Im schönen Lunz am See in Niederösterreich gibt es die Sage über einen Seeauer Paul.

Der Seeauer Paul ist ein Wilderer und Wegelagerer, der zu guter Letzt in ein Kreuzbild geschossen hat. Und genau dort, wo ihn daraufhin der Teufel geholt haben soll, steht noch jetzt ein Bildstock. Die Geschichte findet sich in der Chronik der Marktgemeinde Lunz am See, von Elisabeth Kraus-Kassegg.

Zum Namen des Seeauer Paul aus Lunz: Die Seeau von Lunz liegt beim Schloss Seehof, einem ehemaligen Wirtschaftsgebäude der Kartause Gaming. Dieser neubarocke Stiftshof wurde 1897 durch den Industriellen Carl Kupelwieser vom Grafen Festetics erworben und ist seit 1906 biologische Station. Der Name "Seeauer Paul" ist hier eine nähere Bestimmung einer Person mit dem Vornamen Paul, mit örtlichem Bezug auf die Seeau von Lunz.  

   
         
   
Franz Adolf Pfaffenschläger  

Franz Adolf Pfaffenschläger (~1819-1882), vulgo Franziscus Adolphus Graf Seeau von Seeau, hinterlässt in den amerikanischen Südstaaten eine deutliche Spur in der Geschichte.

Nach der Revolution von 1848 wandert Franz Adolf Pfaffenschläger von Österreich nach Nordamerika aus, angeblich weil er an der Revolution beteiligt gewesen war. Dort schließt er sich der konföderierten Armee (CSA) an und gehört damit nochmals zu den Verlierern.

Zur Erinnerung die Vorkommnisse im Jahr 1848: In Österreich herrscht Zensur und Hungersnot. Die Unzufriedenheit fast aller Bevölkerungsschichten und Nationalitäten in der Monarchie entlädt sich in einer Revolution, die am 13. März in Wien ausbricht. Der allmächtige Fürst Metternich muss zurücktreten und geht, aufgrund des Drucks der Wiener Kleinbürger und Arbeiter, ins Exil nach England und Belgien. Am nächsten Tag wird die Zensur aufgehoben. Am 15. Mai erfolgt der zweite Aufstand, da die neue Verfassung vor allem Arbeiter und Studenten enttäuscht. Kaiser Ferdinand der Gütige (auch Gütinand der Fertige genannt) verlässt Wien. Im Frühjahr brechen auch Unruhen in Ungarn, Böhmen und Oberitalien aus, die alle im Lauf des Jahres von der k. k. Armee niedergeschlagen werden. Am 6. Oktober wird Kriegsminister Latour ermordet. Kaiser Ferdinand verlässt Wien erneut. Am 26. Oktober schließen kaiserliche Truppen die Stadt ein und bombardieren die Vororte. Wien kapituliert am 1. November. Am 11. November wird die Zensur wieder eingeführt. Am 2. Dezember übernimmt der 18-jährige Kaiser Franz Joseph die Regierung. Die Niederschlagung der Revolution von 1848 zwingt viele der Revolutionsführer und Mitläufer in die Emigration.

Johann Lukas Frey schreibt: "1849-1850 mussten die Waffen samt Munition abgegeben werden. Civil und Soldaten, welche während der Revolution eine höhere Stelle angenommen oder sich sonst irgendwo ausgezeichnet und dafür Strafe zu befürchten hatten, hielten sich längere Zeit in der Schweiz, bis sie auch dort ausgewiesen, teils nach Amerika übersiedelten. "

Frank A. Pfaffenschläger lebt nach diesen Ereignissen in Mobile Alabama, dort wo der Mobile River und der Alabama River in die Mobile Bay am Golf vom Mexiko münden. Er dient ab 1862 im amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) als Freiwilliger in der konföderierten (CSA) Armee der Südstaaten, im 38. Alabama Infanterieregiment zuerst als Soldat und Musiker, später als  Militärkapellmeister.

Es dauert zwei Wochen bis die Kameraden den Namen des neuen Hornisten buchstabieren können: Frank Pfaffenschläger. Er wird als klein beschrieben, hat einen kurzen Hals, runde Schultern, krumme Beinen, ein dünnes Gesicht, hakenförmige Nase, einen dünnen braunen Schnurrbart und scharfe Augen. Pfaffenschläger ist ein gutmütiger Mensch mit erlesenen Manieren und seriöser Sprache. Manchmal wirkt er für einen Soldaten ungewöhnlich tiefgründig. Er trinkt gelegentlich zu viel, spielt gerne Karten und verblüfft seine Kameraden mit Kartentricks.

Als Pfaffenschläger beim Eintritt gefragt wird, ob er Querpfeife spielen könne, sagte, dass er es noch nie versucht hätte. Der deutschstämmige Musiker Willhelm Hartmann (genannt Zou), der ihn angeworben hatte, leiht ihm seine Querpfeife. Pfaffenschläger spielt an seinem ersten Tag in der Armee, als die Offiziere vor dem Oberst Ketchum salutieren, den "Bonnie Blue Flag" und Melodien, die keiner der Soldaten kennt, während ihn Zou auf den Trommeln begleitet. Er spielt das näselnde, heisere Instrument so weich und lieblich in der stillen Luft an seinem ersten Abend, dass sich der Kommandant nach der Parade begeistert über ihn äußert.

Pfaffenschläger sagte nach der Parade, die Melodien, die er gespielt hatte, hießen "Die Schlingenschlagen, Verschlichten, Lieberhausen" oder so ähnlich. Dem Regiment werden diese und die anderen neuen Melodien nie langweilig.

Pfaffenschläger borgt sich Geld, um sich eine eigene Piccoloflöte kaufen zu können. Dr. Hulse, der Regimentschirurg, spielt auch die Flöte, und bald begleitet ihn Pfaffenschläger mit einer Geige und manchmal auch mit einer Gitarre. Einmal, als Pfaffenschläger gefragt wird, ob er Klavier spielen könne, setzt er sich einfach hin und spielt einen donnernden Walzer. Die Regimentskapelle wird unter seiner Leitung für ihre Kunst berühmt, wächst und Pfaffenschläger wird bald zum Militärkapellmeister ernannt.

Frank Pfaffenschläger hat aber auch andere Talente: Er zeichnet die Feldquartiere und die Offiziere und versieht die Bilder mit einem deutschem Text. Die Zeichnungen sind mit Gitterwerk, Reben und Blumen umrahmt. Pfaffenschläger hängt sie in seiner Stube auf, bis sie sein kommandierender Offizier kauft, um sie dem kommandierenden Oberst Ketchum zu schenken.

Einmal wird Pfaffenschläger im Zeltlager vom italienischen Geiger Carlo Patti besucht. Die Familie Patti brachte einige berühmte Künstler der Zeit hervor. Carlo Patti war von einem konföderierten Signal-Korps angeworben und hatte Pfaffenschläger eine Notiz mit der Bitte übermittelt, ihm bei einer Serenade zu assistieren.

Einmal, als Pfaffenschläger in gebirgigem Gelände kämpft und fast das gesamte 38. Regiment von den Yankees gefangen genommen wird, sucht er sein Heil in der Flucht und ruft den Yankees "Go to Hell" zu. Er entkommt der Gefangennahme und überlebt den Bürgerkrieg unversehrt. Er ist unter den letzten 80 von ursprünglich 830 Männern des 38. Regiments, die nach dem Kampf in einem spanischen Fort bei Citronelle einquartiert sind, als sich CSA Generalleutnant Richard Taylor mit den letzten 38ern im Mai 1865 dem Yankee Generalmajor E. R. S. Canby ergibt.

Nach dem Krieg heiratet Frank Pfaffenschläger eine Witwe mit Kindern, beide haben aber keine gemeinsamen Nachkommen. Es wird gemunkelt, dass Pfaffenschläger eine Familie "jenseits des Wassers" hätte. Pfaffenschläger unterrichtet in Birmingham Alabama Musik und ist dort als Professor Pfaffenschläger bekannt.

Im März 1882 schießt sich Frank Pfaffenschläger mit einem Derringer in die rechte Schläfe, während er mit Freunden zusammen sitzt. Er ist im Friedhof nördlich des Stadtzentrums von Birmingham begraben, sein Grabstein existiert immer noch. Am 16. und 19. März 1882 ist seine Geschichte von Frank Pfaffenschläger im "The Daily Register, Mobile, Alabama" erschienen.

Ein naher Freund behauptet nach seinem Tod, dass Frank A. Pfaffenschläger ein österreichischer Adliger sei, der vom Kaiser nach der Revolution von 1848 verbannt worden war. Sein voller Name und Titel sei „Franciscus Adolphus Graf Seeau von Seeau aus Nordösterreich” [sic]. Sein Leben sei nach der Revolution gegen den Kaiser verschont worden und das Urteil vom Tod zur ewigen Verbannung geändert, wegen der langen und großen Dienste, die seine Familie dem Haus Habspurg [!] geleistet hatte. Sein Sohn, ebenfalls Franciscus Adolphus Graf Seeau von Seeau, hätte als siebter Graf dieses Namens seine Stelle im Heimatland eingenommen.

Einige genealogische Bemerkungen zu dieser Geschichte:
 
Aufzählung Einen Grafen Franciscus Adolphus Seeau hat es nie gegeben und schon gar nicht in sieben Generationen mit gleichem Namen.
Aufzählung Der Name der Grafen Seeau ist seit 1699 unverändert "Graf Seeau von Mühlleuten" und niemals "Graf Seeau von Seeau". Es kann sich daher bei Pfaffenschläger nicht einmal um einen Adeligen handeln, denn der hätte den richtigen Namen der Grafenfamilie auf jeden Fall gekannt.
Aufzählung Nordösterreich gibt es nicht.
Aufzählung In den fraglichen Jahren 1818/1819 gibt es keine bekannten Geburten in der Familie der Grafen Seeau, allein schon, weil sich das vom Alter der wenigen männlichen Proponenten des Geschlechts nicht ausgeht. 
Aufzählung Pfaffenschläger ist entweder ein Familienname oder einer, der aus dem Ort Pfaffenschlag stammt. Zu dieser Zeit gibt es einige Orte dieses Namens im Mühlviertel und im Waldviertel.

PS Der Originaltext vom 16. und 19. März 1882 im "The Daily Register, Mobile, Alabama" ist im Archiv der Stiftung Seeau vorhanden und kann zur Verfügung gestellt werden.