Mozart-Förderer   Sigismund III. Fürsterzbischof von Salzburg    
1763-1771  

Der wichtigste Förderer von Mozart in seiner Kindheit und Jugend ist der Fürsterzbischof Sigismund III. von Salzburg, Graf von Schrattenbach.

   
         
Vorgeschichte  

1753 Sigismund Christoph Graf von Schrattenbach wird am 5. April vom Domkapitel zum Fürsterzbischof Sigismund III. von Salzburg gewählt. Er bleibt der Nachwelt vor allem als Förderer der Familie Mozart in Erinnerung. In seinem Gefolge soll Leopold Mozart, der Vater von Wolfgang Amadeus, aus Augsburg nach Salzburg gekommen sein.

Fürsterzbischof Sigismund III. ist ein "frommer Behüter des Glaubens" und für ihn stellt die weltliche Regierung keinen zentralen Punkt seines Lebens dar. Der Nachkomme einer alten steirischen Adelsfamilie sieht sich selbst gerne als gütiger Landesvater, großzügiger Gastgeber und Mäzen der Künste, der Musik und des Theaters und verkörpert somit den Geist des Rokoko. Beschrieben wird er als "kleinlich, spielerisch, liebenswürdig und mit lockerer Hand in der Wirtschaft" oder als Mensch "cholerischen Temperaments und jähzornig" sowie mit "verschiedenen kindischen Schrullen", jedoch "hat [er] übrigens Humor", das führte zum Volksspruch:
D' Kinder, d' Narren und d' Hund
Liebt unser Sigismund.

1753 Ferdinand Friedrich Graf von Seeau, ein Verwandter des Fürsterzbischofs Sigismund III., übersiedelt aus dem Salzkammergut, in dem er durch seine Hinnahme der bayerischen Besetzung Amt und Ehre verloren hatte, nach Salzburg. Dort wird Ferdinand Friedrich zum "hochfürstlichen geheimen Rat" und "Hofmarschall" ernannt.

   
         
Mozart und Sigismund III.  

1756 Johannes Chrysostomus Wolfgangus Gottlieb Mozart wird am 27. Jänner in Salzburg als Sohn des Leopold Mozart und seiner Frau Anna Maria Pertl geboren. Man nenn ihn meist "das Wolfgangerl" und seine Mutter Anna Maria sagt einfach nur "Wolferl" zu ihm. Der Kirchenfürst Sigismund Graf von Schrattenbach ist dem "kleine[n] Mozartl" sehr zugetan, wie er das Wolfgangerl in seinen Aufzeichnungen nennt. Mozart selbst unterschreibt seine Briefe ab 1777 mit "Wolfgang Amadé Mozart".

Wolfgangerls außerordentliche musikalische Frühbegabung wird vom Vater  unnachgiebig ausgebildet und kommerziell genutzt. Er tritt zusammen mit seiner Schwester Nannerl und begleitet von den Eltern in in vielen Städten als pianistisches Wunderkind auf.

1762 Leopold Mozart schreibt in einem Brief von der ersten Reise des Wolfgangerls nach Wien: "Der Wolferl ist der Kayserin auf die Schooß gesprungen, sie um den Halß bekommen und rechtschaffen abgeküsst." Für den Vater ist diese Reise ein Pilotprojekt, bei dem er die Wirkung der Kinder bei öffentlichen Auftritten der später durchgeführten großen Europatourneen testet.

1762 die erste Musiktournee führt am 12. Jänner den kleinen Mozartl zusammen mit seinem Schwesterchen Nannerl nach München, wo die beiden vor dem Kurfürsten Maximilian III. Joseph von Bayern musizieren.

1763 das Wolfgangerl tritt als 7-Jähriger am 28. Februar erstmals in Salzburg öffentlich als Musiker beim Geburtstag des Fürsterzbischofs Sigismund III. auf. Am gleichen Tag ernennt Sigismund Christoph Graf von Schrattenbach Leopold Mozart zum Vizekapellmeister.

1765 der kleine Mozartl ist 10 Jahre alt und komponiert die Arie mit Rezitativ "Or che il dover ... Tali e cotanti sono" KV. 36, eine Huldigungsarie, bestimmt für den Jahrestag der Einsegnung des Salzburger Erzbischofs Sigismund von Schrattenbach. Ein Zeitzeuge notiert über das Opus: "... welche Musique darüber der junge Mozard Wolfgang, Sohn des hiesigen Vicekapellmeisters und bewunderungswürdiger Knab von 10 Jahren in dem Instrument ein vollkommener Meister ... zu jedermanns Bewunderung componiert hat."

1766 das Wolfgangerl ist 11 Jahre alt und kommt im November nach dreieinhalb Jahren von einer Reise zurück, die ihn mehrfach nach England, Holland, Frankreich, Schweiz und Deutschland geführt hatte. Der Fürsterzbischof Graf von Schrattenbach ist der Familie Mozart wohl gesonnen, aber er hat den Vater des Knaben als Komponisten der Musikstücke des Buben in Verdacht, sodass er deshalb zur Probe den klein Mozartl zum Komponieren in eine Kammer schließen lässt und so den Beweis seiner Selbständigkeit erbringen kann. Damit gibt der Erzbischof Schrattenbach dem Elfjährigen den ersten bezahlten Kompositionsauftrag. Eingeschlossen schreibt Wolfgang das Oratorium "Die Schuldigkeit des ersten Gebots", damit man sehen kann, dass ihm niemand hilft. Der "kleine Mozartl" fühlt sich ganz als großer Komponist und muss immer wieder mit Mühe dazu gebracht werden, auch etwas anderes zu lernen.

1767 am Karfreitag wird eine Passionskantate Mozarts aufgeführt, die auf Anordnung des Erzbischofs Sigismund III. innerhalb einer Woche in Klausur entstanden ist.

1768 Ferdinand Friedrich Graf Seeau von Mühlleuten, Vetter und Hofmarschall des Fürsterzbischofs stirbt im Juni.

1769 Mozarts Oper "La Finta Semplice" wird in der Salzburger Residenz erstaufgeführt. Erzbischof Siegmund III. ernennt den 13-jährigen  Wolfgang im November zum unbesoldeten 3. Konzertmeister der Hofkapelle und gibt dem Vater Leopold für die bevorstehende Italien-Reise 120 Dukaten. Leopold reist mit seinem Sohn im Dezember über Lofer, Wörgl Schwaz und Innsbruck über Sterzing, Brixen, Bozen, Neumarkt nach Trient, im Dezember kommen sie in Verona an.

Immer wieder geht Wolfgangerl auf eine große Reisen - mit Vater, Mutter und Schwester Nannerl. Der Fürsterzbischof Sigismund III. fördert diese Reisen mit Urlaub und Geldmittel. In Wien, Paris und London spielt Wolfgang vor Kaisern und Königen, auch der Papst empfängt die "Wunderkinder" in Rom und verleiht Wolfgang den höchsten Orden der Kirche, den Orden vom Goldenen Sporn.

Mozart macht sich 1770 darüber lustig, dass sich der Herr von Aman aus Triebenbach den Namen Schrattenbach durch die Wörter "Schrattenbeutel" und "ischmach" vorstellt.

Das Reisen in den Postkutschen ist kostspielig und unglaublich anstrengend und schwierig. Die Sitze in den Kutschen sind nicht gepolstert und die Wege so holprig, dass die Reisenden tüchtig durchgerüttelt werden. In Amsterdam erkranken die Mozartkinder lebensgefährlich und erst nach wochenlanger Unterbrechung können sie ihre Reise fortsetzen. Insgesamt ist Mozart bis zu seinem 22 Lebensjahr durch den Ehrgeiz seines Vaters über 10 Jahre auf Reisen. Er lernt dabei die alle Musikrichtungen der damaligen Zeit kennen. Sein musikalisches Gedächtnis ist so ausgezeichnet, dass er die meisten Musikstücke nach einmaligem Hören sofort nachspielen kann.

Kurz nach Rückkehr Mozarts von der zweiten Italienreise 1771 nach Salzburg stirbt sein Gönner Fürsterzbischof Sigismund III. von Salzburg am 16. Dezember.

 

 

 

         
   
         
    Der neue Dienstherr der Familie Mozart, Hieronymus Graf Colloredo, ist kein barocker Fürst wie Schrattenbach, sondern ein nüchterner Vertreter der Aufklärung. Erzbischof Colloredo führt das Land Salzburg nochmals zu einer großen Blüte in Wirtschaft und Wissenschaft, bevor er durch die Bayerisch-Napoleonischen Truppen verjagt wird. Doch Mozart fördert er nicht, ganz im Gegenteil - er behandelt ihn wie einen Bediensteten und jagt ihn schließlich aus seinen Diensten.

1772 Mozart erhält als 16-Jähriger vom Fürsterzbischof Hieronymus Colloredo von Salzburg eine besoldete Anstellung. Wolfgangerl hasst seinen neuen Dienstherrn, der ihn wie einen Diener behandelt und er hasst seine Heimatstadt Salzburg, die ihm zu eng und zu klein geworden ist. Schließlich ist er es gewohnt auch von Königen und Fürsten mit Hochachtung behandelt zu werden.

1772 Mozart schreibt zu den Feierlichkeiten von Colloredos Inthronisation im April das allegorische Musikdrama "Il sogno di Scipione" und wird vom neuen Fürsterzbischof zum besoldeten Konzertmeister befördert. In den Augen des Fürsten sind Kapellmeister und Komponisten nichts Besseres als das übrige Gesinde. Sie haben zu tun, was er ihnen aufträgt. Er treibt Mozart zur Arbeit in Salzburg an, für Aufträge außerhalb Salzburgs gewährt Colloredo Vater und Sohn keinen Reiseurlaub.

1778 Mozarts Mutter Anna Maria stirbt im Juli bei einer gemeinsamen Reise in Paris. Bitter für der inzwischen 22-jährigen ist auch, dass ihm ehemalige Pariser Freunde diesmal kaum Unterstützung gewähren. Außerdem verliert Mozart nach einem ersten Zerwürfnis mit dem Salzburger Fürsterzbischof seine Stelle in Salzburg. Zwar konnte der Vater schlichten und eine Wiederanstellung am Salzburger Hof erreichen, doch war der spätere Eklat praktisch vorprogrammiert, da Mozart nicht gewillt war, sich zu unterwerfen. Für Genies sah das Dienstreglement von Salzburg keine Ausnahmen vor.

In demütigenden Szenen nennt der Erzbischof Mozart einen "liederlichen Burschen", "einen Lump" oder "Dumb" sowie einen "Lausbuben".

1780 Mozarts Jugendfreund und der spätere Abt Cajetan Hagenauer tritt als Novize ins Kloster St. Peter in Salzburg ein und Mozart schreibt für ihn die "Missa solemnis" KV 337 als Primizmesse. Das Musikstück wird als "herzlich und persönlich" empfunden. Nur der Abt Beda Seeauer des Klosters St. Peter notierte gereizt in seinem Tagebuch, dass ihm die Messe zu fröhlich und die Gäste zu wenig spendabel gewesen seien. Maria Theresia stirbt im November 1780 .

1781 Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo begibt sich im Januar mit seinem Hofstaat nach Wien, um seinen kranken Vater zu besuchen, bei den politischen Ereignissen um die Thronnachfolge mitzumischen und der Thronbesteigung des neuen Kaisers Joseph II. beizuwohnen. Mozart, der seinen Urlaub in München weit überzogen hat, wird von Colloredo dringend nach Wien befohlen. Mozart trifft im März in Wien ein und logiert im Haus des Deutschen Ordens, wo er unter anderem die Violinsonate G-Dur komponiert. Als Musiker des Salzburger Fürsterzbischofs spielt Mozart vor höchsten gesellschaftlichen Kreisen. Nach seinen guten Eindrücken von der Stadt Wien will Mozart nicht wieder mit dem Fürsterzbischof nach Salzburg zurückkehren. Im Mai kommt es zum endgültigen Bruch mit Colloredo, der im Juni 1781 durch den berühmten Fußtritt des Salzburger Oberstkämmerers Graf Arco besiegelt wird.

Der fünfundzwanzigjährige Mozart beschwert sich in einem Brief an seinen Vater, der Kammerherr des Erzbischofs, Graf Arco, hätte ihn durch einen Fußtritt aus dem fürsterzbischöflichen Gemach geworfen.

Der Vater Leopold Mozart bleibt auf seinem Posten in Salzburg als Vice, in der Hoffnung, bald erster Kapellmeister zu werden. Er wird nie dazu ernannt. Er wird bei der Vakanz des Postens übergangen und stirbt 1787 nach dem Zerwürfnis mit dem Sohn.

   
         
Mozart-Förderer   Josef Anton Graf Seeau von Mühlleuten    
1774-1775 und
1780-1781
 

Einer der großen Förderer Mozart ist Josef Anton Graf Seeau von Mühlleuten. Dazu auch die Bayerischen Kurfürsten Kurfürst Max III. Joseph und Karl Theodor. Durch Anklicken des Portraits sieht man Kurfürst Maximilian III. Joseph und den Graf Seeau.

   
         

La finta giardiniera
Idomeneo

  1745 Josef Anton Graf Seeau von Mühlleuten wird nach seiner Begnadigung aus Festungshaft von der Königin Maria Theresia des Landes verwiesen und wandert mit seiner Frau nach München aus, wo er bayerischer kurfürstlicher Kämmerer in München wird. Zwischen ihm und Kurfürst Max III. Joseph bestehen enge Freundschaftsbande.

Joseph Antons Stammfolge à VI. Thomas (†1584) à VII. Wolf (†1592) à VIII. Thomas II. (†1643) à IX. Johann Philibert (†1694)  à X. Anton Nikolaus (†1743) à XI. Josef Anton (†1799).

Die Nähe und Vertrautheit zwischen den beiden einander ähnelnden Männern ist auf den beiden überlieferten Gemälden deutlich dargestellt. Der Historiker Carl Hernmarck hat dafür eine Erklärung: Er stellt die abenteuerliche Behauptung auf, dass die Ähnlichkeit daher rühre, dass die Männer Halbbrüder seien.

Graf Seeau hat wie jeder Erfolgreiche zahlreiche Neider, die über seine Qualitäten als Intendant für das Musik- und Theaterwesen spotten, er sei der einzige Kavalier bei Hofe, der einen "Steyrischen" auf der Violine spielen könne. Er gilt als österreichischer Flüchtling, der sein ganzes Leben mit einer Reihe von Abenteuern gestaltet, mehrere für ihn unrühmliche Duelle ausficht, als ein Lebemann und Freund von gutem Essen und Trinken. Gesicht und Figur werden in einem Schattenriss herabwürdigend karikiert und man witzelt über seine Art zu sprechen.

   
         
Das Münchner Hoftheater unter Seeau  

1753  Josef Anton Graf Seeau von Mühlleuten wird vom Kurfürst Maximilian III. Joseph zum "Intendanten von dero samentl. Churfürstl.Hof-Music und Spectacln" in der Funktion des Hof-, Kammer- und Theaterdirektors, als Nachfolger von Graf von Salern, ernannt. Die Ernennung erfolgt wegen der "zur gnädigen Zufriedenheit geleisteten anständigen Dienst" und wegen "... seiner sonstigen besitzenden besonderen Eigenschaften“. Seeau bekommt diese Intendanz wegen ihrer besonderen Bedeutung für den Kurfürsten übertragen, deren jährliche Besoldung 1.000 fl. beträgt.

Josef Anton macht sich in München vor allem um die Einführung des deutschen Schau- und Singspiels, des Nationaltheaters, verdient.

Das Münchner Hoftheater unter Josef Anton Graf von Seeau ist ein Staatstheater mit spätbarockem Gepräge. Besonders die aktuelle und tonangebende Aufführungspraxis erzeugen bei der Schöngeisterei des Adels Bewunderung. Die Elemente der traditionellen Machtentfaltung spiegeln sich in der Opera seria, im Ballett und in der klassizistischen Tragödie französischer Prägung wieder. Das Hoftheater beteiligt sich aber auch am Experimentieren mit den neuen geistigen Strömungen: der Vernunft, der Natur und den Gefühlen. Die historisch überlieferten Themen des Hoftheaters nehmen Einfluss auf die Nationaltheaterentwicklung, ebenso die aufklärerischen Tendenzen, die die höfische Bühne gibt. Das Nationaltheater ist nicht nur Opposition zur italienischen Oper und zum französischen Hofschauspiel oder der höfischen Kultur insgesamt, sondern ist eine Theaterreformbewegung, die durch die Verbindung verschiedener Theaterkonzepte geprägt ist. Das repräsentative, machtpolitisch orientierte Theater vor 1778 ist ebenso von Bedeutung wie die moralisierenden Theatervorstellungen des Klerus, die sprachlich und erzieherisch betonten Theaterkonzepte der Gelehrten oder die Traditionen der Volkstheater. Das Hoftheater bestimmt die Entwicklung des Nationaltheaters.

Man ergötzt sich nunmehr auch am Hoftheater von Joseph Anton Graf von Seeau an heroischen oder sentimentalen Tragödien, an frechen und subversiven Komödien und begeistert sich an den Singspielen. Das bunte Gemisch an Stilelementen und die bestechende Kombination aus Schau- und Singspielen sind auf diesem künstlerischen Niveau absolut neu. Durch die Aufführung der französischen Klassiker wie Voltaire, Moliére, Racine und Corneille finden die Hofgesellschaft wie das Bürgertum den Anschluss an die neuesten literarischen und musikalischen Entwicklungen Frankreichs. Dadurch wird den gebildeten Ständen im eigenen Land Adelskritik vorgeführt. Diese Impulse der offenen Kritik schlagen sich nun auch in den hauseigenen Produktionen der italienischen Oper durch Joseph Anton Graf von Seeau nieder.

1758 muss der Kurfürst aus finanziellen Gründen die französische Hoftheatertruppe auflösen, doch gelingt es Graf Seeau Ende der 1760er Jahre, wieder verstärkt französisches Theater durch fahrende Truppen in München zur Aufführung zu bringen.

 
Vergrößerung...

 

Hoftheater

         
1774/1775 La finta giardiniera    
 

1774 Josef Anton Graf Seeau von Mühlleuten beauftragt im Sommer Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) mit der Vertonung der Oper "La finta giardiniera" für den Karneval in München 1775.

   
         

Entstehung der Oper
La finta giardiniera

 

1774 Mozart beginnt im September in seiner Heimatstadt Salzburg mit der Komposition der für München bestimmten Opera buffa "La finta giardiniera".

1774 der junge Mozart reist am 6. Dezember mit Vater und Schwester zur Uraufführung seiner für den Karneval komponierten Oper "La finta giardiniera” nach München. Die in Salzburg begonnene Komposition wird dort fertig gestellt.

Leopold Mozart schreibt nach Hause: "Die Leute, die der Probe beigewohnt haben, sagen, noch nie eine so schöne Musik, bei der alle Arien gelungen sind, gehört zu haben. Überall, wohin wir gehen, weiß man schon davon."

Der ursprüngliche Zeitplan sieht die Aufführung noch vor Weihnachten 1774 vor, doch eine böse Zahnentzündung des Komponisten verhindert das Vorhaben. Auch der 29. Dezember als Ersatztermin für die Uraufführung fällt wiederum aus, da die Sänger mit dem Studium ihrer Rollen nicht fertig werden und der Termin wird nochmals verschoben "damit die Sänger solche besser lernen".

Zudem wird die zweite Verschiebung den Amouren Mozarts zugeschrieben, wie aus einem Brief seines Vaters an die Mutter hervorgeht - mit wem und wie intensiv sich diese Amouren gestalten, ist nicht mehr bekannt.

1775 die Uraufführung der Oper erfolgt am 13. Januar und wird ein ungeheurer Erfolg, der den jungen Meister hoffnungsfroh stimmt. Die Aufführung findet im Münchner Salvatortheater, dem alten Hoftheater, statt und auch der Kurfürst Maximilian III. Joseph wohnt ihr bei.

Darüber schreibt Mozart seiner Mutter am am 14. Januar 1775: "Gottlob! Meine Opera ist gestern als den 13ten in Scena gangen; und so gut ausgefallen, dass ich der Mama den lärmen ohnmöglich beschreiben kann. Erstens war das ganze Theater so gestrozt voll, dass vielle Leüte wieder zurück haben müssen. Nach einer jeden Aria war allzeit ein erschröckliches Getös mit Klatschen, und viva Maestro schreyen. S: Durchlaucht die Churfürstin, und die Verwitwete, - welche mir vis à vis waren - sagten mir auch bravo."

Es kommt aber nur zu zwei weiteren Aufführungen: Am 2. Februar und am 3. März des gleichen Jahres. Die eine ist eine Einlage zu einer Maskenredoute, die andere kann wegen der Erkrankung einer Sängerin nur verkürzt aufgeführt werden.

Doch schon bei der dritten Aufführung bleibt das "erschröckliche Getös mit glatschen und viva Maestro schreyen” aus und das Werk verschwindet danach auf vier Jahre von den Bühnen.

Christian Friedrich Daniel Schubart, Literat und Musiker, schreibt in seiner "Teutschen Chronik", einer Mischung von Zeitung und Zeitschrift, im April 1775: "Auch eine Opera buffa habe ich gehört von dem wunderbaren Genie Mozart. Sie heißt: La finta Giardiniera. Genieflammen zucken hier und dort, aber es ist noch nicht das stille, ruhige Altarfeuer, das in Weihrauchwolken gen Himmel steigt. Wenn Mozart nicht eine im Gewächshaus getriebene Pflanze ist, so muss er einer der größten Komponisten werden, die jemals gelebt haben."

Vergeblich hofft Mozart auf einen Folgeauftrag für den Fasching 1776.

1777 Mozart schreibt im September aus München an den Vater: "... Herr Albert hat seit meiner Ankunft ein Projekt im Kopf, dessen Ausführung mir nicht unmöglich scheinet. Nämlich er wollte zehn gute Freunde zusammenbringen, wo ein jeder monatlich nur einen Dukaten spendieren durfte, das sind das Monat zehn Dukaten fünfzig Gulden, jährlich 600 Gulden. Wenn ich nun hernach von Graf Seeau nur jährlich 200 Gulden hätte, wären es 800 Gulden. - Wie gefällt dem Papa dieser Gedanke? ... Ist er nicht freundschaftlich? ..."

  Joseph Anton Graf von Seeau mit Kurfürst Max III. Joseph 1765
Vergrößerung...
         

Geschichte der Oper
La finta giardiniera

  La finta giardiniera (Gärtnerin aus Liebe) KV 196 gehört zu den Opern Mozarts, die es schwer hatten, den ihnen gebührenden Rang auch in der Rezeption einzunehmen. Im Sommer des Jahres 1774 erhält der achtzehnjährige Mozart vom Grafen Seeau den Auftrag, eine Opera buffa für die Münchner Karnevalsaison 1775 zu vertonen.

Der achtzehnjährige Mozart hatte im Sommer 1774 für den Münchner Karneval die "scrittura" - also den Auftrag - für seine elfte Oper vom Direktor des Münchner Hoftheaters Graf Seeau erhalten. Das Libretto war nicht ganz neu, der Text der Oper stammt wahrscheinlich von Abbate Petrosselini, war bereits für den römischen Karneval 1774 von Pasquale Anfossi (1727-1797) vertont und zu einem europäischen Erfolg geworden.

Der Auftrag des Grafen Seeau ist für Mozart von großer Bedeutung, bringt er ihn doch weg aus dem verhassten Salzburg mit dem neuen Erzbischof Colloredo, mit dem er auf denkbar schlechtem Fuß steht. Der 18-jährige Mozart erhofft sich berufliche Chancen außerhalb seiner Heimatstadt vor allem in nahen München.

Mozarts gibt der reizenden Komödie in der späteren deutschsprachigen Version der "Gärtnerin aus Liebe” jugendlichen Schwung.

1779 gastiert die fahrende Opern- und Schauspieltruppe des Johann Heinrich Böhm in Salzburg. Für sie überarbeitet Mozart seine Oper als deutsches Singspiel. Dabei werden Szenen im zweiten und dritten Akt gestrichen und die Rezitative durch Sprechtexte ersetzt. Aber es kommt zu keiner Aufführung in Salzburg.

1780 kommt es schließlich zur Erstaufführung der deutschen Version im Mai in Augsburg statt. Später wird das Singspiel in Frankfurt/Main durch die Böhmsche Theatergesellschaft aufgeführt, die es dann jahrelang im Spielplan hat. Die Oper firmiert unter verschiedenen Titeln wie "Das verstellte Gärtner-Mädchen”  - die Bezeichnung "Die Gärtnerin aus Liebe" setzt sich aber schließlich durch.

Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts kommt es zu unterschiedlichen, teils abenteuerlichen, Bearbeitungen des Werkes. Die Partitur zum ersten Akt, die Mozart Böhm ausgehändigt hatte, ist verloren gegangen und wird erst in den 1970-er Jahren wieder gefunden. Die erste unbearbeitete Partitur der Finta gibt es wieder seit 1979, in der Folge kommt es zu einer "Wiederentdeckung" des Werkes und zu zahlreichen Aufführungen an vielen Spielorten.

 

La finta giardiniera

         

Handlung der Oper
La finta giardiniera

 

Die Handlung entspricht einem aus den Bausteinen der Verkleidungskomödie zusammengefügtes bürgerlichen "Rührstück", in dem neben Adeligen auch Personen niedrigen Standes auftreten. Ihr Verlauf ist nicht unbedingt logisch, die einzelnen Charaktere sind oberflächlich abgebildet und verhalten sich unschlüssig. Der typische Handlungsstrang ergibt sich aus der Aneinenderreihung von Standard-Situationen, wie sie in der Komödie der damaligen Zeit üblich sind.

Die Zahl der Personen stimmt mit der obligaten Siebenzahl des Personals in der Komödie überein, es handelt sich um drei Liebespaare und einen Buffo: Arminda mit Ramiro (von Mozart mit einem Kastraten besetzt) als das seriöse Liebespaar (parti serie), Sandrina (eigentlich la Marchesa Violante Onesti) mit Contino Belfiore, das wichtigere Liebespaar (parti di mezzo carattere), Serpetta und Nardo (das Buffo-Paar) und als Buffone der Don Anchise (der Podestà von Lago Nero, der von Mozart mit einem Tenor besetzt ist).

Don Anchise lebt zusammen mit seiner Haushälterin Serpetta, seinen Gärtnern Sandrina und Nardo, und mit dem von Liebeskummer geplagten Ramiro. Der Gärtner Nardo ist in die Haushälterin verliebt, die ihrerseits für Don Anchise schwärmt, der sich wiederum nur für die neue Gärtnerin Sandrina interessiert. Arminda die Nichte des Don Anchise soll Belfiore heiraten, doch sie ist ist wegen Ramiro betrübt. Der Bräutigam Belfiore hat die Gräfin Violante - die sich zur Zeit Sandrina nennt und auf der Suche nach Belfiore ist - zur Geliebten. Er hat sie aus Eifersucht niedergestochen und ist nun geflohen, weil er glaubt sie ermordet zu haben. Nach ausgiebigen Liebeswirren finden schließlich die rechten Liebespaare zusammen.

   
         

Musik der Oper
La finta giardiniera

 

Mozart unterstützt die Entwicklung der vom Librettisten schwach entwickelten Charaktere in Richtung Tragödie, wie das sonst in der Opera buffa als Parodie angelegt ist. Mozart ergreift hier eine Chance, sich von der Buffo-Oper abzusetzen und eine Opera seria zu entwickeln.

Die Arien hat Mozart ganz nach dem Geschmack seiner Zeit komponiert und mit entsprechend vielen Textwiederholungen ausgestattet. Viele davon sind gleich zwei Mal vertont - also der gleiche Text verschieden vertont. Die Arie des Don Anchise "Dentro il mio petto io sento" ist als einzige Arie der Oper in getrennten Abschriften überliefert, weil sie auch einzeln aufgeführt wurde. Sie bezieht sich auf Musikinstrumente und den Gemütszustand des Amthauptmannes im Hinblick auf seine Liebe zur vermeintlichen Gärtnerin.

Der musikalische Charakter Sandrina verändert sich je nach Situation, immer bleibt sie jedoch ganz Dame. Im ersten Akt hat sie mit der "Cavatine Gemme la tortorella" eine Paradearie für Soprane. Ganz anders Arminda, die vielmehr beiläufig gewalttätig agiert. Ihre Arie "Vorrei punisti, indegno" ist ein Allegro agitato in g-Moll, in der barocken da-capo Form gehalten und entstammt ganz und gar dem Fach der Opera seria: Zerrissenheit, Leid, Rachsucht. Auch Belfiore ist musikalisch vielschichtig angelegt: In seiner Arie "Care pupille" gesteht er Sandrina, dass er sie noch immer liebt, doch sie verschmäht ihn. Am Schluss küsst Belfiore versehentlich die Hand Don Anchises, eine Buffoszene bei der die Arie schließlich ins Parodistische umkippt.

Eine reine Buffo-Aufgabe hat natürlich das Dienerpaar: Nardo wirbt um die Gunst Serpettas, nach musikalischem Hin und Her letztlich mit Erfolg. In seiner Arie "Con un vezzo all'Italiana" beweist der Diener Nardo polyglotte Fähigkeiten, wenn er um seine Geliebte auf italienisch, französisch und englisch wirbt. Mozarts Ausarbeitung der Serpetta weist bereits auf die musikalischen Ausmaße einer Susanna oder Despina hin, wie sich das etwa in der Arie "Chi vuol godere il mondo" zeigt, in der sie die schlechten Sitten ihrer Zeit beklagt.

Ramiro endlich, als seriöse Figur, bekommt wie Arminda eine Aria agitata zugeordnet, das c-Moll-Stück "Va pure ad altri in braccio", in der er seinem Zorn über die untreue Arminda Luft lässt.

Eine der auffälligsten und poetischsten Stellen der Oper ist das Erwachen der beiden Liebenden, Violante und Belfiore, nach ihrem heilsamen Schlaf. Eine dolce Sinfonia führt sie aus der Traumwelt des Wahns in die Realität und mit einiger Verzögerung wieder in die gegenseitige Zuneigung, also zum Happyend, wie das das Publikum der damaligen Zeit von diesem Genre erwartet.

   
         
Mozart und der Kurfürst Max III. Joseph  

1777 Mozart reicht beim Fürsterzbischof Hieronymus seine Entlassung ein und reist in Begleitung seiner Mutter nach Salzburg. Er glaubt, dass seine Hoffnungen von Salzburg wegzukommen in München in Erfüllung gehen könnten und hofft hier eine feste Stelle zu finden, wo der Kurfürst Maximilian III. Joseph als ein Musik liebender und wohlwollender Souverän herrscht. Der Kurfürst lässt sich am liebsten mit der Viola da Gamba in der Hand im Kreis seiner Familie porträtieren. Mozart ist in München bereits durch seine Oper "La finta giardiniera" bekannt und hat dort auch einflussreiche Fürsprecher.

Mehrmals trifft Mozart zu Vorgesprächen mit dem Grafen Seeau zusammen und auch mit dem "bildschönen Fräulein von Seeau", deren historische Existenz nicht zugeordnet werden kann.

Mozart braucht also nun nur noch den Bayerischen Kurfürsten Maximilian III. Joseph zu überzeugen. Es kommt dann zu einem enttäuschenden Gespräch, das Mozart in seinem Brief an den Vater berichtet:

Graf Seeau (der Intendant der Münchener Hofoper) gieng vorbei und grüsste mich sehr freundlich:
"Befehl mich lieber Mozart!"
Als der Churfürst an mich kamm, so sagte ich:
"Euer Churfürstliche Durchlaicht erlauben das ich mich unterthänigst zu Füssen legen, und meine Dienste antragen darf"
"Ja, völlig weg von Salzburg?"
"Völlig weg, ja Euer Churfürstliche Durchlaicht"
"Ja warum denn, häbts eng z'kriegt? habt ihr euch verkracht?"
"Ey beleybe, Euer Durchlaicht, ich habe nur um eine Reise gebeten, er hat sie mir abgeschlagen, mithin war ich gezwungen diesen Schritt zu machen; obwohlen ich schon lange im Sinn hatte weg zu gehen. Denn Salzbourg ist kein Ort für mich, ja ganz sicher"
"Mein Gott, ein junger Mensch! Aber der Vatter ist ja noch in Salzbourg?"
"Ja, Euer Churfürstliche Durchlaicht, er legt sich unterthänigst ect. Ich bin schon dreimal in Italien gewesen, habe drei Opern geschrieben, bin Mitglied der Accademie in Bologna, habe müssen eine Probe ausstehen, wo viele Maestri vier bis fünf Stund gearbeitet und geschwitzt haben, ich habe es in einer Stund verfertigt. Das mag zur Zeugniß dienen, dass ich im Stande bin in einem jeden Hofe zu dienen, der selbst ein großer ..."
"Ja mein liebes Kind, es ist keine Vacatur da, mir ist leid, wenn nur eine Vacatur da wäre!"
"Ich versichere Euer Durchlaicht, ich würde München gewis Ehre machen."
"Ja das nutzt alles nicht, es ist keine Vacatur da."
Dieß sagte er gehend und ich empfahle mich zur höchsten Gnaden ...

Die Versuche Mozarts über Josef Anton Graf Seeau von Mühlleuten beim Kurfürsten von Bayern im nahen München Fuß zu fassen haben keinen Erfolg. Der Kurfürst hat kein Interesse und so zieht Mozart schließlich vier Jahre später in das Wien des großen Aufklärers Kaiser Josef II.

1777 Kurfürst Max III. Josef von Bayern stirbt im Dezember an den schwarzen Blattern und Graf Seeau verliert dadurch seinen Intendantenposten. Wegen der Landestrauer ruht auch sein privater Theaterbetrieb. Max III. Josef ist kinderlos verschieden, nun übernimmt der in Mannheim residierende Pfälzische Kurfürst Karl Theodor auch Bayern und übersiedelt in der Folge nach München. Noch von Mannheim aus wird die Intendantur des Grafen Seeau im Sommer 1778 erneuert. Damit sind ihm wiederum Oper, Hoforchester und Ballet unterstellt.

   
       
1780 und 1781   Idomeneo    
   

1780 Kurfürst Karl Theodor bestellt bei Mozart eine Oper für den Karneval 1781 in München und Josef Anton Graf von Seeau betreut das Projekt.

   
         

Entstehung der Oper
Idomeneo

 

1780 Mozart beginnt Verhandlungen mit Josef Anton Graf von Seeau anlässlich der Münchner Uraufführung seiner Oper "Idomeneo". Robert W. Gutman berichtet: "...wonach Graf Seeau ihn [Mozart] 1777 nach München engagierte und wonach Schikaneders Hamletdarstellung einen Begeisterungssturm auslöste..." 

Die zahlreichen "Idomeneo-Briefe" zeigen, wie Mozart bei der Entstehung seiner Oper kämpft, er setzt sich mit Orchester, Text und Singstimmen auseinander, ändert, verbessert und vollendet schließlich in München sein erstes großes dramatisches Werk.

1780 Mozart reist im November von Salzburg nach München zur Fertigstellung und Einstudierung der Oper "Idomeneo", die ersten Proben finden im Dezember statt.

Zwischen Josef Anton Graf von Seeau und Mozart gibt es eine zwar eine gedeihliche Zusammenarbeit aber auch immer wieder Unstimmigkeiten wegen des Librettos. Dazu kommt noch die Weigerung des Grafen, wegen weniger Takte eigens drei Posaunisten für die Oper zu verpflichten. Widerwillig instrumentiert Mozart die Passage um.

Die erste Orchesterprobe findet im Dezember 1780 im Haus des Grafen Seeau statt, der auch seine Schwester beiwohnt, die ledig gebliebene Kurfürstliche Hofdame Maria Walpurgis Gräfin von Seeau. Mozart berichtet darüber dem Vater: "Die Probe ist ausserordentlich gut ausgefallen; - es waren nur in allem 6 Violin, aber die gehörigen Blaßinstrumenten - von Zuhörern wurde niemand zugelassen, als die Schwester vom Seeau und der Junge Graf Sensheim."

Nachdem der Kurfürst auf einer Probe den ersten Akt gehört hat, bedenkt er Mozart mit einem lauten Bravo, versichert ihm, dass die Oper charmant sein und gesteht ihm: "man sollte nicht meynen, dass in einem so kleinen Kopf so was grosses stecke", wie Mozart seinem Vater im Dezember 1780 schreibt.

1781 "Idomeneo, re di Creta" wird am 29. Jänner, wenige Tage nach seinem 25. Geburtstag, im neuen Opernhaus in München mit großem Erfolg uraufgeführt. 

Der einzige überlieferte Bericht der Uraufführung von Mozarts Idomeneo ist eine Notiz in der Münchener Zeitung, die vor allem das Bühnenbild lobt: "München Am 29sten des abgewichenen Monats ist in dem hiesigen neuen Opernhause die Oper Idomeneo zum ersten Male aufgeführet worden. Verfassung, Musik, und Übersetzung - sind Geburten von Salzburg. Die Verzierungen, worunter sind die Aussicht in den Seehafen, und Neptuns Tempel vorzüglich ausnehmen, waren Meisterstüke unsers hiesigen, berühmten Theaterarchitekts Hrn. Hofkammerraths Lorenz Quaglio, welche jedermanns Bewunderung auf sich gezogen haben."

 

 

         

Geschichte der Oper
Idomeneo

  Idomeneo (Dramma per musica) KV 366, von Wolfgang Amadeus Mozart und eine Auftragsarbeit des Joseph Anton wird im Jänner 1781 im Münchner Hoftheater uraufgeführt. Sechs Jahre nach "La finta giardiniera" wird Mozart zum zweiten Mal damit beauftragt, eine Oper für München zu liefern. Wieder gestaltet sich die Anreise höchst beschwerlich. "Von Wasserburg aus glaubte ich in der That meinen Hintern nicht ganz nach München bringen zu können", schreibt Mozart entnervt an seinen Vater, der diesmal zu Hause in Salzburg geblieben ist. Inzwischen hat Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz die Nachfolge Max Josephs angetreten. Er bzw. sein Intendant Graf Seeau haben (wie schon aus der Ouvertüre herauszuhören ist) ein ernstes und erhabenes Sujet für Mozarts neues Werk gewählt.

Der Stoff des Kreter-Königs Idomeneus wird im 17. und 18. Jahrhundert von verschiedenen französischen Dichtern und Komponisten aufgrund weniger lateinischer Verse (u.a. bei Vergil) um einige Episoden erweitert und mit neuen Figuren ergänzt. Der Hofkaplan des Erzbischofs von Salzburg, Giambattista Varesco (~1736-1806) übersetzt und bearbeitete für Mozart die "Tragédie en musique" "Idoménée" von Antoine Danchet (1671-1748).

 

Idomeneo

         

Handlung der Oper
Idomeneo

 

Der König der Kreter Idomeneo ist nach zehn Jahren Krieg gegen Troja heimgekehrt, trifft nun den Sohn Idamante erwachsen wieder und müsste ihn aber, eines Gelübdes wegen, dem Meeresgott Poseidon als Menschenopfer darbringen. Ilia, die Tochter des trojanischen Königs Priamos, wurde mit den anderen trojanischen Gefangenen der heimkehrenden Kreterflotte vorausgeschickt. Idamante und Ilia haben eine tiefe Zuneigung zueinander gefasst, die aber überschattet ist von dem tragischen Konflikt zwischen ihrer Liebe und dem Krieg zwischen ihren Völkern. Die Konflikte spitzen sich dramatisch bis ein Deus ex Machina, als göttlichen Stimme, die Erlösung bringt.

Über den dritten Akt schreibt Mozart an den Vater: "Es ist fast keine Scene darinn die nicht äusserst interessant wäre."

   
         
1777/1780   Seeau in den Mozartbriefen    
   

Der 19-jährige Mozart beschreibt Joseph Anton Graf von Seeau von Mühlleuten in einem Brief an seine Mutter:
"Er ist gewiss ein lieber, höflicher Herr und hat mehr Lebensart als viele von seinesgleichen in Salzburg."

   
         
   

Der Name von Joseph Anton Graf von Seeau kommt in vielen Mozartbriefen vor. Mehrmalige Erwähnung des Grafen Seeau durch Wolfgang Amadeus Mozart in Briefen an seinen Vater Leopold Mozart nach Salzburg

   
         
1775  

Mozartbriefe 1775 über Seeau aus München

Mozart reist Anfang Dezember 1774 als 18-Jähriger zur Fertigstellung und Uraufführung seiner Oper La finta giardieniera nach München und berichtet in den Briefen über den Grafen Seeau, seinem Auftraggeber.

1775 am 11. Jänner an seine Mutter [eine Texterwähnung, dzt. nicht rekonstruierbar]

1775 am 14. Januar an seine Mutter: "Gottlob! Meine Opera ist gestern als den 13ten in Scena gangen; und so gut ausgefallen, dass ich der Mama den lärmen ohnmöglich beschreiben kann. Erstens war das ganze Theater so gestrotzt voll, dass viele Leüte wieder zurück haben müssen. Nach einer jeden Aria war allzeit ein erschröckliches Getös mit Klatschen, und viva Maestro schreyen. S: Durchlaucht die Churfürstin, und die Verwitwete, - welche mir vis à vis waren - sagten mir auch bravo."

   
         
1777  

Mozartbriefe 1777 über Seeau aus München

Mozart reist 1777 wieder zum Grafen Seeau zur Fertigstellung und Uraufführung seiner Oper Idomeneo nach München und berichtet in den Briefen an seinen Vater ausführlich über Graf Seeau.

1777 am 26. September: "Wir stunden schon um 7 Uhr auf den 25. Mein Haar waren aber so in Unordnung, dass ich vor 1/2 11 nicht zum Graf Seeau kam. Als ich hinkam, hieße es, er sey schon auf die Jagd gefahren; Geduld!" ... "Heute als den 26. Freytag, war ich um 1/2 9 Uhr beym Graf Seeau. Es war so: ich gieng ins Haus hinein und Mademoiselle Nießer die Comödiantin gieng just heraus und fragte mich, sie wollen gewiss zum Grafen Seeau? Ja, er ist noch in seinem Garten Gott weiß, wenn er kömmt. Ich fragte sie wo der Garten sey, ja, sagte sie, ich habe auch mit ihm zu sprechen, wollen wir mitsammen gehen. Kaum kammen wir vors Thor hinaus, so kamm uns der Graf entgegen, und war etwa 12 Schritte von mir, so erkannte er mich, und nannte mich beym Namen. Er war sehr höflich. Er wusste schon was mit mir fortgegangen ist. Wir giengen ganz allein und langsam die Treppe hinauf; ich entdeckte mich ihm ganz kurz. Er sagte ich solle nur schnurgerade bey Seyner Churfürstlichen Durchlacht Audienz begehren. Sollte ich aber, im Fall nicht zukommen können, so sollte ich meine Sache nur schriftlich vorbringen. Ich bat ihn sehr, dies alles still zu halten, - er versprach es mir. Als ich ihn sagte, es gienge hier ein rechter Compositeur ab, so sagte er: das weiß ich wohl!" ... "Heute Vormittag um 1/2 12 Uhr war ich mit Beccche bey der bildschönen Fräulein von Seeau".

1777 am 29. September: "Ich war gestern um halbe 11 Uhr beym Graf Seeau und habe ihn aber viel ernsthafter und nicht so natürlich wie das erste Mal befunden. Doch war es nur Schein." ... "Graf Seeau fragte den Fürst Zeil, |: nach dem dieser ihm alles erzählt hatte :| wissen sie nicht, hat der den Mozart nicht so viel von Haus, dass er mit ein wenig Beihülf hier bleiben könnte." ... Nachschrift vom 3. September: "Um 10 Uhr führte er mich in ein enges Zimmer so, wo Seine Churfürstliche Durchlaucht durchgehen müssen, um vor der Jagd eine Messe zu hören. Graf Seeau gieng vorbey, und grüßte mich sehr freundlich. Befehl nach [...] liebster Mozart.

1777 am 2. Oktober: "Für mich alleine wäre es nicht ohnmöglich mich durchzubringen, dann vom Graf Seeau wollte ich wenigstens 300 fl: bekommen; für das Essen dürfte ich mich nicht sorgen; dan ich wäre wohl immer eingeladen." ... "Ich würde den Contract mit Graf Seeau |: alles auf Einrathen meiner guten Freünde :| so machen. Alle Jahr 4 teutsche Opern, theils Buffe und Serie, zu liefern." Nachschrift "Heute um 8 Uhr frühe war ich beym Grafen Seeau; machte es ganz kurz, sagte nur. 'Ich bin nur da Euer Excellenz mich und meine Sache recht zu erklären; es ist mir der Vorwurf gemacht worden, ich solle nach Italien reisen, ich war 16 Monath in Italien, habe 3 Opern geschrieben, dass ich genug bekannt. Was weiter vorgegangen werden Eure Excellenz aus diesen Papieren sehen. Ich zeigte ihm die Diplomata. Ich zeigte und sagte Euer Excellenz dieses alles nur, wenn eine Rede von mir ist, und mir etwas Unrecht gethan würde, sich Euer Eccelen mit Grund meiner annehmen können. Er fragte mich ob ich jetzt in Frankreich gienge, ich sagte ich würde noch in Teutschland bleiben, er verstand aber München, und sagte vor Freude lachend; so, hier bleiben Sie noch? Ich sagte, nein, ich wäre gern geblieben; und die Wahrheit zu gestehen, hätte ich nur dessentwegen gern vom Churfürst etwas gehabt, damit ich Euer Eccelen hernach hätte mit meiner Composition bedienen können, und ohne allen Interesse. Ich hätte mir ein Vergnügen daraus gemacht. Er ruckte bey diesen Worten gar seine Schlafhauben."

1778 am 12. November aus München: "Der Churfürst wird, glaube ich, gar gerne wieder seine Residenz in Mannheim machen, indemme er die Grobheiten von den Herrn Bayern ohnmöglich lange aushalten wird können! - Sie wissen, dass die Mannheimer Truppe zu München ist? - Da haben sie schon die 2 ersten Actricen Mad:me Toscani und Mad:me Urban ausgepfiffen, und war so ein Lerm, dass sich der Churfürst selbst über die Loge neigte, und sch--- machte - nachdem sich aber kein Mensch irre machen ließ, hinab schickte, - und aber der Graf Seeau, nachdem er einigen Officieren sagte, sie sollten doch keinen solchen Lerm machen, der Churfürst sehe es nicht so gerne."
... "Wissen Sie wohl, was der verfluchte Kerl Seeau hier gesagt hat? - Meine Opera Buffa zu München seye ausgepfiffen worden!"

1778 am 8. Jänner aus München [eine Texterwähnung, dzt. nicht rekonstruierbar]

Mozart aus Paris 1778 am 31. Juli über den Grafen Seeau an seinen Vater in Salzburg.

  Wolfgang Amadeus Mozart - posthumes Portrait von Barbara Krafft 1819
vergrößern ...
         
1780  

Mozartbriefe 1780 über Seeau aus München

Mozart kommt 1780 als fast 24-Jähriger zur Uraufführung seiner Oper Idomeneo nach München und korrespondiert mit seinem Vater vor allem über technische und musikalische Fragen im Rahmen der Fertigstellung der Oper, aber immer wieder berichtet er auch über den Grafen Seeau.

1780 am  8. November: "Noch am nemlichen Abend beym Grafen Seeau, allwo ich, weil er nicht zu Hause war, ein Billet hinterließ - Den anderen Tage Morgen gieng ich hin, mit Beccke ... Seeau ist von den Mannheimern wie Wax zusamm geschmolzen worden - Wegen dem Buch sagt der Graf ist es nicht nöthig dass der Abbate Varesco es nochmal schreibe und hieherschicke ..."

1780 am 13. November: "In der größten Eyle schreibe ich, denn ich bin noch nicht angezogen, und muss zum Graf Seeau, Cannabisch, Quaglio und Le Grand der Ballettmeister speisen auch dort, um das Nöthige wegen der Opera zu verabreden." ... "Gestern hat mich Graf Seeau bey seiner Durchlaucht dem Churfürsten vorgestellt, er war sehr gnädig mit mir. Wenn Sie itzt dem Graf Seeau sprechen sollten, so würden Sie ihn nicht mehr kennen, so ganz haben ihn die Hochgeborenen Mannheimer umgekehrt." Nachschrift "Graf Seeau hätte Lust, |: weil man hier so schlecht übersetzt :| auch die Opera in Salburg traduieren zu lassen."
... "Die Opera wird erste den 20. Jener das erste Mal gegeben werden. ... Denn Graf Seeau wird nächstens dem Churfürsten etwas davon [von den von Mozart komponierten Messen] sagen."

1780 am 15. November: "Meinem Moloto amato Castrato del Prato muss ich aber die ganze Opera lehren. Er ist nicht im Stande einen Eingang in einer Arie zu machen der etwas heißt; und eine ungleiche Stimme! - Er ist nur auf ein Jahr engagiert, und so bald das aus ist, welches künftigen September geschehen wird, so nimmt Graf Seeau einen anderen. Da könnte Ceccarelli sein Glück versuchen. Serieusement -
Nun hätte ichg bals das Beste vergessen, Graf Seeau hat mich letzten Sonntag nach dem Amt S: Churfürstlichen Durchlaucht dem Churfürsten en passant fürgestellt, welcher sehr gnädig mit mir war."" 

1780 am 18. November: "Ich glaube Seine Excellenz Graf Seeau könnte eine glatte prosaische Übersetztung niemand weniger als 6 Duggatten geben. Folglich werden wohl 8 Duggatten nicht zu viel seyn ..."

1780 am 22. November: "... Mit Graf Seeau habe ich noch nicht sprechen können, werde aber heute mit ihm reden und gleich mit der nächsten Post Nachricht geben..."

1780 am 24. November: "... Wegen der Geschichte vom Mara will ich sie Ihnen ganz erzählen. Warum ich Ihnen nie etwas davon schrieb, ist Ursach, weil ich mir dachte, wissen Sie nichts davon, werden Sie es schon hier selbst hören, und wissen Sie was, so ist es allzeit Zeit, Ihnen die ganze Wahrheit davon zu schreiben, dann vermutlich wird man wohl was dazugemacht haben; wenigstens hier in der Stadt hat man sie auf gar vielerlei Art erzählt. Ich kann es aber am besten wissen, weil ich zugegen war und folglich bei der ganzen Affäre Zuseher und Zuhörer war. Als die erste Sinfonie vorbei war, traf es Madame Mara zu singen. Da sah ich ihren Herrn Gemahl hinter ihr mit einem Violoncell in der Hand herschleichen; ich glaubte, es wird eine mit einem Violoncell obligate Aria sein. Der alte Danzi, ein sehr guter Akkompagnateur, ist erster Violoncellist hier. Auf einmal sagt der alte Toeschi (auch Direktor, der aber in dem Moment, wenn Cannnbich da ist, nichts zu befehlen hat) zum Danzi ( NB. seinem Schwiegersohn): »Steh Er auf und laß Er den Mara hersitzen.« Als dies Cannabich hört und sieht, schreit er: »Danzi, bleiben Sie sitzen! der Kurfürst sieht gerne, wenn seine Leute akkompagnieren.« Darauf ging die Aria an, Giovanni Mara stunde wie ein armer Sünder mit dem Baßel in der Hand hinter seiner Frau. Als sie in den Saal eintraten, waren sie mir beide schon ohnerträglich, dann so was Freches hat man nicht bald gesehen; Sie werden in der Folge davon überzeugt sein. Die Aria hatte einen zweiten Teil, die Madame Mara fand es nicht für gut, das Orchester vorher zu avisieren, sondern ging mit ihrer angebornen air d'effronterie unter dem letzten Ritornell herab, um den hohen Herrschaften ihr Kompliment zu machen. Unterdessen fing ihr Mann mit dem Cannabich an. Alles kann ich nicht schreiben, es würde zu lang; mit einem Wort, er beschimpfte das Orchester, den Charakter des Cannabich. Natürlicherweise war Cannabich aufgebracht, kriegte ihn am Arm und sagte: »Hier ist der Platz nicht, Ihnen zu antworten.« Mara wollte noch reden, er drohte ihm aber, wenn er nicht schwiege, ihn hinausführen zu lassen. Alles war über die Impertinenz des Mara aufgebracht. Unterdessen war ein Konzert, vom Ramm, da gingen die zwei lieben Eheleute zum Grafen Seeau klagen: sie fanden aber auch da, wie bei allen Leuten, daß sie unrecht hatten. Endlich beging die Madame Mara die Sottise, selbst zum Kurfürsten deswegen hinabzugehen, und ihr Mann sagte unterdessen ganz stolz: »Meine Frau klagt itzt eben beim Kurfürsten, das wird dem Cannabich sein Unglück sein, es tut mir leid.« Er wurde aber ganz herrlich darüber ausgelacht. Der Kurfürst antwortete auf die Klage der Madame Mara: »Madame, Sie haben wie ein Engel gesungen, obwohlen Ihnen Ihr Mann nicht akkompagniert hat«; und als sie ihre Klage poussieren wollte, sagte er: »Ja, das geht mich nichts an, sondern Graf Seeau.« Als sie sahen, daß da nichts zu machen war, so gingen sie weiter, obwohlen sie noch zwei Arien zu singen hatte. Das heißt auf deutsch den Kurfürsten affrontieren, und ich weiß gewiß, wenn nicht der Erzherzog und viele andere Fremde dagewesen wären, nam würde ihnen ganz anders begegnet sein; aber auf diese Art war dem Graf Seeau bange, schickte ihnen gleich nach, und sie kamen wieder zurück. Sie sang ihre zwei Arien, ohne von ihrem Mann akkompagniert zu sein. Bei der letzten, ich glaube immer, daß es Herr Mara mit Fleiß getan, gingen ( NB. nur in der Abschrift, wo Cannabich spielte) drei Täkte ab. Als dieses kam, hielt Mara dem Cannabich den Arm, dieser fand sich gleich, schlug aber mit dem Bogen auf das Pult und schrie laut: »Hier ist alles gefehlt!« Wie die Aria aus war, sagte er: »Herr Mara, ich will Ihnen einen Rat geben, lassen Sie es Ihnen gesagt sein, halten Sie keinem Direktor von einem Orchester den Arm, dann Sie können sich sonst immer auf ein halb Dutzend Ohrfeigen Rechnung machen.« Maras Ton war aber nun schon ganz herabgestimmt, er bat um Verzeihung, entschuldigte sich aufs beste. Das Schändlichste bei der ganzen Affäre war, daß Mara (ein elender Violoncellist, wie alles hier sagt) gar sich nicht bei Hof hätte hören lassen, wenn nicht Cannabich gewesen wäre, der sich darum Mühe gegeben hat. In der ersten Akademie, da ich noch nicht hier war, spielte er Konzert, akkompagnierte seiner Frau, setzte sich, ohne weder dem Danzi noch jemand was zu sagen, an Danzi seinen Platz, das ließ man so hingehen. Der Kurfürst war mit seinem Akkompagnement gar nicht zufrieden, sagte, er sehe lieber, daß seine Leute akkompagnierten. Cannabich, der das wußte, sagte es dem Grafen, bevor die Akademie anfing, er könne wohl auf der andern Seite mitspielen, aber Danzi muß auch spielen; und als Mara kam, sagte er es ihm, und doch beging er diese Impertinenz. Wenn Sie sie kennen sollten, diese zwei Leute, man sieht ihnen den Stolz, Grobheit und wahre Effronterie im Gesichte an."

1780 am 1. Dezember: "Die Probe ist außerordentlich gut ausgefallen; - es waren nur in Allem 6 Violinen, aber die gehörigen Bassinstrumenten - von Zuhörern wurde niemand zugelassen, als die Schwester [Maria Walburgis Theresia Elisabeth, Churbayrische Hofdame] vom Seeau und der junge Graf Sensheim."

1780 am 16. Dezember: "Graf Seeau sagte mir gestern, dass er von ihm [Johann Babtist Bergopzoomer] einen Brief bekommen, darin er sich anfrägt ob man hier eine Musikalische Accademie geben könne." ... "heute Nachmittag ist Probe vom ersten und zweiten Ackt - wieder im Zimmer beym Grafen."

1780 am 19. Dezember: "Künftigen Samstag werden wieder die 2 Ackte probiert. Aber in einem großen Zimmer bey Hof, welches längst gewunschen, denn beym Grafen Seeau ist es gar zu klein."

1780 am 27. Dezember: "Habe letzthin mich verflucht herumgebalgt mit dem Seeau."

1781 am 11. Jänner: "Ich habe nebst vielen anderen kleinen Streitigkeiten einen starken Zank mit dem Graf Seeau wegen den Posaunen gehabt - ich heiß es einen starken Streit, weil ich mit ihm hab müssen grob sein, sonst wär ich nicht ausgekommen …“

1781 am 18. Jänner [eine Texterwähnung, dzt. nicht rekonstruierbar].

   
         
    Es gibt im Gegenzug auch Erwähnungen des Grafen Seeau durch Leopold Mozart aus Salzburg in Briefen an seinen Sohn Wolfgang Amadeus Mozart in München am 11. und 18. November 1780. Diese Namensnennungen hängen mit den Kompositionsarbeiten und der Uraufführung des Idomeneo zusammen.    
         
   

Zur Transkription: Die Mozart-Autographen sind in Deutscher Handschrift verfasst, diese Schrift wird heute meist irrtümlich als Sütterlin bzw. Kurrent bezeichnet. Mozart hat eine ziemlich unregelmäßige Schreibweise, diese wurde in der Transkription beibehalten, mit zwei Ausnahmen:
Alle Nomen sind im Transkript groß geschrieben.
Die Aufeinanderfolge von langem und rundem "s" am Wortende wird als "ss" wiedergegeben.

   
         
1781   Der Neubeginn Mozarts in Wien    
   

Mozart lässt sich nach dem Bruch mit dem Fürsterzbischof Hieronymus von Salzburg und nach der Ablehnung durch den Bayerischen Kurfürsten als freiberuflicher Musiker dauernd in Wien nieder.

   
         
   

Mozart wohnt in Wien zunächst als Gast der Familie Weber am Petersplatz im Haus "Zum Auge Gottes", später heiratet er die Tochter Constanze. Seine Gegner bei Hofe verhindern immer wieder eine feste Anstellung als Hofkomponist und damit ein sicheres Auskommen. Alle seine Versuche, an anderen Fürstenhöfen eine Anstellung zu erhalten, scheitern.

Der Römische Kaiser Deutscher Nation Joseph II. erteilt Mozart den Auftrag zur ersten Oper in deutscher Sprache und die "Entführung aus dem Serail" wird ein überwältigender Erfolg. Mozart schafft damit eine völlig neue Art der Oper. Statt Helden und Göttern lässt er darin ganz normale Menschen auftreten. Auf den musikalischen Geschmack der Mehrheit seiner Zeitgenossen nimmt er wenig Rücksicht. So empfinden viele Mozarts Musik als zu modern und zu schwierig. Auch sein Förderer, der Kaiser Joseph II. soll er einmal über Mozarts Musik gesagt haben: "Zu viele Noten".

Der Rest ist Geschichte ...