drei Klöster stiften, zu Bornhofen, zu Kidrich und Zur Not Gottes. Aber mit dem Gelde der Brüder war der Unsegen für und für. Ihre Habe verringerte sich, ihre Herden starben, ihre Felder verwüstete der Hagel, ihre Burgen begannen zu verfallen, und sie wurden aus Freunden Feinde und bauten zwischen ihren nachbarlich gelegenen Burgen eine dicke Mauer als Scheidewand, deren Reste noch heute zu sehen sind. Als all ihr Erbe zu Ende gegangen, versöhnten sich die feindlichen Brüder und wurden wieder Freunde, aber auch ohne Glück und Segen. Beide bestellten einander zu einem gemeinschaftlichen Jagdritt, wer zuerst munter sei, solle den andern Bruder frühmorgens durch einen Pfeilschuss an den Fensterladen wecken. Der Zufall wollte, dass beide gleichzeitig erwachten, beide gleichzeitig die Armbrust spannten, im gleichen Augenblick den Laden aufstießen und schossen und dass der Pfeil jedes von ihnen dem andern in das Herz fuhr - das war der Lohn ihrer untreuen Tat an ihrer blinden Schwester.

Andere erzählen, es habe das Geschick nur den einen Pfeil eines der Brüder dem einen der Brüder in das Herz gelenkt, darauf sei der andere zur Buße nach dem Heiligen Grabe gepilgert und im Morgenlande verstorben. © Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853.

 

   
Familiensage vom Ritter Georg  

Einstmals entwickelte sich ein scheußlicher Lindwurm in dem unweit Nieder-Beerbach entspringenden Katzenborn. Der Drache versetzte die ganze Umgegend in Furcht und Schrecken. Nur durch die Opferung der schönsten Jungfrau des Tales konnte das Untier zur Rückkehr in den Katzenborn bewegt werden. Annemarie, die wunderschöne Tochter des Försters, die „Rose des Tales“, sollte deshalb dem Scheusal geopfert werden. Ritter Georg von Sternfels, der gerade von einer Heerfahrt nach Hause kam, trat dem Untier wohl gerüstet im Morgengrauen entgegen, um seine heimliche Geliebte zu erretten. Nach langem, schweren Ringen brachte er endlich dem geifernden Wurm den tödlichen Streich bei. Der umringelte im Todeskampf mit seinem Schweif das linke Bein des Ritters und spritzte ihm durch die offene Kniescheibe das tödliche Gift in die Kniekehle. Seitdem fließt das Bächlein träge und von dem Blute des Ungeheuers geschwärzt dahin.

 

   
Familiensage Störnstein  

Einstmals war in einem kleinem verschlafenen Dorf namens Störnstein ein stattlicher, blonder Jüngling in eine hübsche Jungfrau verliebte. Doch wie sollte er es nur anstellen, ihr Herz zu erobern? In so mancher Nacht wurde er um seinen Schlaf gebracht, denn er getraute sich nicht, seine Liebe zu gestehen. Wie könnte sie ihn nur erhören? Wie sollte sein Schicksal weitergehen? Eines Tages, als er sein Leid einem alten, treuen Weggefährten mitteilte, brachte dieser unseren Jüngling auf eine gute, Erfolg versprechende Idee. Der alte Gefährte riet seinem Freund, die Jungfer doch einmal zu einem Spiele einzuladen. Über eine Weggefährtin der Jungfer, welche glücklicherweise auch eine Base derselben war, wurde alsgleich die Botschaft überbracht. Überraschenderweise ließ die holde Maid mitteilen, dass sie die Einladung gerne annehmen werde. So verabredete man sich also zu einem Spiele mit einem kleinen, gelben Balle, welcher abwechselnd über ein Netz geschlagen werden sollte. Unter dem Vorwand, sich mit dem Weggefährten, bzw. der Weggefährtin zur körperlichen Ertüchtigung zu treffen, gelang es letztlich den Liebenden, sich auf einer „Roten Wiese“, welche „auf der Öd“ genannt wird, zum sportlichen Spiele zu verabreden. Immer öfter konnte man von diesem Zeitpunkt an die beiden Turteltauben beim Spiele mit der Filzkugel beobachten. Eines Tages, es war auf einem Gelage, welches am Fuße der einst stattlichen Burg zu Sternstein mit viel Met gefeiert wurde, da getraute sich der Jüngling, der holden Jungfer seine Liebe zu gestehen. Zur Belohnung durfte er sie - mit Ausnahme der letzten Meter - nach Hause geleiten. Seit jenem Tage, welcher viele, viele Jahre her ist, sah man die beiden fast nur noch gemeinsam durch die heimischen Wälder und Fluren streifen. Und seit fast ebenso vielen Jahren warteten der Weggefährte und viele andere der Weggefährten, die Weggefährtin und viele andere der Weggefährtinnen auf den heutigen Tag. [Frei nach Hans Christian Anderson]

 

   
Familiensage vom silbernen Buben von Arzberg   Einstmals kam ein armer, ehrlicher Bergknappe namens Jakob in die Gegend von Arzberg, um sein Glück im Bergbau zu suchen und er hoffte dort eine Erzader zu finden. Er kam von Passail zum Eingang der Raabklamm in das Dorf Arzberg des Weges. Die aufsteigenden Gösser Wände, im Inneren zerklüftet, sollten reichhaltige Silbererze bergen, die von seltsamen Kobolden behütet werden. Eines Tages legte er sich, ermüdet von der Arbeit, auf einen kleinen Wiesenfleck um sich auszuruhen. Als er aufwachte, war es Nacht und ganz in der Nähe sah er einige silberne Buben. Aufmerksam bewunderte er ihr seltsames Treiben. Einige pochten gegen das Gestein, andere lasen die Brocken auf, während sie sich im neckischen Spiel mit glänzenden Steinen bewarfen. Jakob wollte ein paar Schritte tun, doch die Kobolde bemerkten ihn und bewarfen ihn mit Steinen. Er ließ sich von ihren Würfen nicht beeindrucken und lief zu seinem Quartier, wohin sie ihm nicht folgten. Als er dem Wirt davon erzählte, riet ihm dieser genau an der Stelle nach Erz zu graben. Jakob befolgte den Rat und wurde schnell fündig. Bald machte er durch den Abbau viel Geld. Davon musste er einen Zehent an den Besitzer der nahen Burg Stubegg, den Grafen von Stubenberg, abliefern. Als dieser in den Krieg zog, trat an seine Stelle ein hartherziger Burgvogt. Dieser ließ ihn in den Kerker werfen und wollte sich selbst das ergiebige Bergwerk aneignen. Die silbernen Buben führten aber den arglistigen Verwalter immer weiter ins Innere des Berges hinein, bis er sich in den dunklen Gängen des Bergwerks verirrte und seine bösen Taten mit dem Tod büße. Nach der Rückkehr des Burgherrn wurde Jakob aus seiner Kerkerhaft befreit. Der erfolgreiche Bergmann ließ zum Dank für seine Befreiung und den reichlichen Bergsegen die Kapelle zum heiligen Jakob in Arzberg erbauen. Das Bergwerk wurde Jahrhunderte lang betrieben, bis der Erzbau zum Stillstand kam. Seitdem sah man auch die Silbernen Buben nicht mehr.

 

   
Familiensage vom Schatz in der Schöckelhöhle  

Einstmals lebten in der Burg Oberkapfenberg die zwei Raubritter Wulfling und Ulrich von Stubenberg, die überall, wo es nur ging, Unheil anrichteten. Als sich dann alle Ritter, die dem Rauben und Brennen nicht mehr zusehen wollten, zusammenrafften um dem Treiben ein Ende zu setzen, beschlossen die beiden Stubenberger Brüder fortzugehen und an einem Kreuzzug teilzunehmen. Sie versteckten ihre gesamten Reichtümer in einer Höhle, die sie dann mit einer Eisentür, Gestein und Moos abdeckten, so dass man den Eingang nicht sehen konnte. Die Schlüssel nahmen sie an sich. Es verstrichen an die hundert Jahre, als ein Bettlersmann bei der Höhle Holz sammelte. Da kam ein Bub und vertraute ihm das Geheimnis der Stubenberger an. Der Bub, der ihm auch die Schlüssel gab, sagte „Sage unser Geheimnis niemandem, außer man zwingt dich dazu; dann gib deinem Herrn die Schlüssel.“ Der Bettler nahm jeden Tag wie ihm befohlen zwei Hände voll Gold und wurde reich. Da überlegte man sich in der Umgebung, woher sein Reichtum käme. Als sie ihn fragten, wollte er sein Geheimnis nicht preisgeben. Er bot aber dem Grundstücksbesitzer an ihm jeden Tag eine Hand voll Gold zu bringen. Dem Bettler wurde unterstellt ein Räuber zu sein und zur Strafe gefoltert, dabei gab er schließlich sein Geheimnis preis. Doch als er dem Grafen von Stubenberg die Türe zeigen wollte, war sie verschwunden. Die Schlüssel gab der Bettler letztlich den Herren von Stubenberg, welche sie behutsam aufbewahrten, da sie ihnen einmal großes Glück bringen sollen.

 

   
Familiensage vom Schatz der Stubenberger   Einstmals, viele Jahre nach Ende des Kreuzzugs, an dem Wulfling und Ulrich von Stubenberg teilgenommen hatten, kam eines Tages ein Pilger aus dem Heiligen Land nach Stubegg und überbrachte dem Burgvogt den traurigen Bericht, wie beide Herren von Stubenberg im Kampf um das Heilige Grab ihr Leben gelassen hätten. Er selbst habe einem der Brüder die Augen zugedrückt, und dieser habe ihm vor seinem Tode das Geheimnis des verborgenen Schatzes anvertraut und ihm die beiden Schlüssel übergeben, damit der Burgvogt den Schatz den überlebenden Sprossen des Geschlechtes einhändigen könne. Trotz intensiver Suche konnte die Tür mit dem Schloss zu den Schlüsseln nie gefunden. Die Schlüssel bewahrten die Herren von Stubenberg behutsam auf, da sie ihnen einmal großes Glück bringen sollen.

 

   
Familiensage von der eingemauerte Monstranz  

Einstmals im Dreißigjährigen Krieg war der Truchsess von Waldburg Kommandant des von den Schweden 1632 belagerten Lindau. Er ließ eine kostbare Kassette mit dem wertvollen Schmuck der Lindauer durch eine als Bettlerin verkleidete Adelige nach Schloss Syrgenstein bringen. In der Kapelle des Schlosses Syrgenstein wurde er in eine Monstranz eingemauert, „so schwer und so reich an Gold und Edelsteinen, dass man damit das ganze Schloss neu bauen könnte, wenn es je einmal zugrunde ginge.“

In der weiteren Kriegsfolge soll eine alte Frau den Schatz von Syrgenstein in einem Kinderwagen durch die schwedischen Wachtposten hindurch in den Wald geschoben und dort vergraben haben. Die Kenntnis von dieser Stelle ging verloren wie der Lageplan, so dass der Schatz nicht mehr gehoben werden konnte.

 

   
Familiensage vom unterirdischen Gang  

Einstmals soll bei Syrgenstein, unweit von Eglofs, ein unterirdischer Gang in ziemlich gerader Richtung nach Meckatz geführt haben. Dieser Gang soll sich mehrmals saalartig erweitert haben. In diesen unterirdischen Räumen seien vor Zeiten die gottlosen Bewohner von Syrgenstein zusammengekommen, um heidnische Feste zu feiern. Sie taten das noch, als über der Erde in Kirchen und Kapellen schon Christus, der Gottessohn, verehrt wurde.

 

   
Familienspiel Schatz von Syrgenstein  

Personen:
Bürgermeister der Stadt Lindau: Johannes
Bürgerin: Anette
Bürger: Tobias B.
Barbara: Carina
Dienerin: Lucia
Kind 1: Natalie
Kind 2: Markus
Soldat 1: Denis
Soldat 2: Tobias K
Schlossdienerin: Elfriede
Graf: Tobias W.
Soldat 3: Christian
Soldat 4: Michael
Major: Benedikt
Sprecher: Bernhard (Plakat mit Beschriftung s.u. kursiv wird vor der Bühne hin- und hergetragen:)

Bild 1 - Lindau 1632 - im Ratsaal

Bürgermeister: Die Schweden stehen vor der Stadt. Sie werden uns plündern. Sucht mir eine Bürgerin, die sich bereit erklärt, sich als Bettlerin zu verkleiden um unsere Schatzkassette nach Syrgenstein in Sicherheit zu bringen.

Bürgerin: Ich hätte einen Vorschlag. Wir könnten Frau Barbara fragen. Sie würde sich bestimmt bereit erklären.

Bürger: Ich gehe und hole sie, dann könnt ihr sie fragen.

(Bürger und Frau Barbara kommen herein )

Bürgermeister: Würdet Ihr Euch bereit erklären für uns den Schatz nach Syrgenstein zu liefern? Aber Ihr müsst Euch als Bettlerin verkleiden.

Barbara: Na gut, ich habe einen alten Leiterwagen. Da packe ich den Schatz hinein.

Bürger: Ihr müsst aber Eure Kinder auch mitnehmen und erst einen Vertrag unterschreiben. Hier ist er. (Sie unterschreibt den Vertrag )

Barbara: Nun bringt mir die Kleider, damit ich mich umziehen kann.

(Bürgerin klatscht 2mal. Dienerin kommt herein und bringt die Kleider mit.)

Dienerin: Kommt Ihr bitte mit mir. Dann könnt Ihr Euch umkleiden.

(Dienerin und Frau gehen hinaus)

Bürgermeister: Ich gehe und hole die Kassette.

(Barbara und Dienerin kommen wieder herein mit Leiterwagen. Bürgermeister kommt auch herein. Bürgerin nimmt Bürgermeister die Kassette ab.)

Bürgerin: Hier ist die Kassette. Bringt sie bitte mit Decken eingewickelt nach Syrgenstein.

(Bürgerin wickelt die Kassette mit Decken und Lumpen ein und legt sie mit alten Küchengeräten in den Leiterwagen. Frau holt die Kinder und macht sich auf den Weg.) (von Anette und Carina)

Bild 2 - Im Wald bei Heimenkirch

(Barbara kommt mit den Kindern und dem Leiterwagen)

Kinder: Wir haben Hunger. (Barbara gibt den Kindern etwas zu essen)

Barbara: Da, nehmt ein Stück Brot.

(packt das Kästchen aus; sie hört die Schritte kommen, erschrickt und versteckt alles wieder. - Soldaten kommen)

Soldat 1: Ja, wen haben wir denn da? (still stehen)

Barbara: Ich bin eine arme Seele und besitze nichts außer meinen Kindern. Lasst mich doch bitte durch.

Soldat 2: Also gut, gehe durch. Aber mach, dass du wegkommst! (Barbara entfernt sich mit den Kindern)

Soldat 1: Mit der Frau stimmt was nicht.

Soldat 2: Das müssen wir sofort dem Major melden.

(Soldat 1 und 2 entfernen sich) (von Tobias Klein, Denis Rauch)

Bild 3 - Vor dem Schloss

(Barbara tritt mit den Kindern über die Zugbrücke und klopft an das Tor)

Dienerin macht das Tor auf und fragt: Was wünscht Ihr, bitte?

Barbara: Ich möchte den Grafen in einer wichtigen Angelegenheit sprechen.

Dienerin: Ich schaue mal nach, ob er da ist! - (geht ins nächste Zimmer, wo der Graf sitzt)

Diener: Herr Graf, eine Bettlerin möchte Euch in einer wichtigen Angelegenheit sprechen.

Graf: Ja, ich werde mich sofort darum kümmern. Führt sie herein.!

Dienerin geht zurück und meldet: Der Herr Graf wünscht Euch sofort zu sprechen. Folgt mir!

Barbara: Ja, danke. (Sie gehen zum Grafen)

Graf: Was willst du von mir?

Barbara: Ich soll Euch fragen, ob Ihr eine wertvolle Kassette von Lindau verstecken würdet.

Graf: Warum sollte ich das tun?

Barbara: Weil der Bürgermeister ein guter Freund von Euch ist.

Graf: (öffnet die Kassette, staunt) Bei uns ist die Kassette in guten Händen. Ich werde den Schatz sofort verstecken und niemand wird davon erfahren bis auf meine Tochter.

Barbara: Vielen Dank!

Graf: Aber nun erholt Euch und esst etwas. (- Dienerin kommt)

Barbara: Ich danke Ihnen.

(Graf klatscht. Dienerin kommt)

Graf: Gebt der Frau etwas zu essen!

(Dienerin nimmt sie mit) (von Elfriede, Lucia und Natalie)

Bild 4 - Sprecher

Sprecher: Kurz darauf kommt die Tochter Adela zu ihrem Vater in den Hof, dann gehen sie in den Keller. Der Graf zieht einen losen Stein aus der Mauer und legt den Schatz hinein. Sie verschließen das Versteck wieder mit dem Stein.

Bild 5 - Schwedische Soldaten vor Syrgenstein

Major von Schweden: Also Männer, wenn ich pfeife, stürmen wir das Schloss.

Männer (alle): Gut.

Major: (Pfiff)

Der Schlossherr, Graf von Syrgenstein, (zeigt weiße Flagge): Wir ergeben uns.

Major: Gebt den Schatz her oder du wirst gefoltert!

Graf: Ich kann Euch nichts sagen.

Major zum Soldaten: Holt die Folterbank und foltert ihn!

Graf: Foltert mich, aber ich sage keinen Ton.

Major: Das werden wir schon sehen .

Soldaten und Major schreiten zur Folterung.

(Folterung - Stöhnen, Schreien. Plötzlich sinkt der Graf zurück. Er ist tot)

Major schimpft: Konntet ihr nicht besser aufpassen? Nun war alles umsonst. Wir ziehen ab.

(Sie gehen in die Küche und holen etwas zu essen und ziehen ab. Sie lassen den Grafen liegen. Die Dienerin eilt herbei, weint. - Schluss) (von Tobias W. und Benedikt)

Bild 5 - Schluss

Sprecher: Die Tochter des gefolterten Grafen starb dann an der Pest. Viele haben schon nach dem Schatz seither gesucht. Aber bis heute ist noch keine Spur von ihm aufgetaucht. (von Tobias, Markus und Christian).

 

   
Familienlegende vom Heiligen Theobald von Thann  

Einstmals gab es drei Heilige mit dem Namen Theobald:
Heiliger Ubald (Theobald, Thibaut) von Thann, (-1001) Erzbischof von Vienne, Gedenktag 21. Mai.
Heiliger Theobald von Thann (1033-1066), Neffe des Ubald, 1073 von Papst Alexander II. heiliggesprochen, Gedenktag 30. Juni.
Heiliger Ubald von Gubbio, Augustiner-Chorherr, Gedenktag 16. Mai, wird vielfach mit dem Heiligen Theobald von Thann verwechselt. Beide werden in Südbaden und im nahen Elsass als Erretter aus Todesnot und bei „Heiliger Krankheit“ (Epilepsie) angerufen. Da beide auch nach Santiago de Compostela pilgerten und sich danach in die Einsamkeit zurückzogen, ist die Identität der beiden Heiligen nicht immer eindeutig.

Vom Heiligen Theobald (Ubald, Thibaut) von Thann gibt es viele Legenden, die in einem umfangreichen Folianten, der von 1402 bis 1521 geführt wurde, aufgeschrieben sind; darin enthalten sind auch einige Erzählungen von erfolgreichen Fallsucht-Heilungen. Legenda aurea: Man hört seine Stimme aus dem Eis. Er leidet Pein für die Sünden anderer. Er erlöst einen, wenn man 30 Tage lang eine Messe lesen lässt. Er lässt ein anderes Haus brennen. Er liest die letzte Messe. Er lässt Eis schmelzen. Er macht, dass Feuer keinen Schaden anrichtet. Er errettet aus Todesnot. Und vor allem ist er der Helfer bei der „Heiliger Krankheit“ (Epilepsie).

Um den Beistand des Theobald von Thann bei einem Epilepsiekranken handelt es sich bei der Plastik im Bildatlas: Der Kranke kniet in verkrampfter Haltung zu Füßen des Heiligen. Der linke Arm ist wie hilfesuchend nach oben ausgestreckt, der rechte ist bodenwärts gerichtet, so dass andeutungsweise die Figur eines Kreuzes resultiert, Symbol des Leides. Der Kopf des Kranken ist in einer unnatürlichen Position zur rechten Schulter gebogen, Mund und Augen sind geöffnet, die Gesichtszüge zeigen die Qual des Anfallkranken. Wie so häufig bei derartigen Darstellungen ist der epilepsiekranke Mensch nur halb bekleidet dargestellt - Symbol der „Armseligkeit“ und des Ausgestoßenseins des Betroffenen. Der Heilige Ubald, in der Tracht der Augustiner-Chorherren (zu deren Besitzungen auch das Kloster in Sankt Märgen gehörte), steht in gelassener Haltung hinter dem Anfallkranken - in der linken Hand den Stab als Zeichen seiner geistlichen Würde, die rechte Hand segnend über dem Kranken ausgestreckt. Die Figurengruppe zeigt, insbesondere in der Person des Epilepsiekranken, den barocken Überschwang der Formen und Bewegungen und bringt so das dramatische Geschehen eindrücklich zur Geltung. Die Großplastik des Heiligen Ubald stammt von Matthias Faller (1707-1790), und steht in der Klosterkirche St. Märgen im Schwarzwald.

 

   
Familiensage vom Jungfernsprung  

Einstmals hatte der Ritter Kuno ein unschuldiges Mädchen auf den Felsen oberhalb von Dahn getrieben. Oben angekommen sprang die Arme in den Abgrund und überstand den Sturz ohne Verletzungen. An der Stelle, an der das Mädchen gesprungen war, entstand sofort eine Quelle. Noch heute überragt der Jungfernsprung den Ort Dahn mit seinen 65m eindrucksvoll.

Einstmals wurde die Siedlung Dahn von Schnapphähnen angegriffen, Spitzbuben die nichts anderes im Sinn hatten, als die wunderschönen Dahner Jungfrauen zu schänden. Einer der Schnapphähne versucht nun sich eine Jungfrau gefügig zu machen, doch die flüchtet auf den Felsen. Da stand sie nun zitternd und keuchend, oberhalb von Dahn. Der Spitzbube war ihr nachgekommen und vom Pferd gestiegen, wie er auf sie los ging, wich sie Stück für Stück zurück, bis sie direkt am Abgrund stand. Da es keinen Ausweg gab sprang die Jungfrau in die Tiefe und überstand den Sturz ohne Verletzungen. An der Stelle, an der das Mädchen gesprungen war, sprudelte Wasser hervor.

 

   
Familiensage vom Fräulein Edda von Thann  

Einstmals war das schöne Fräulein Edda von der Thann
allen Tieren zugetan, hatte sie doch keinen Mann.
Besonders innig war ihr Bund
Mit der Ziege und dem Hund, der ihr besonders nahe stund.
Oft ging sie, sprechend mit den beiden,
tief in den Wald zu Fels und Weiden.
In der Natur, im hohen Gras,
da hatten alle ihren Spaß.

Doch einmal kam am Felsenrand
Die Riesentritsche angerannt.
Und hat mit ihren scharfen Krallen
Die arme Ziege angefallen.

Der Hund, vom Schrecken kaum genesen,
stürzt sich auf dies' abgeschmackte Vogelwesen.
Ein Kampf entbrennt, der Hund gewinnt,
der Tritsche Blut im Sand verrinnt.

Oftmals ging sie schöne Edda von der Thann
die ihrem Hunde zugetan, wie einem Mann,
mit stolz geschwellten Brüsten rund,
mit Hund zum Bett zur Abendstund.
Oft ging sie, kosend mit dem Rüden,
tief in den Wald ohne zu ermüden.
In der Natur, im hohen Gras,
da hatten die beiden ihren Spaß.

 

   
Familiensage vom gottlosen Ritter von Thann  

Einstmals hat bei der Teufelskirche der Teufel ein gottloser Ritter von der nahen Burg Thann auf der Jagd geholt. Sein Frevel war, trotz der Mahnung des Pfarrers am Karfreitag in dem unwegsamen Gelände einem Hirsch nachgestellt zu haben.

Nordöstlich von Grünsberg eröffnet sich das Paradestück der Altdorfer Rhätschluchten, die Teufelskirche. Vor Jahren erschütterte die Klamm ein Felssturz und baute die Teufelskirche auf. Seither stürzt der Bach am nördlichen Ende der Schlucht über einen Steilabfall viele Meter in die Tiefe - ein in der Region seltenes Naturschauspiel. Neben dem Wasserfall führt eine Treppe hinab in das Halbrund ausgewaschener Felswände.

 

   
Familiensage vom Schatz in der Burg Altdahn  

Einstmals machten sich drei Fischerknechte auf, um einen vergessenen Schatz in der Burg Altdahn zu finden. Sie suchten in den vielen Gängen und unterirdischen Kammern und alsbald glaubten sie, den Schatz gefunden zu haben, als es unter ihnen in einer Kammer funkelte und glitzerte. Mit einer Strickleiter stiegen sie hastig hinab, um mit ihren Händen in den Diamanten, Edelsteinen und Rubinen zu wühlen. Aber kaum hatten sie den Boden erreicht, als eine Sturzflut über sie hereinbrach. Sie hatten den ehemaligen Weinkeller entdeckt. Bevor sie aber die Strickleiter erreichen konnten, waren sie in den Fluten umgekommen.

 

   
Familiensage vom Pfeilschuss auf den Ritter von Thann  

Einstmals hatte der jungen Ritter Walter von Thann auf der Jagd den Sprössling dieses Geschlechtes der Edlen von Sick getötet. Die Tat war nicht mit Absicht verübt worden, sondern es lag ein böser Zufall vor. Doch der Ritter erbot sich, eine Geldbuße zu erlegen, wie sie das Gesetz vorschrieb, oder ein Gottesgericht in ehrlichem Zweikampf entscheiden zu lassen. Der Stammsitz der Edlen von Sick lag weit von Burg Neudahn. Kunz von Sick, der Bruder des Getöteten, war ein jähzorniger Mann und wollte Blutrache üben; darum wies er das Anerbieten des Thanners trotzig ab.

Als Walter einst, nichts Böses ahnend, durch den Forst ritt, kam aus dem Dickicht ein Pfeil auf ihn zugeflogen, der ihn aber verfehlte und in einer Buche haften blieb. Der junge Ritter nahm den Pfeil und ging damit auf die Burg des Sick, als dieser eben viele Gäste um sich versammelt hatte. Er überreichte Ritter von Sick den Pfeil und sagte freundlich: „Ich dachte nicht, dass Ihr Gäste hättet, sonst wär', ich ein andermal gekommen.“ Dem Hausherrn stieg die Glut des Zornes ins Gesicht, weil er sich aber seiner Tat schämte. Doch er suchte sich zu beherrschen und erwiderte: „Ihr seid mir ein werter Nachbar, nehmt Platz an meinem Tische!“ Der Zufall fügte es, dass Walter neben die Tochter des Ritters von Sick zu sitzen kam.

Schoneta war ein wunderschönes, verständiges und ehrbares Mägdlein, das wohl Mitleid kannte, aber nicht Hass. Der Ritter von Thann und Schoneta fanden Gefallen aneinander. Nachdem die Tafel aufgehoben war, sagte Walter zum Burgherrn: „Ich will Euch eine Sühne vorschlagen, die allen Groll zwischen uns tilgen wird: Gebt mir die Hand Eurer Tochter!“ Der Alte gehörte zu jenen Menschen, denen der Wein gute Laune verleiht, auch hatte ihn Walters Edelmut überrascht. Er gab daher nicht nur sein Jawort, sondern nahm auch zum Andenken an diesen Vorfall einen Pfeil in sein Wappen auf.

 

   
Familienlegende vom Fest auf Blumenstein  

Einstmals hatte der Ritter Johann von der Thaan Burg Blumenstein besessen und dort mit seinen Freunden und Kampfgefährten große Feste gefeiert.

Noch heute erstrahlen in lauen Vollmondnächten der Blumenstein und die Burg in seiner alten Pracht. Dann sind alle Fenster hell erleuchtet und durch die Fenster kann man zu Tanzmusik von Zimbeln und Lauten sehen, wie sich in teuerem Tuche gekleidete Menschen im Rhythmus der Musik wiegen und miteinander tanzen. Vor dem Morgengrauen ertönen Trompetenstöße mit denen das Trugbild immer schwächer wird, bis es beim letzen Echo verschwunden ist.

 

   
Familiensage vom Kopf des Heinrich   Einstmals war Heinrich von Thun Gouverneur von Reval (Tallin). Im Kampf gegen die Russen galt er als tapferer Heerführer, immer als Erster vor seinen Männern ist er auf das Schlachtfeld geritten, auf dem er schließlich fiel. Der russische Zar ließ darauf hin Heinrichs Kopf in Seide wickeln und in Ehren den Schweden übergeben.

 

   
Familienlegende von der ersten Erzauffindung  

Einstmals träumte der Heilige Daniel, er werde auf einem Baum einen Schatz finden. Als er daraufhin mit Schlägel und Eisen auf diesen Baum stieg, wurde ihm durch einen Engel des Herrn mitgeteilt, er solle am Fuß des Baumes einschlagen. Auf diese Weise wurde das erste Erz erschlossen.

Dass der Heilige Daniel im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert als Bergverständiger häufig als Schutzpatron der Bergleute im Alpen- und Donauraum in Anspruch genommen worden ist, mehrfach Bergwerken seinen Namen gegeben hat und das Thema der Legende der Erzfindung durch diesen Heiligen galt damals als Beleg für eine glückliche göttliche Fügung. Thurzo hatte sich der Heiligen des Montanwesens quasi „versichert“, das belegt das Bildprogramm des Grünen Saales in ihrem Schloss in aller Deutlichkeit, zählen doch die Heiligen Daniel, Barbara, Eustachius und Georg zu den Nothelfern in „schwierigen Lebenslagen“. Die Darstellung der Barbara als „Donner-Heiligen“ weist auf die Verwendung von Schießpulver als Sprengmittel hin.

 

   
Familiensage von Prinzessin Salome  

Einstmals lebte die Prinzessin Salome, die das Feuer und die Wildheit der Ravnos und ihrer menschlichen Ebenbilder, den Sinti und den Roma, förmlich zu verkörpern schien. Sie war eine Rose, wie sie wunderschöner im silbernen Mondlicht nicht blühen konnte. Lazy Lofos wurde ihrer auf einem der vielen Feste in den Schlössern und Burgen gewahr und lernte sie, obwohl sie damals noch menschlich war, als unnahbar und schier unzähmbar kennen. Trotz der Zuneigung, die er für dieses wunderschöne Wesen aufbrachte, zögerte er erst, als sie ihn bat, ihr den Kuss des Lebens weiterzugeben. Schließlich jedoch, vielleicht aus Angst sie dahinwelken zu sehen, wurde sie durch sein Blut zu einem Kind Kains. Viele Wirren musste diese scheinbar endlose Liebe durchleben. So wurde Prinzessin Salome durch den Palatin des Landes... einen Grafen namens Grygory Thurzo von Bethlemfalva... auf brutalste Weise entführt und misshandelt. Dem Palatin war der Clan der Toremisce ergeben, der aus dem missglückten Experiment entstanden war, die Blutlinien Toreador und Tzimisce zu mischen. Später stand die Prinzessin zeitweise unter dem unheiligen Bann des Grafen, welcher jedoch durch die Liebe zu Lazy Lofos gebrochen wurde. Thurzo ward seitdem nicht mehr Herrscher der Toremisce und er zog sich in die Mauern seiner Burg Bethlemfalva zurück und hadert noch immer seiner vergeblichen Mühen, die Prinzessin in seine Klauen zu bekommen.

 

   
Familiensage vom Schloss Wolfsegg   Einstmals trugen zum Bau des Schlosses Wolfsegg drei Riesen das Holz, die Steine und den Kalk zusammen. Die Giganten waren so riesig, dass sie die Burg, als sie fertig war, überragten. Im Schloss soll sich noch an einer eisernen Kette eine Rippe eines der drei Riesen befinden.

 

   
Familiensage vom Wolfsegger Schulmeister  

Einstmals segnete ein Schulmeister in Wolfsegg die Gewitter, indem er Kreuze in die Luft zeichnete und Sprüche hersagte. Die Gewitter zogen meist nach Schwanenstadt weiter.

 

   
Familiensage vom Mann mit dem Feldstein  

Einstmals begegneten in Wolfsegg nachts immer wieder Leute einem Mann mit einem großen Feldstein auf der Schulter. Auf seine Frage, wohin er diesen setzen solle, riet ihm einer schlagfertig, dorthin gehöre er, wo er ihn genommen habe. Der Rat wurde befolgt, und die seltsame Erscheinung des Mannes, der zu seinen Lebzeiten oft zu seinen Gunsten Feldsteine versetzt hatte, verschwand.

 

   
Familiensage von der eingemauerten Jungfrau  

Einstmals verliebte sich ein verarmter Ritter in Elsbeth, die Tochter des Herrn auf dem nahe gelegenen Schloss Wolfsegg. Die junge Dame wies jedoch all seine Versuche, ihr näher zu kommen, zurück. Um das Herz der Angebeteten dennoch zu gewinnen, hieß der Ritter alle Dompfaffen auf seinem Gut aus den Nestern zu holen und in den Keller seiner Burgruine zu bringen. Dort lehrt er sie jenes Liebeslied, welches er unter dem Fenster des Fräuleins zu spielen pflegte. Er lässt die nun das Lied pfeifenden Sprösslinge nach ihrer Lehrzeit frei und lädt die Dame zum Spaziergang auf sein Burg. Die Angebetete merkt bald, dass Hunderte von Finken jenes wunderbare Liebeslied singen, worauf sie sich unsterblich in den Baron verliebt...

Der letzte Herr des Schlosses Wolfsegg ließ seine schöne Tochter Elsbeth lebend in eine Zelle einmauern, um sie vor dem Vogelgesang und dem Geliebten zu verschanzen. Das Mädchen starb und wandert heute noch um Mitternacht im Schloss umher, wenn der Umgebung Unheil naht.

 

   
Familiensage vom Burgstein  

Auf den Höhen nächst der Farnau bei Traunkirchen ist ein Felsen zu sehen, der die Form einer alten Burg aufweist.

Einstmals war dieser Burgstein der Sitz eines Geschlechtes von Raubrittern. Die benachbarten Burgherren, ihre Lehenleute, wetteiferten mit ihnen in Blut- und Gräueltaten. Der letzte Herr auf dem „Burgstein“ erdrosselte seine Frau, ein sanftes und treues Geschöpf, das nur den einen Fehler hatte, ihrem Gemahl nicht zu gleichen, und richtete seinen Hass dann auf das Kind, welches sie ihm geschenkt hatte. Eines Tages kam er mit dem fernen Burgherrn von Wolfsegg in Streit, besiegte und tötete ihn und ließ seinen Sohn auf sein Schloss schleifen. Der als Geisel auf dem „Burgstein“ gehaltene junge Ritter von Wolfsegg lernte die Tochter seines Peinigers kennen und lieben, der unmenschliche Burgherr aber kam bald hinter das zarte Geheimnis, ließ die Liebenden vom Felsen in die Tiefe stürzen, wo sie zerschmetterten. Dann setzte er mit seinen Spießgesellen das gottlose Räuberleben fort. Endlich aber brach der göttliche Zorn los. Alle diese Schurken gingen in voller Lebenskraft in fürchterlichen Qualen zugrunde und ihre Schlösser verschwanden. Nur der Burgstein ist geblieben, alles wurde in Stein verwandelt, um die Erinnerung an das Strafgericht festzuhalten. Oft schon haben die alten Leute von Farnau ein junges Paar durch die Trümmer irren sehen und noch öfters wurden sie erschreckt durch höllischen Lärm, der sich im verfluchten Schloss erhob.

 

   
Familiensage von der Baronin auf Wolfsegg  

Einstmals im Jahre 1028 wurde die Burg Wolfsegg errichtet und kam im Laufe der Zeit in den Besitz bayerischer Edelleute, darunter auch die Laaber von Wolfsegg. Im 14. Jahrhundert heiratete einer der Barone Laaber eine schöne Frau, und die eifersüchtigen, habgierigen Verwandten heckten einen teuflischen Plan aus, dessen Ziel es letztlich war, an den Besitz der Festung zu gelangen. Sie versuchten die junge Braut in eine kompromittierende Situation mit einem anderen Mann zu bringen. Zugleich trug man dem Baron zu, dass seine Frau ein heimliches Stelldichein plane. Der Baron eilte sogleich in die Burg und fand die beiden. In rasender Eifersucht brachte der Baron seine Braut und den vermeintlichen Liebhaber um. Die Verwandten ermordeten daraufhin den Baron. Es sei ein Akt der Gerechtigkeit, ließen sie verlauten. Dadurch gelangten sie an den Besitz des Barons. Seit jenem Tag wandelt die Baronin von Wolfsegg in den Fluren und auf den Treppen von Wolfsegg. Bewohner der Burg berichten von Leuchterscheinungen, geisterhaften Schritten und unerklärlich kalter Zugluft. Skeptiker dagegen vermuten, die Lichtphänomene seien Irrlichter, die durch Gase hervorgerufen würden, die aus einer von Fledermäusen bewohnten Tropfsteinhöhle unter der Burg kommen.

 

   
Familiensage vom tollen Hans  

Einstmals, als rings um Neumarkt noch etliche Burgen die Höhen und Bergrücken zierten, kaufte der Grillenberger Wolf ein kleines Anwesen mit Äckern und Wiesen unterhalb der Burg Wolfstein, die trutzig über seinem Häuschen hoch in die Luft emporragte. Auf einer schroffen Klippe schob sich dieses Felsennest weit sichtbar in das Land hinein und beherrschte die Gegend in weitem Umkreis.

Hier droben hauste der „Tolle Hans“, wie er wegen seiner üblen Späße und seines schändlichen Übermuts landauf, landab genannt wurde. Er war ein unbedachter Ritter, der seine Freude an grausamen Hetzjagden, blutigen Turnieren, wilden Raufereien und nächtlichen Zechgelagen hatte. Wieder einmal wurde er von seinen ebenso wilden Kumpanen besucht, dem Ritter von Gumppenberg, dem Langen Hans von Parsberg und Kurt von Stauf. Sie zechten und würfelten, sangen und johlten den ganzen Tag lang und gegen Abend machten sie sich auf den Weg, um jeder zu seiner eigenen Burg zu reiten. Der Hans vom Wolfstein gab ihnen den Berg hinunter das grölende Geleit bis ins Tal. Seine junge Gemahlin stand oben am Erkerfenster und winkte den Gästen einen Abschiedsgruß herab. Unter diesen raubeinigen Gesellen war sie wie ein leibhaftiger Engel. So sehr das Landvolk den Tollen Hans wegen seiner Hartherzigkeit und unerträglichen Launen hasste, eben so sehr stand die edle Burgherrin in großer Verehrung wegen ihrer engelhaften Schönheit, der nie versiegenden Güte und ihren freundlichen Worten, die sie für jeden fand.

Der Grillenberger Wolf hatte eben eine Fuhre Weizen geladen, seine mageren Kühe vor den Leiterwagen gespannt fuhr er mit seinem Reichtum nach Hause. Diese Fuhre gab ihm und seiner Familie Brot für ein ganzes Jahr und deshalb war er auch weniger auf die Gnade seines Burgherrn angewiesen als die anderen Bewohner hier. Als die Ritter auf die Fuhre Weizen zutrabten, fing der Tolle Hans heftig zu gestikulieren an und schrie lauthals „Holla Ihr Junker, da schaut mir diesen Gegner an! Soll ich ihn in den Sand stecken? Ein tapferer Ritter, dick und viereckig! Breit steht er da auf vier Füßen und gepolstert ist er, dass er dreißigmal so schwer ist wie ich! Soll ich Ihr Junker... Soll ich?“ Die Ritter grölten und konnten nicht begreifen, was ihm nun wohl wieder für Verrücktheiten durch den Kopf gingen. Der Parsberger rief „Was willst du denn, Hans? Was meinst du denn für einen Gegner?“ „Holla, da steht er, Junker, da steht er! Ich will Euch ein Turnier ausfechten. Gleich wird er im Sande liegen. Haltet an Freunde!“ rief der Tolle Hans übermütig. Die Ritter hielten vor dem Grillenberger an, der im Gras saß und seine Kühe gerade verschnaufen ließ. Der Bauer stand auf und lüpfte verängstigt sein Käppchen. Er ahnte wohl, dass der Tolle Hans mit ihm wieder seinen Unfug treiben wollte, wie er es gerne auf Kosten der kleinen Leute tat. Und richtig, der Hans vom Wolfstein sprengte an die Weizenfuhre heran, riss aus derselben die lange, dreizinkige Bauerngabel, schwenkte seitwärts in den Acker ab, legte die Gabel zum Stoß an wie eine Lanze und brüllte, dass es weit zu hören war „Gebt acht, wie ich den viereckigen Kerl in den Sand strecke. Gebt acht! Holla! Ho... Ho...“ Der Grillenberger Wolf stand da, als ob sein letztes Stündlein geschlagen hätte, ganz klein und unglücklich. Er dachte nichts anderes, als dass ihn der verrückte Junker aufspießen wollte. Zugleich durchbebte ihn eine furchtbare Wut und er hielt seine Peitsche in der Hand.

Der Tolle Hans gab seinem Pferd die Sporen, dass es sich hoch aufbäumte und sprengte mit angelegter Heugabel auf die Fuhre Weizen los. Zischend fuhren die Zinken in die Garben, mit gewaltigem Ruck stemmte sich das Pferd zurück und wie vom Winde weggeblasen, flog die Getreidefuhre in den nahen Graben. Die Kühe schickte sich an zu scheuen und Wolf hatte alle Hände voll zu tun, um sie zu bändigen. Nachdem er sie endlich zur Ruhe gebracht hatte, sprang er wie eine Katze an den tollen Junker heran, fasste sein Pferd beim Zügel und zischte ihn grimmig an „Pfui Teufel, Ritter Hans, wenn ihr sonst nichts könnt, als arme Leute zu schinden und ihnen Streiche zu spielen, dann schämt Euch. Ja, schämt Euch!“ Dabei spuckte er gegen ihn aus. So etwas war dem Tollen Hans noch nicht begegnet, zumal seine Kumpane diesem Schauspiel beiwohnten. Wutschnaubend riß er das Schwert aus der Scheide und wollte auf den Bauern zureiten. Aber der schlug ihm so rasch einmal, zweimal, dreimal mit dem Peitschenstiel über das Gesicht und die Hand, dass dem Tollen Hans Hören und Sehen verging. Und bis sich dieser besann und seinem Pferd die Sporen gab, um den Bauern zu überreiten, da war der Wolf längst zur Seite gesprungen und erwartete den Ritter mit vorgehaltener Heugabel und schrie ihm entgegen „Jetzt reitet her wie auf meinen Weizen, wenn Euch danach gelüstet!“ Die Junker, die voller Vergnügen von ihren Pferden aus dieses Schauspiel verfolgten, lachten und schüttelten den Kopf über den Hergang der Dinge und freuten sich insgeheim über die Niederlage und den Denkzettel, den der Tolle Hans eingeheimst hatte. Der aber wischte sich das Blut aus dem Gesicht, rief den Junkern noch ein schnelles Abschiedswort zu, wandte schandbedeckt sein Pferd und trabte am Grillenberger Wolf fluchend und drohend vorbei, auf seinem Pferd dem Wolfstein entgegen, während die anderen Ritter noch laut lachend sich auf den Heimweg begaben.

Zu Hause angekommen , legte sich der Tolle Hans auf eine ledergepolsterte Bank und schlief Schmach, Wein und Zorn aus. Die Burgherrin von Wolfstein, die vom Fenster aus den übermütigen Streich ihres Gemahls beobachtet hatte, stieg am gleichen Abend noch ins Tal hinab, um beim Grillenberger Wolf vorbei zu schauen. Sie klopfte an die Tür des Grillenberger und als Wolf die Tür öffnete und er die Frau seines Feindes dort stehen sah, kochte die Wut von neuem in seiner Brust und er wollte seinem Zorn mit gewaltigen Schimpfworten Luft machen. Als er jedoch in das gütige Gesicht der Herrin blickte und sie ihm ihre weiße Hand reichte und für ihren Mann entschuldigenden Einspruch einlegte, da schluckte der Wolf seinen Ingrimm hinunter, so schwer es ihm auch fiel. Als er noch in seiner Hand mehrere harte Reichstaler für den angerichteten Schaden verspürte, da wurde es ihm ganz warm um das Herz und er sprach „Gott lohn es Euch, edle Herrin. Ich hab' halt im Zorn gar heftig hingeschlagen. Ich hoffe, es wird dem gnädigen Herrn doch wohl nichts weiter Ernstes geschehen sein, es täte mir sonst leid. Aber ihr wisst doch selber, der schöne Weizen, er hätte Brot bedeutet für ein Jahr.“

Hans vom Wolfstein wusste nichts von dem Tun seiner Frau, und als er am nächsten Tag seinen Rausch ausgeschlafen hatte, beschloss er, den Grillenberger im Turmverlies zu züchtigen und jede Auflehnung gegen ihn aus dem Starrkopf des Bauern zu vertreiben. Zur gleichen Zeit, als der Tolle Hans darüber nachsann, wie er den Grillenberger Wolf wohl am besten bestrafen könne, sann auch der Heinrichsbürger, der mit dem Wolfsteiner in Fehde lag, darüber nach, wie er sich denn wohl am besten am Wolfsteiner rächen könnte. Der Tolle Hans hatte ihm nämlich vor nicht allzu langer Zeit einmal zehn Rinder weggenommen, weil sie sich verlaufen hatten und auf der Wolfstein-Weide grasten. Das hatte der Heinrichsbürger dem Tollen Hans noch nicht vergessen. Und so wollte er ihn nun zwingen, zehnfach Ersatz zu leisten. War denn nun der Wolfstein nicht mit Gewalt zu erstürmen, so musste es mit List gelingen. Hans dachte schon gar nicht mehr an den Zwist mit dem Heinrichsbürger. In der Nacht nach dem Kampf mit der Weizenfuhre, zog in der Ferne ein Gewitter auf. Auf dem Wolfstein war noch ein einziges Fenster hell erleuchtet. Es blickte aus der Dunkelheit hinaus wie ein großer Stern. Wind kam auf und pfiff monotone Melodien und aus einer Lücke im Mauerwerk der Burg schrie der Totenvogel. Aber von den Burginsassen hörte niemand seinen einsamen Ruf, doch er galt ihnen in dieser Nacht. Der Grillenberger jedoch hatte ihn ganz deutlich gehört, denn er konnte nicht schlafen und wälzte sich unruhig auf seinem Lager hin und her. Er dachte über den Tollen Hans und noch mehr über die gütige und schöne Burgherrin nach. Und weil er so unruhig war, stand er auf, ging ans Fenster, horchte und schaute in die dunkle Nacht hinaus. Ganz fern grollte immer noch der Donner und die Blitze ließen den Himmel immer wieder hell erstrahlen. Aber zwischen Wind und Donner hatte er noch etwas erlauscht. War da nicht so etwas wie Pferdegetrappel und unterdrücktes Wiehern? Oder waren das doch vielleicht der Wind in den Baumkronen und der Uhu im nahen Wald ? Rasch nahm er sich seine Käppchen und sein Wams und schlich sich vorsichtig hinaus. Er lauschte und er hörte, wie Pferde näher kamen und manchmal hörte er Eisen klirren. Er duckte sich hinter dem Buschwerk am Wege nieder und wartete auf das, was da langsam und leise den Weg herauf kam. Bald konnte er sehen, was es war. Es waren schwarz vermummte Männer in Rüstungen, die bedächtig den Berg hinan ritten und manchmal ein Zeichen gaben und miteinander flüsterten. Wolf erkannte im Licht der Blitze zuerst die Wappen und dann den voran reitenden Heinrichsbürger und seine Knechte, wie sie gegen Wolfstein zogen. Der Grillenberger lachte sich in Fäustchen „Hänschen lösch dein Licht aus! Bald brennt deine ganze Burg. Dann habe ich ein Haus und du nicht.“ Die Schadenfreude überkam den Bauern, der den Untergang seines Feindes vor Augen sah. „Verrückter Hans, nimm dein Schlachtschwert und hau auf die eisernen Helme und Panzer! Verrückter Hans, wirf lieber den Heinrichsbürger den Hang herab und lass uns armen Leuten den Frieden! Bald wird die Zugbrücke von verräterischer Hand nieder rasseln, die Kerker der Heinrichsbürger werden dich verschlingen und ich bin ein freier Mann!“ Während das durch seinen Kopf schoss, waren die Ritter und Knappen vorbei gezogen und in der Dunkelheit verschwunden. Während der Grillenberger Wolf noch leise vor sich hin lachte und sich freute, kam ihm mit einem Mal der Gedanke an des Wolfsteiners Frau. Was sollte aus dem wundervollen Geschöpf werden? Sollte ihr liebreizender Leib auch in die feuchten Verliese geworfen werden? Nein, sie hatte ja nichts verschuldet. Sie hatte doch ohne Unterlaß nur Gutes getan, wie ihr Gemahl Verrücktes. Der Grillenberger Wolf hörte in Gedanken ihre liebreizende Stimme, sah ihr engelsgleiches Haar und ihre gütigen Augen. Dieser Heilige durfte kein Leid geschehen. Allein ihretwegen mussten die Wolfsteiner gewarnt werden. Wie eine Wildkatze schlich sich Wolf von dannen. Da der Weg vor ihm durch den feindlichen Haufen versperrt war, musste er auf geheimen Wegen hinaufkommen, um die Burgleute zu wecken. Schnell kämpfte er sich den steilen Hang über Geröll hinauf zum Felsen. Von seiner Kindheit her kannte er hier jeden Felsen und den Steig und er wusste eine Stelle, die leicht zu erklimmen war. Der war dort, wo der zerklüftete moosumsponnene Fels am drohendsten in die Höhe ragte und die Mauer darauf um so niedriger war. Da kletterte er empor, hastig wie ein Verfolgter und stand in kürzester Zeit unter dem erleuchteten Fenster. Er warf Steine empor und erst beim dritten Male öffnete sich das Fenster und die Burgherrin selbst rief erschrocken herab „Wer ist da? Was soll das bedeuten?“ „Weckt schnell euren Mann und eure Knechte auf,“ erwiderte der Grillenberger, „der Heinrichsbürger zieht gegen Euch. Er muss jeden Augenblick an der Brücke sein. Beeilt euch, macht schnell, bevor es zu spät ist.“ Wenige Augenblicke später erschollen forsche Befehle durch den Hof, Waffen klirrten und ein Horn rief gewaltige Notsignale in die Nacht hinaus. Als erster rannte der Tolle Hans an das Burgtor, bewaffnet mit Schwert und Sturmlanze. Er fand es weit geöffnet und die Brücke war niedergelassen und zwei schwarze Gestalten flohen gerade darüber hinweg, die Verräter, die den Torwart überfallen und gefesselt hatten. Eilig wand Hans die Brücke empor, gerade noch rechtzeitig, denn auf der anderen Seite stürmten bereits die Heinrichsbürger in wildem Ritt heran. Ein Grauen überfiel ihn, in so großer Gefahr wie in dieser Nacht, hatte er sich nie befunden.

Am nächsten Tage ritten der Tolle Hans mit seine Gemahlin hinter sich auf dem Pferd zur Hütte des Grillenberger Wolf. Auf dem Wege brummte er in seinen Bart „Wäre der Grillenberger Wolf ein Feigling, dann hätte ich kein geschwollenes Gesicht, aber ich würde im Kerker der Heinrichsbürg meinen Tod erwarten. Wäre er kein Teufelskerl, dann hätte er meine Burg nicht in finsterer Nacht erklettert und mich gewarnt. Wäre er ein Schuft, dann hätte er geholfen meinen Besitz zu plündern.“ Die Wolfsteiner klopften und traten in die Stube. Die holde Frau reichte ihrem Retter dankbar die Hand. Der Tolle Hans aber sah ihn mit einem aufrechten Blick der Verlegenheit und Bewunderung in die Augen. Auch er gab dem Grillenberger Wolf, die Hand und sprach „Grillenberger ihr sollt mein Vogt sein! Es soll Euch mit Weib und Kind gut ergehen, denn wir wollen allzeit einen so treuen Freund an Euch haben, wie in dieser Nacht! Vergesst die alte Zeit, und reicht auch ihr mir eure Hand.“

Von dieser Nacht an war Hans vom Wolfstein von seinen tollen Einfällen geheilt.

 

   
Familiensage vom Schatz  

Einstmals hatte ein Bauer aus einem kleinen Ort in der Nähe von Neumarkt einen merkwürdigen Traum. Er träumte, dass er sich zu einer bestimmten Zeit im Wirtshaus Drei-Mohren einfinden sollte. Dort würde er einen Mann treffen und mit diesem solle er um Mitternacht auf die Burgruine Wolfstein sein, wo er einen vergrabenen Schatz finden würde. Doch der Bauer nahm diesen Traum nicht für wahr und auch seine Frau lachte ihn aus, als er ihr von seinem Traum erzählte. Merkwürdigerweise jedoch wiederholte sich der Traum dreimal und der Bauer wurde neugierig. Schließlich machte er sich doch in den Abendstunden zu besagtem Wirtshaus auf. Er setzte sich an einen Tisch und kam auch bald mit seinem Tischnachbarn ins Gespräch. Zu seinem Erstaunen erzählte ihm dieser Mann, dass auch er dreimal denselben Traum gehabt hätte, und sie berieten sich, was sie wohl tun sollten. Schnell kamen sie überein, das nächtliche Unternehmen zu wagen und den Schatz zu heben, der ihnen doch soviel Glück bringen könnte.

Klock zwölf standen die beiden verängstigt vor dem verfallenen Haupttor der Ruine Wolfstein. Der Mond schien gespenstisch auf die Ruine. Sie flüsterten einander Mut zu und zündeten die mit gebrachten, geweihten Lichtlein an und schritten Seite an Seite auf den Hof zu. In den Bäumen schrieen die Käuzchen und Schatten huschten über ihre Köpfe hinweg. Die Mauern lagen fahl und grau im Mondlicht, der Wind spielte in den Blättern und ab und zu knackte ein morscher Ast unter ihren Füßen. Sie wussten nicht was zu tun war und so beratschlagten sie, ob sie weiter gehen oder diesen gespenstischen Ort wieder verlassen sollten. Noch während sie bange im Hof standen, erschien plötzlich eine weiße Frauengestalt. Die Männer erschraken heftig und waren im Augenblick nicht fähig, sich zu bewegen. Die Frauengestalt kam weinend auf sie zu und klagte bitterlich, dass sie verwünscht sei und schon seit Hunderten Jahren Nacht für Nacht durch die Gemäuer der Ruine wandern müsse. Sie bat die zwei Männer inständig, sie mögen sie doch erlösen.

Die weiße Frau ging voran und führte die beiden erschrockenen Männer durch die Ruine, bis sich plötzlich ein dunkler Gang auftat, den sie entlang gingen, bis sie am Ende eine große eiserne Tür sehen konnten, die sich bei ihrem Nähern langsam auftat. Die Männer betraten einen weiten, schwarz behängten Saal, der von Fackeln schwach beleuchtet war. Im Hintergrund saßen auf hohen Stühlen Greise mit langen weißen Bärten und von den Wänden grinsten Totenschädel. In der Mitte des Saales aber stand eine eiserne Truhe und darauf lag eine große Schlange mit rot glühenden Augen. In ihrem Maul hielt sie einen goldenen Schlüssel. „Die Truhe ist voll Gold und Silber,“ hauchte die schöne Blasse, „all eure Träume können wahr werden. Geht hin, holt euch den Schlüssel und ihr könnt sie öffnen. Vollbringt es, so seid ihr reich - und ich bin endlich erlöst.“ Zögerlich schritten die beiden Männer auf die Truhe zu, doch die Schlange fauchte grauenvoll und starrte sie mit ihren feurigen Augen an. Die beiden hielten an und blickten wie gebannt auf die Schlange und hatten nicht den Mut, ihr den Schlüssel aus dem Rachen zu reißen. Und während sie so untätig dastanden, schwoll die Schlange zu einem Lindwurm an, biss wild um sich und spie Glut und Feuer. Bei diesem Anblick verließ beide Männer der Mut, der erste rannte Hals über Kopf hinaus, denn er wollte nun lieber doch keinen Anteil an all dem Reichtum haben. Und während der Erste schnell aus dem Saal flüchtete, hatte sich auch sein Begleiter umgedreht und folgte ihm so schnell er konnte. Donnernd fiel die schwere Tür hinter ihnen ins Schloss. Die Männer rannten wie noch nie in ihrem Leben den Berg hinunter nach Neumarkt. Von weitem vernahmen sie noch das Weinen und Schluchzen des verwunschenen Burgfräuleins.

Die Truhe aber enthielt die Schätze, die die Raubritter vor langer Zeit den Leuten geraubt hatten. Der letzte der Banditen übergab sie kurz vor seinem Tode seiner Tochter mit dem Auftrag, die Schätze den Nachfahren der rechtmäßigen Besitzer zurück zu geben. Sie konnte sich aber von all dem Reichtum nicht trennen und als sie gestorben war, musste sie nun ruhelos in den verfallenen Gemäuern der Ruine Wolfstein umher wandern. Die beiden Männer jedoch waren die Nachfahren der rechtmäßigen Besitzer der Schätze gewesen.

Bis zum heutigen Tage hat niemand mehr die Kellertüre gefunden. Aber in stürmischen Nächten bei Vollmond kann man heute noch das verzweifelte Wimmern und Wehklagen des Burgfräuleins hören, das immer noch die Nachfahren der rechtmäßigen Besitzer der Schätze sucht und dazu überreden will, die Schätze an sich zu nehmen und sie dadurch zu erlösen.

 

   
Familiensage vom unterirdischen Gang  

Einstmals waren die Wolfsteiner ein reiches Rittergeschlecht und sie hatten ob ihres Reichtums Feinde, die ihnen den Wohlstand und ihr Glück nicht gönnten. Nahe von Neumarkt auf einem Bergvorsprung liegt auf dem Wolfstein ihre Einstmals feste und mächtige Burg. Um nun im Falle eines unglücklichen Ausgangs eines Krieges aus der Burg herauszukommen, ließen die Ritter von Wolfenstein einen unterirdischen Gang bauen, der hinunter führte zur Stadt Neumarkt. Beim Schlossweiher vor den Toren der Stadt wollten sich die Wolfsteiner so in Sicherheit bringen.

Andere Leute erzählten, dass der unterirdische Gang bis in die Keller des Neumarkter Pfalzgrafenschlosses geführt hätte. Als im Landshuter Erbfolgekrieg die Nürnberger die Stadt Neumarkt belagerten, haben die Neumarkter vom Wolfstein aus ins Nürnberger Lager mit ihren Feldschlangen herunter geschossen. Durch den unterirdischen Gang sind die Neumarkter hinauf auf den Wolfstein und haben die Schützen dort oben mit Pulver und Essen versorgt.

Heute ist der Gang vergessen. Es soll aber im Winter kein Schnee über dem Gang liegen bleiben.

 

   
Familiensage vom Feuer speienden Pudel  

Einstmals soll vom Pfalzgrafenschloss in Neumarkt ein unterirdischer Gang zur Burgruine Wolfstein geführt und dort in den Burgkeller gemündet sein. In diesem Keller aber wacht ein schwarzer, furchterregender Pudel auf einer eisernen Kiste und neben ihm liegt eine mächtige Eisenstange. Die Kiste aber ist voller Kostbarkeiten aus Gold und Edelsteinen. Wenn sich jemand in die Nähe des Pudels wagen sollte, speit er Feuer. Der Schlüssel zu dieser Eisenkiste liegt tief im Schlossweiher zu Neumarkt verborgen. Wer ihn findet, dem wird es ein Leichtes sein, mit der Eisenstange den Pudel zu verscheuchen und den Schatz zu bergen.

Der Eingang zu diesem verborgenen unterirdischen Gang liegt im Schlossgraben, gleich links vom Klostertor. In diesem Gang sollen auch noch viele kostbare Kirchengeräte vergraben sein, die man aus Furcht vor den Schweden dort verscharrt hatte. Hier kann man noch heute ein vermauertes Tor hinter den Haselnussstauden finden und in dunklen mondverhangenen Nächten bewegt sich in den Haselnusssträuchern eine dunkle Gestalt, die die versteckte Türe geöffnet hält und auf einen Glücksritter wartet. Im Schlosse selbst hört man zu den heiligen Zeiten sonderbare Geräusche und in einem der vielen Kellergewölbe, die unter dem Gebäude sind. Wenn man am Thomastage dort hinunter geht, dann wird das Licht ausgeblasen, denn dort sitzt der Feuer speiende Pudel und wartet.

 

   
Familiensage von der Teufelsmauer  

Einstmals, als die Neumarkter noch sicher hinter ihrer Stadtmauer lebten, lebte auf dem Wolfstein ein Graf, der es mit dem Teufel hatte. Der Graf wollte ein schönes, ausschweifendes Leben führen und ging aus diesem Grunde mit dem Teufel einen Bund ein, damit der Höllenfürst das Schwert des Grafen verhexte. Es solle ihm nie an etwas fehlen, solange das Schwert in seiner Reichweite war. Zum Lohne dafür musste der Graf dem Teufel sein erstgeborenes Kind versprechen. Da der Graf schon ein älterer Mann war und seine Ehe bisher kinderlos geblieben war, ging er ohne Bedenken auf den Vorschlag des Teufels ein.

Der Graf führte von nun an ein wildes, ausschweifendes Leben, feierte Feste, dachte aber dabei auch an die Armen und Kranken. Als ihm dann nach langen Ehejahren doch ein Söhnchen geboren wurde, ward die Freude des Grafen über seinen Erben sehr groß. Am Tag der Taufe rüstete er zu Ehren seines geliebten Sohnes zu einem großen Fest, als in den Morgenstunden plötzlich der Teufel vor ihm stand und den Grafen an sein Versprechen erinnerte. Der Graf war nicht wenig erschrocken, als er sein Versprechen einlösen sollte und er bat sich noch einen Tag aus, um sich von seinem Sohn zu verabschieden. Voller Gram berichtete er seinem Weibe von seinem Versprechen und beide suchten gemeinsam nach einem Ausweg. Schließlich ließen sie einen Geistlichen aus Neumarkt herauf kommen, der ihnen helfen sollte den bösen Antichrist zu vertreiben. Der Pfarrer hörte sich die Geschichte an und nach langem Nachdenken befahl er dem Grafen, er solle auf die höchste Stelle seiner Burg steigen und sein Schwert so weit werfen, wie er vermochte. Der Graf tat wie gesagt, kletterte auf die höchste Zinne und schleuderte sein Schwert mit aller Macht hinaus, so dass es gar eine halbe Stunde weit flog. So weit hatte der Teufel nun keine Macht mehr. Später ließ der Graf dann noch rings um sein Schloss eine hohe Mauer errichten, deren Reste man heute noch die Teufelsmauer nennt.

 

   
Familiensage vom Brunnenhäusl  

Einstmals lebte auf der Burg Wolfstein der Ritter Kunibert mit seinem Sohn Rupert. Nicht weit von der Burg führte die Straße von Nürnberg nach Neumarkt vorbei und auf ihr kamen viele Kaufleute, um ihre Waren auf dem Markt zu verkaufen. Jedoch der Rittersohn Rupert war ein arger Tunichtgut. Mit einigen Knappen überfiel er öfter die Nürnberger Kaufleute auf dem Markt und raubte ihre Waren.

Damals wuchsen die Bäume des Waldes bis an die Stadt Neumarkt heran. Es gab auch viele Himbeeren, Brombeeren und Pilze im Walde. Deshalb gingen auch die Frauen und Mädchen aus Neumarkt sooft es ging in den nahen Wald, um Waldbeeren und Pilze zu suchen. Auch die Beerensucherinnen im Walde ließ der junge Ritter Rupert nicht in Ruhe.

Nun lebte auf der Burg auch ein guter und frommer Mann, der als Torwächter in Diensten war. Er hieß Bruno und seine Frau hieß Adelheid. Bruno berichtete dem Ritter Kunibert immer wieder von den Schandtaten seines Sohnes Rupert, sodass der Ritter deshalb ganz betrübt wurde. Er ließ die Stadtherren von Neumarkt zu sich kommen und sagte ihnen, sie sollten eine Mauer um die Stadt bauen lassen, damit sie vor Überfällen gesichert seien.

Nachdem das Werk vollendet war, beschloss Rupert die Nürnberger Kaufleute im Wald zu überfallen und ritt mit seinen Knappen los. Der Torwächter Bruno berichtete dies eilig seinem Herren und dieser eilte mit seinen Getreuen hinterher. Jedoch der schnelle Ritt durch den steilen Wald und durch die Beerensträucher hinunter, ließ sein Pferd so unglücklich fallen, dass sich der Ritter Kunibert zu Tode stürzte. Nun war Rupert der Herr der Burg und trieb es noch viel ärger als vorher.

Das aber betrübte den Türwächter Bruno sehr und er wollte diese Schande nicht mehr mit ansehen. Er machte sich mit seiner Frau Adelheid auf den Weg zur guten Fee, die tief im Walde auf dem Fuchsberg wohnte. Als die braven Leute auf dem Fuchsberg ankamen, stand plötzlich die Fee vor ihnen und fragte „Was habt ihr lieben Leute auf dem Herzen?“ Der Torwächter erzählte der Fee alles, was sich zugetragen hatte. Die gute Fee führte nun Bruno und Adelheid auf einen freien Platze, genau dort wo heute die Straße nach Höhenberg führt. Hier stand ein nettes Häuschen und sie sagte zu beiden „Dieses Häuschen soll euch gehören. Weil ihr beide immer so gut gewesen seid, sollt ihr hier wohnen.“ Zu Adelheid gewandt, sprach sie „Damit du nicht so weit nach Wasser gehen musst, soll hier ein Brunnen mit gutem klarem Wasser hervorsprudeln.“ Und augenblicklich sprudelte helles Quellwasser hervor.

Auf einmal hörte man ein gewaltiges Donnern und fürchterliches Krachen, die Fee war verschwunden und Felsbrocken flogen durch die Luft. als sich der Staub gelegt hatte, konnte man sehen, dass Burg Wolfstein zertrümmert war. Das war die Strafe für den unseligen Raubritter Rupert. Aber das Häuschen von Bruno und Adelheid steht heute noch. Es bekam von den Leuten den Namen „Brunnenhäusl“.

 

   
Familienlegende von Jakobus im Schnee  

Einstmals war in einer Burgkapelle einst ein Standbild des heiligen Jakobus aufgestellt. Im Wolfsteingraben in einem schmalen Tal, das sich von Aggsbach in den Dunkelsteinerwald hineinzieht lag die Burg Wolfstein mit der Burgkapelle. St. Jakob ist ein Heiliger, der die besondere Verehrung der Landleute genießt, gilt er doch als Wettermacher, dessen mächtiger Fürsprache im Himmel ein gut Teil des schönen Wetters zu danken ist, das der Landmann so notwendig braucht. Daher taten auch die Wolfsteiner alles ihrem Heiligen zu Ehren, und dieser erwies sich seinen Verehrern als sehr gnädig. Die Wolfsteiner hatten immer besseres Wetter als die Bewohner der umliegenden Gegend. Mit scheelen Augen sahen diese auf ihre glücklichen Nachbarn und beneideten sie um ihren Schutzheiligen. Besonders die Gansbacher waren mit ihrem Wetter gar nicht zufrieden und machten oft Walfahrten zu dem wundertätigen Heiligen nach Wolfstein, um günstigeres Wetter zu erflehen. Aber Jakobus erhörte sie nicht, all ihr Bitten blieb vergebens, darob ergrimmten die Gansbacher. Einige von ihnen gingen eines Tages nach Wolfstein hinüber, schlichen bei Nacht in die Burgkapelle und stahlen den Heiligen. Als die Wolfsteiner des Morgens aufwachten und die Kapelle betraten, war Jakobus verschwunden. Sie vermuteten zwar, dass diese Schandtat nur ihre Nachbarn aus Gansbach verübt haben könnten, aber trotz allen Suchens konnten sie den Heiligen dort nirgends entdecken. Die Diebe hatten ihn nämlich in ihrer Kirche an einem recht versteckten Platz aufgestellt, wo er nicht leicht zu finden war. Dem heiligen Jakob aber gefiel es in der geräumigen Kirche von Gansbach gar nicht; es war ihm dort zu groß, zu unheimlich und zu kalt. Er sehnte sich nach seinem traulichen Plätzchen in der kleinen Kapelle zu Wolfstein zurück. Daher verließ er in einer finsteren, stürmischen Winternacht, als der Schnee die ganze Landschaft einhüllte, sein neues Heim, um nach Wolfstein zurückzukehren. Im Siedlgraben traf er auf einen alten Bauern, der in dem wuchtig daherschreitenden nächtlichen Wanderer gleich den vermissten Schutzheiligen erkannte. „Jesus, der heilige Jakobus!“ rief verwundert der Bauer. „Sag mir einmal, wo steigst denn du herum bei dem gräulichen Wetter?“ Der Heilige aber erwiderte: „Heim geh' ich halt... Was sollte ich denn sonst draußen tun? In Gansbach gefällt's mir schon gar nicht mehr.“ Der Bauer war vor Freude außer sich, dass der Heilige wieder nach Wolfstein komme und dankte ihm recht herzlich. Als er dann am nächsten Morgen die Burgkapelle aufsuchte, sah er, dass St. Jakob wirklich wieder auf seinem Platz stand. Man merkte es auch gleich am Wetter, das von da ab nun wieder ganz nach dem Wunsch der Wolfsteiner geriet, die sofort nach der Rückkehr ihres Heiligen ein großes Freuden- und Dankfest veranstaltet hatten. Die Gansbacher aber wagten es nicht mehr, den Heiligen zu stehlen, sondern gingen zu Jakobus wallfahrten, wenn sie gutes Wetter brauchten. Da dieses Wunder der Rückkehr in einer Schneenacht geschah, wird seitdem das Bild „Jakobus im Schnee“ genannt.

 

   
Familiensage vom Ritter Wolf  

Einstmals war Wolf Ritter von Hardheim ein ehrgeiziger, kämpferischer Dorfadliger in Hardheim, ein standesbewussten Erbauer des Schlosses, aber der „Hordemer Wölf“ war ein streitbarer Mann.

1197 die Herren von Hardheim traten erstmals urkundlich im Raum Würzburg auf. Nach dem Niedergang des Herrschergeschlechtes der Herren von Dürn versuchten sie die vollständige Nachfolge anzutreten, was ihnen anfangs in langjährigem Konkurrenzkampf mit den Herrschaftsnachbarn gelang. Dabei stellten sich die Grafen von Wertheim über einige Jahrhunderte als die eigentlichen Sieger im Kampf um den Besitz heraus, Würzburg und Wertheim versuchten immer wieder ihre Besitzrechte zu Lasten des kleineren Ortsadels auszuweiten. Teilweise gelang es dem Hordemer Wölf die Zwistigkeiten mit Würzburg vertraglich zu lösen, während die Spannungen mit den Grafen von Wertheim öfters in gewaltsamen Auseinandersetzungen mündeten. Als z.B. der Wertheimer Amtmann dem Hordemer Wölf seine Aufwartung machen wollte, traf ihn eine tödliche Kugel.

Das Ziel, seinen Machtbereich zu erweitern, verlor der Hordemer Wölf nie aus den Augen. So nutzte er die finanzielle Malaise des Hochstiftes Würzburg geschickt aus, als er sich 1553 für 8000 Gulden die Nutznießung. der würzburgerischen Einkünfte Hardheim, Bretzingen, Waldstetten, Höpfingen und Dornberg für zehn Jahre erkaufte. Im Jahre 1566 verpfändete Graf Wertheimer dem Hordemer Wölf für 10.000 Gulden sein „Hardheimer Drittel“, so dass er nun Herr über zwei Drittel der Hardheimer Gemeinde war.

Aber gleichzeitig war der Hordemer Wölf ein frommer und gelehrsamen Reformator und ein engagierten Repräsentant des Protestantismus in den Gemeinden Hardheim und Höpfingen. Berichte sprechen davon, dass schon Hans von Hardheim, der Vater des Hordemer Wölf, der evangelischen Konfession anhing. Die evangelische Bekenntnistreue und die theologische Gelehrsamkeit des Hordemer Wölf war weithin anerkannt, was er durch den persönliche Besitz der sieben von insgesamt zwölf Wittenberger Bände der Luther-Ausgabe bewies.

1552 der Hordemer Wölf renovierte die, in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts von seinen Vorfahren erbaute, Spitalkapelle und er brachte den in der katholischen Kirche von seinen Vorfahren gestifteten Sebastiansaltar in die evangelische Spitalkirche und bestellte Sebastian Schönbrod als ersten evangelischen Pfarrer der Gegend.

1573 der Hordemer Wölf starb am 2. Februar. Seine Gattin Margaretha, die Tochter des Hans Wolf von Berlichingen, dem Bruder des „Götz von Berlichingen“, folgte ihm 10 Tage später nach. Die Herrschaft übernahm der älteste Sohn Wolf Eberhard, der bereits ein Jahr später starb. Der Zweitgeborene starb am 26. Februar 1578, beide Brüder hatten keine Nachkommen. Das Haus Hardheim ruhte nun auf Georg Wolf von Hardheim, geboren 1563 zu Domeneck. Auch seinen drei Ehen entsprossen keine Nachkommen. Er hinterließ lediglich einen unehelichen Sohn, den Philipp Jakob Hartheimer.

Georg Wolf von Hardheim hatte den schwierigen Charakter mit dem gewissem Hang zu Gewalttätigkeit des Hordemer Wölf geerbt, was folgende von ihm begangene Bluttat belegt:

1602 Friedrich Zollner von Brand, Page des Ritters, weckte am frühen Morgen des 23. Juni zu Domeneck nach durchzechter Nacht seinen Herrn. Er hatte die Singvögel im Vorzimmer zu füttern, als er zu Georg Wolf auf das Geheiß dessen Gattin durch ein Fenster in den verschlossenen Raum stieg. Ritter Georg Wolf fühlte sich bedroht, verfolgte den Pagen durch mehrere Räume und stach ihn nieder. Georg Wolf musste Domeneck räumen und seinen Dauerwohnsitz in Hardheim nehmen, wo er am 28. Juli 1607 starb, als er nur noch über ein Drittel der Hardheimer Bevölkerung gebot.

Es hätte sicher einer kraftvolleren Persönlichkeit als des doch psychisch labilen Georg Wolf von Hardheim bedurft, um das erfolgreiche und ruhmreiche Erbe seines Vaters weiter zu führen Schließlich konnte sich Würzburg dank seiner physischen Stärke auch gegenüber den Grafen von Wertheim behaupten und durchsetzen. Der Niedergang des Hardheimer Adelsgeschlechtes bedeutet zugleich auch den Untergang der evangelischen Gemeinde im Jahre 1607.