Mythen in der Form Legenden und Sagen sind, wie die Märchen, ein Phänomen, das praktisch für alle Kulturen nachgewiesen werden kann. Legenden und Sagen dürfen nicht als reine Erfindungen abgetan werden, denn diese Geschichten haben meist einen mehr oder weniger großen historischen Hintergrund, auch wenn dieser durch die Forschung nicht immer abgesichert werden kann. Es handelt sich bei den Episoden nicht um Schwindel, sondern eine Verquickung von Tatsachen und Erfindungen, die in gutem Glauben zu einer Geschichte geformt werden.

Legenden sind von großer Bedeutung für gläubige Menschen, die im Mittelalter sicherlich wesentlich größer war als heute. Diese Legenden, die manchmal ebenso poetisch sind wie die epischen Dichtungen, tragen wie Sagen fast immer ein Körnchen historische Realität in sich und haben sie bis zum heutigen Tag vor dem Vergessen gerettet.

Einstmals erzählte man sich die Sagen der Landschaften zum Vergnügen, zur Belehrung und zur Erbauung, von den Orten, Bergen, Flüssen und Seen wo einstmals die Vorfahren gelebt hatten.

Diese Überlieferungen sind mündlich bis zum heutigen Tag weitergegeben und hier in einheitlicher, typografischer Form nach Landschaften zusammengefasst.

 

   
   
   

Der Begriff der Sage wird im Grimmschen Wörterbuch (XIV, 1893) bestimmt als „Kunde von Ereignissen der Vergangenheit, welche einer historischen Beglaubigung entbehrt“ und „naiver Geschichtserzählung und Überlieferung, die bei ihrer Wanderung von Geschlecht zu Geschlecht durch das dichterische Vermögen des Volksgemüthes umgestaltet wurde“. Heute drückt der Terminus Sage vor allem Überlieferung, Tradition, Fiktion und Mythos aus in neuester Zeit nur mehr Fiktion und Mythos. Hier geht es aber um historische Sagen in Form von Familienüberlieferungen als Geschlechtersagen oder Familienlegenden. Der Nachruhm ist wichtiger Teil der adeligen Erinnerungskultur im deutschen Spätmittelalter und der frühen Neuzeit und er dominiert wohl die Themen der Familiensagen der Seeau und ihrer Verwandten.