Zeittafel der Salzgewinnung  

Hier im Zeitraffer 3000 Jahre Geschichte des Salzbergbaus in Europa.

Jahr

Ort / Person

Ereignis

1500vC

Hallstatt

Kelten bauen Salz bergmännisch ab

1200vC

Halle an der Saale

Salzgewinnung aus Solequellen durch ein unbekanntes Volk

0700vC

Heilbronn

Kelten führen die Salzgewinnung durch

0700vC

Bad Salzungen

Nutzung der Solequellen durch die Kelten, die eine der ersten Technologien der Salzgewinnung entwickelt haben.

0600vC

Hallein Dürrnberg

die Gewinnung des Steinsalzes im untertägigen Trockenbau führt zu Grubenbauen mit Seigerteufen von bis zu 220 m.

0500vC

Bad Nauheim

Kelten bauen an der Usa Salz ab.

0500vC

Halle an der Saale

Kelten führen Salzgewinnung aus den Solequellen in Giebichenstein bei Halle durch

0500vC

Hallstätter Bergwerk

es kommt zu einer Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes: eine Lawine aus Erde, Steinen und Schlamm verschüttet große Teile und bringt den Bergbau praktisch zum Erliegen.

0500vC

Schwäbisch Hall

Kelten beuten die Salzquelle aus.

0400vC

Bad Reichenhall

Salzgewinnung der Kelten in Gmain (Muon) und Nonn (Nane) aus der zutage tretenden Sickersole am Fuß des Grottensteins.

0058nC

Salzungen

Tacitus berichtet in seinen Annalen über eine Salzschlacht an einem Grenzfluss zwischen Hermunduren und Chatten. Historische Quellen und topographische Gegebenheiten lassen mit großer Sicherheit auf die Salzunger Solequellen schließen.

0700

Bad Nauheim

fränkische Siedler nehmen die Salzgewinnung wieder auf.

0734

Halle an der Saale

in Halle wird ein Salzwettessen veranstaltet, bei dem einige Teilnehmer grausam zu Tode kommen.

0775

Salzungen

mit einer zu Quierzy durch den fränkischen König Karl am 5. Januar ausgestellten Urkunde über die Schenkung des Zehnten seiner königlichen Villa "Salsunga" an das Kloster Hersfeld setzt die schriftliche Überlieferung für die Stadt Bad Salzungen ein. Der Inhalt der Schenkungsurkunde deutet darauf hin, dass in Salzungen Siedeanlagen auf hohem technologischem Niveau stehen.

0785

Halle an der Saale

Karl der Große ernennt den Sachsenherzog Widukind II. zum Grafen von Wettin und macht ihm die Ortschaften Giebichenstein und Doresola (Dobrebora), das spätere Halle, nebst der Salzquelle zum Geschenk. Daher Wittekind-Quelle.

0806

Halle an der Saale

erste urkundliche Erwähnung eines Kartells bei Halle, das zum Schutz der Salzquellen und des Saaleübergangs errichtet wird

0900

Werl

die Salzgewinnung aus salzhaltigen Quellen ist bezeugt.

0973

Salzungen

Bestätigung eines Tauschvertrages durch Kaiser Otto II. zwischen dem Erzbischof von Magdeburg und dem Abt von Fulda, wonach u.a. "Salzungen mit allem Zubehör und allen Nutzungen an Kirchen, Gebäuden und mit Salinen" vom Kloster Fulda erworben wird.

0961

Halle an der Saale

Otto I. übergibt die Solequellen dem Moritzkloster Magdeburg, von welchem sie in den Besitz des Klosters "Zum neuen Werke" (Neuwerk) übergeht.

1002

Salzkammergut

Berthold Seeauer wird von Kaiser Heinrich II. nobilitiert (gefälschte Urkunde)

1100f

Werl

die Salzsieder schließen sich zur mächtigen Genossenschaft der Erbsälzer zusammen.

1125

Salzgitter

Auf der Grenzscheide zwischen Gitter und Veppstedt (Vöppstedt) treten Solequellen am Ort "dat Solt to Gytere" zu Tage. Am 22. Mai 1125 gründet Bischof Berthold von Hildesheim in Marienrode ein Kloster, zu dessen Ausstattung ein "Panstel" eine Pfannenstelle, die zu Gethere gehört.

1130

Soest

erhält als erste deutsche Stadt ein eigenes Stadtrecht.

1174

Salzgitter

In Veppenstedt (Vepstide) sind sieben Höfe genannt, unter deren Besitzern eine Familie Pfannenschmidt ist, ein Name der auf die Salzsiedlung hinweist.

1235

Ciechocinek, Polen

der Herzog übergibt Konrad Mazowiecki mit einer Urkunde zwei Salzsiedereien als Erbpacht mit der Verpflichtung ein Salzdeputat dem Herzogshof und den Bischofshöfen zu leisten.

1263

Halle

das Markt- Münz- Zoll- und Bannrecht wird verliehen. Geburtsstunde des Heller (Haller = Salzwährung.)

1298

Hallstatt Herzog (später König) Albrecht I. schenkt seiner Frau Elisabeth von Görz und das Yschlland mit Hallstatt als Morgengabe.

1306

Schwäbisch Hall

König Albrecht I. erlässt ein Bewirtschaftungsgesetz, wonach die Saline in 111 Anteile aufgegliedert wird.

1311

Hallstatt

Königin Elisabeth verleiht Hallstatt das Marktrecht

1311

Berthold Seeauer

Königin Elisabeth verleiht ihm ein Pfannhauslehen

1350

Salzgitter

Stadtrechte verliehen

1338

Heinrich Seeauer

ist Besitzer des Berg- und Pfannhauslehens beim Salzberg zu Hallstatt

1392

Ischl Aufstand der Bürger und Salzarbeiter

1489

Bad Nauheim

13 Soden (Salzsiedereien).

1503

Thoman Seeauer

Kaiser Maximilian I. erteilt das Wappenrecht

1523

Thomas Seeauer

tritt in den Dienst der Saline Hallstatt.

1564

Thomas Seeauer

Kaiser Ferdinand I. reist ins Salzkammergut, um sich von den Plänen für die Verbessern der Schiffbarkeit der Traun zu überzeugen.

1582

Thomas Seeauer

Kaiser Rudolf II. erhebt ihn und sein Vetter Paul am 19. März in den Adelsstand.

1586

Thomas Seeauer

stirbt hundertjährig

1595

Hallstatt

Kaiser Rudolf II. gibt den Auftrag zum Bau einer Soleleitung von Hallstatt nach Ebensee.

1606

Hallstatt

Soleleitung von Hallstatt nach Ebensee fertig gestellt

1849

Salzkammergut Kaiser Franz Joseph hebt den Stand der Salzfertiger auf, nachdem bereits Kaiser Josef II. in den 1780er Jahren die Kammergutsverfassung abgeschafft hatte.

1850

Salzkammergut Kaiser Franz Joseph macht aus dem Salzoberamt in Gmunden die "K.u.k. Salinen- und Forstdirektion für Oberösterreich".

 

   
   
   

Um 1300 entwickelt sich das Salzwesen zu einer unverzichtbaren Einnahmequelle für Kaiser und Fürsten, aber auch für die Menschen der Region des Salzkammerguts. Die Aufsicht über die Salzgewinnung und dessen Verarbeitung bekommt ein kaiserlicher Beamter, der nur der Hofkammer (Finanzverwaltung) in Wien unterstellt ist und nicht dem Landeshauptmann. Das (Salz-)Kammergut ist dadurch ein kleiner Staat im Staate und wird vom Salzamtmann verwaltet. Das landesfürstliche Salzamt hat seinen Amtssitz im Kammerhof in Gmunden. Es ist für die Verwaltung des gesamten oberösterreichischen Salinenwesens zuständig.

Die Bewohner des Salzkammerguts sind im ausgehenden Mittelalter und in der frühen Neuzeit hauptsächlich im Salzwesen tätig. Auch die wenigen Bauern, die in der Umgebung der Märkte ihre kleinen Anwesen haben, nehmen Dienst als "Cammergutsarbeiter", weil sie damit die Erträge der Höfe aufbessern können. Neben den Salzfertigern, Bürger welche hauptsächlich die Salzfrächterei betreiben, findet sich auch ein großer Teil der allgemeinen Handwerker wie Maurer, Schmiede, Zimmerleute, etc. im Dienst der Salinenverwaltung. Über zwei Drittel der Bevölkerung erhalten direkt von der Salinenverwaltung Arbeit und Brot. Die Arbeit in den Wäldern und Gruben, bei der Flößerei und bei der Holzbeschaffung für die Sudhäuser, aber auch bei der Frächterei und bei der Salzverschiffung ist schwer und gefährlich. Gefährlich sind aber nicht nur der Wald, der Berg oder die Grube, sondern vor allem die Traun und die Arbeit an den Wasserriesen. Die Sterbebücher der Kammergutsmärkte sind voll von tödlichen Arbeitsunfällen.

Sein Gepräge erhält das Salzkammergut aber nicht von der Masse der Cammergutsarbeiter. Sie leben in den kleinen Ortschaften rund um die Märkte als Kleinhäusler oder "Inwohner". Auch die besser gestellten Meister sind kaum an der Entwicklung der Märkte beteiligt, nach Analyse der Kirchenbücher leben nur wenige von ihnen im Ort, die meisten besitzen kleinere Bauerngüter in der Umgebung. Ihren Charakter erhalten die Märkte des Salzkammerguts durch die Salzfertiger und durch die kaiserlichen Beamten.

Die kaiserlichen Beamten der Salinenverwaltung und jene der Herrschaft Wildenstein, als ursprüngliches Verwaltungszentrum, sind durchwegs adelig. Sie beeinflussen das kulturelle und gesellige Leben im Salzkammergut. Das Salz hebt das Kammergut über viele Jahrhunderte aus den Verhältnissen einer kleinen bäuerlichen Berglandschaft heraus.

   
         
Salzamtmann  

Der Salzamtmann ist der oberste Hofbeamte im (Salz)Kammergut. Er hat von jeher das höchste Amt und den angesehensten Beruf im Salzkammergut inne. Dem Salzamtmann obliegt die Leitung des gesamten Salzwesens. Zu seinen Amtsgeschäften gehört unter anderem der zweimal jährliche Besuch des Salzbergs in Hallstatt, die Inspektion des Sudwesens, der Waldbestände und der Wasserbauten, sowie die Überwachung des Salzhandels. Ebenso ist er für die regelmäßige Lebensmittelversorgung der Kammergutsarbeiter zuständig und nimmt daher auch auf das Marktwesen Einfluss. Die staatliche Aufsicht über die Salzgewinnung und den Salzhandel bringt besondere soziale Strukturen mit sich. Der Salzamtmann ist Herr über die Bergwerke, Sudstätten, Salzfertigung, Transportwege und den Vertrieb. Gleichzeitig aber auch der Gerichtsherr über das gesamte Kammergut und in all seinen Obliegenheiten unmittelbar der kaiserlichen Hofkammer verantwortlich. Der Salzamtmann residiert im Gmundner Kammerhofgebäude.

Das gesamte Gebiet zwischen Gmunden und Bad Aussee unterstellen die Habsburger direkt ihrer Hofkammer - dem Finanzministerium. So entsteht der Begriff Kammergut, 1656 Salzkammergut. Gmunden ist Umschlagplatz für das Salz, das mit in Gmunden erbauten Schiffen bis ans Schwarze Meer gebracht wird. Prinz Eugen verwendet die Salzschiffe, die in Gmunden auch für Kriegszwecke gebaut werden, um eine Brücke zu schlagen dadurch Belgrad von den Türken befreien.

1689 Gotthard Heinrich und Franz Ferdinand Grafen von Salzburg verkaufen die Herrschaft Ort (Seeschloss bei Gmunden) an Kaiser Leopold I. Von diesem Zeitpunkt an wird die Herrschaft Ort von einem kaiserlicher Pfleger verwaltet, dessen unmittelbarer Vorgesetzter der Salzamtmann ist, bis 1868 die gesamte Orter Halbinsel samt den beiden Schlössern Ort (Seeschloss und Landschloss) an den Großherzog Leopold II. von Toskana verkauft wird.

Die Bergwerksarbeiter müssen nicht zur Armee einrücken und werden kostenlos ärztlich versorgt. Allerdings sind sie einer strengen Ordnung unterworfen: Ohne Einverständnis des Salzamtes dürfen sie das Salzkammergut nicht verlassen und auch nicht heiraten. Außerdem müssen sie die Religion des Kaiserhauses annehmen, das führte zu schweren Auseinandersetzungen in der Reformationszeit.

Der Amtsgegenschreiber ist das Kontrollorgan für alle wirtschaftlichen Vorgänge um das Salz. Nach einer Verwaltungsumstellung 1563 wird daraus das Einnehmeramt, dem der "Einnehmer" vorsteht.

Der Mautner besorgt die Verrechnung der einfließenden Mautgebühren und muss für die Instandhaltung der Wasserbauten der Traun Sorge tragen.

Das Hofschreiberamt in Hallstatt ist dem Salzamt in Gmunden untergeordnet, ebenso die Verweserämter Ischl und Ebensee und weiters eine Reihe anderer dem Salztransport dienende Ämter in Stadl, Lambach, Wels, Zizlau, Enghagen, Mauthausen und Linz.

1745 das Salzamt wird durch Hofdeputationsbefehl am 22. März zum k. k. Salzoberamt erhoben. Das Einnehmeramt wird ab dieser Zeit in zwei Ämter aufgeteilt, nämlich in das der k. k. Salzoberamtsbuchhalterei - zuständig für die Durchführung der Rechnungsrevision - und in das der k. k. Salzoberamtskassa für die eigentliche Geldgebarung. Letzerer unterstehen folgende Ämter:

k. k. Großkufenhandelsamt, Kontrolle des Salztransports zu Wasser
k. k. Obersalzversilberungsamt, Kontrolle des Salztransports zu Lande
k. k. Bauamt, zur Durchführung der Bauten des Salzamtes

1850 wird diese Sonderstellung und die Abgeschlossenheit im inneren Salzkammergut beendet.

   
         
Salzfertiger  

1311 das königliche Dekret schafft auch im Salzkammergut den Bürgerstand der Salzfertiger. Die Salzfertiger sind mit Verpackung und Transport der Handelsware Salz betraut. Die Salzschiffer fahren in ihrem Auftrag. Salzfertigerfamilien besitzen prunkvolle Handelshäuser, am Hallstätter Marktplatz, in Lauffen, am Ischler Traunkai oder das Trauneckergut in Steeg.

Salzfertiger sind ursprünglich Salzspediteure, die dann auch mit der Erzeugung, Verpackung und Transport der Handelsware Salz betraut sind. Sie sind meist Marktbürger, die durch den Salzhandel zu Reichtum und Ansehen kommen.

Die Salzfertiger sind Marktbürger, die durch den Salzhandel zu Reichtum und Ansehen kommen. Viele von ihnen werden geadelt, wie z.B. die Sydler von Rosenegg, die Gastgeb von Gastheim, Lidl von Lüdelsheimb, die Eyßl von Eyßlsberg, die von Erb, und nicht zuletzt die alle anderen Geschlechter im Salzkammergut überragende Familie der Seeauer. Sie erbauen die großen Bürgerhäuser, die noch heute die Kammergutsmärkte zieren.

   
         
   
   

1500vC In Hallstatt, dem ältesten Salzbergwerk der Welt, fördern Bergmänner das "Weiße Gold" zutage. Bis 300 Meter tief kommen dort die Bergleute. Sie folgen dem Salz in Schächten und schrägen Gängen, den so genannten Schürfen, in die Tiefe. Für den Abtransport der gebrochenen Salzstücke übertage hatten die Bergleute Fellsäcke mit einer ausgeklügelten Tragevorrichtung entwickelt.

0500vC es kommt im Hallstätter Bergwerk zu einer Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes: eine Lawine aus Erde, Steinen und Schlamm verschüttet große Teile der "Ostgruppe" und bringt den Bergbau praktisch zum Erliegen. Auf Jahrhunderte gerät Hallstatt ins wirtschaftliche Abseits und muss einem bisher weniger bedeutenden Konkurrenten das Salzgeschäft überlassen: dem Dürrnberg, der südlich von Salzburg oberhalb der mittelalterlichen Salinenstadt Hallein am breiten Salzachtal liegt, und aus verkehrsgeographischer Sicht gegenüber Hallstatt eindeutig im Vorteil ist. Hallein, Hallsatt, Hall, etc von ahd. hallus = "Saline".

0300vC das Bergwerk der Urnenfelderzeit in Hallstatt und die dort eingesetzte Technologie werden praktisch aufgegeben.

1284 Albrecht I. (1255-1308), der älteste Sohn Rudolfs von Habsburg, ist der erste habsburgische Landesherr über Österreich und die Steiermark und lässt am Hallstätter Salzberg einen Turm als Wehr- und Befestigungsanlage errichten. Diese, nach seinem Vater als "Rudolfturm" benannte Wehranlage, bewährt sich dann auch in den unbarmherzigen Konkurrenzkämpfen um das Salz zwischen den erzbischöflichen Salinen von Hallein und den habsburgischen Salinen in Hallstatt und Aussee.

1291-1297 Herzog Albrecht verteidigt das Salzkammergut im Salzkrieg gegen den Erzbischof Konrad IV. von Salzburg. Konrad fällt mit 100 Reitern und 2000 Mann Fußvolk - darunter auch vielen Knappen vom Bergwerk in Hallein - im Salzkammergut ein. Die Salzburger zerstören dabei die beiden kurz zuvor in Gosau errichteten Sudpfannen und auch die Traunau, den ersten Siedlungskern von Hallstatt. Konrad verliert aber den Krieg und damit auch die salzburgschen Gebietsansprüche an den halbblinden Habsburgerherzog Albrecht I., der schließlich - gegen eine beträchtliche Ablöse - auf das Salzsieden verzichtet. Zusätzlich kommt die Gosau nun vom Erzbistum Salzburg zum kaiserlichen Kammergut.

1311 anlässlich der Markterhebungsurkunde Hallstatts findet der Bestand einer Sudpfanne im Ort Erwähnung, mit der Berthold Seeauer von Königin Elisabeth (1262-1313) belehnt wird.

1460-1560 im Ostalpenraum werden insgesamt etwa 300 t Gold, 900 t Silber, 80.000 t Kupfer, 5000 t Arsen und 6,5 Mio.t Salz gewonnen. Insgesamt arbeiteten zu dieser Zeit des Aufblühens des Bergbaus im Ostalpenraum etwa 50.000 Mann in über 1000 berg- und hüttenmännischen Betrieben. 

Seit dem Mittelalter erfolgt die Salzgewinnung im Salzkammergut im Laugverfahren. Dabei wird das in Wasser gelöste Salz, die so genannte Sole, in riesige Sudpfannen eingeleitet. In diesen Pfannen wird das Wasser verdampft und das zurückbleibende Salz gedörrt.

Der Salzbergbau bringt eine Menge Berufsgruppen mit sich. Da sind einmal die direkt im Bergbau beschäftigten Männer, wie Steiger, Bergleute, Kumpel und Hauer. Die im Sudbetrieb tätigen Arbeiter wurden als Pfannhauser bezeichnet. Aber auch eine Reihe von spezialisierten Berufen um den Bergbau herum, die mit dem Transport des Salzes beschäftigt sind. Holz und Salz gehören über Jahrhunderte wie Zwillinge zusammen. Je mehr Holz man hat, umso mehr Salz kann man sieden und Salz bedeutet Geld auch für die stets leeren Staatskassen.

Über viele Jahrhunderte ist die Traun der einzige Verkehrs- und Handelsweg, auf dem das kostbare Salz aus Hallstatt in größeren Mengen transportiert werden kann. Zu diesem Zweck baut man eigene Schiffe, die flussaufwärts von schweren Arbeitspferden - den Traunrössern - gezogen werden, und wertvolles Handelsgut aus dem Flachland mitführen.

1560 ein Vergleich der Salinen des Ostalpenraums zeigt, dass wirtschaftliche und politische Bedeutung ziemlich auseinander laufen.

Ort 1560 Salz in
Jahrestonnen
Hoheitsgebiet
Hallstatt 11.000 Kammergut
Aussee 10.000
Hallein 24.000 Erzbistum Salzburg
Reichenhall 12.000 Bayern
Berchtesgaden 5.000

Eine große Gefahr für die Flößer stellen Wasserfälle und Stromschnellen der Gebirgsflüsse dar, auf denen das Salz aus dem Salzkammergut hinaus transportiert wird.

1573 Thomas Seeauer errichtet die Steeger Seeklause neu, um dieser Gefahr Herr zu werden. Die Seeklause war zuletzt 1511 erneuert worden. Wo der Hallstätter See wieder in die Traun mündet, stehen noch heute für jedermann sichtbare Reste dieser technischen Meisterleistung der Renaissance. Für dieses und ähnliche Werke wird der findige Ingenieur Thomas Seeauer in den Adelsstand erhoben.

Mit der Errichtung der Seeklause ist es möglich, durch Öffnen der Schleusen den Flusslauf unter Steeg zu fluten und dadurch die Traun schiffbar zu machen.

Seit der Errichtung der Seeklause ist das stattliche Trauneckergut Rast der Traunschiffer und Umschlagplatz des Handelsgutes, in seinen Stallungen sind die Traunrösser untergestellt.

   
         
   
Schwäbisch Hall  

0500vC die Kelten beuten die Salzquelle von Schwäbisch Hall erfolgreich aus.

0150nC ein Erdrutsch verschüttet die Salzquelle und den keltischen Ort am Kocher.

0800 die Quelle wird wieder entdeckt. Der Sage nach folgt der Graf von Westheim während der Jagd einem Hirsch und stößt auf die Salzquelle. Damit beginnt die Entwicklung der Stadt Schwäbisch Hall.

Nach mittelalterlichem Recht sind Bergwerke und Mineralquellen ein Regal, also Eigentum des jeweiligen Herrschers, so auch die Salzquellen und die Sole. Um Adelige, Patrizier und Klöster zu gewinnen oder für geleistete Dienste zu belohnen, vergibt der König die wertvollen Sied- und Brunnenrechte als Lehen.

1306 beträgt der Königsbesitz kaum noch 5 Prozent. Unter König Albrecht I. (1255-1308) wird ein Bewirtschaftungsgesetz erlassen, das die Kocher Saline in 111 Anteile aufgegliedert. Der Kommune gelingt es 24 "Sieden" d.h. 24 Anteile zu ergattern, sodass sie schließlich entscheidenden Einfluss ausüben kann und wichtigster Lehensherr wird.

In Schwäbisch Hall bildet sich eine Salzgemeinde mit eigenem Standesgericht und eigener Verwaltung, aufgeteilt in zwei Gruppen:

Aufzählung

Die erste Gruppe bilden die Lehensherren als Gesellschaftsschicht der Patrizier. Sie besitzen den Quelltopf, sorgen für seine Unterhaltung und bekämpfen die stets eindringenden Wildwasser.

Aufzählung

Der zweiten Gruppe gehören die Sieder an, meist ehemalige Salzknechte. Sie übernehmen die Erzeugung und den Vertrieb desSalzes. Die früher Unfreien Sieder rücken zu "Erbsiedern" auf, die Lehensherren übergeben ihnen gegen eine Pacht die Brunnennutzung. So entsteht eine merkwürdige Art von Untereigentum auf genossenschaftlicher Grundlage. Oft steigen Erbsieder auch zu Lehensherren auf.

Handel und Münzprägung kommen als Wirtschaftsfaktoren zum Salz hinzu. Der "Heller" (von Haller, also Salzwährung) ist im Mittelalter ein in ganz Europa willkommenes Zahlungsmittel.

1643 ein Spruch über Schwäbisch Hall:
Am Kocher Hall, die löblich Stadt
vom Salzbrun ihren Ursprung hat,
das Salzwerg Gott allzeit erhalt
und ob der Stadt in Gnaden wallt.

1776 in der freien Reichsstadt Schwäbisch Hall besitzen über 1600 Personen Rechte an der Saline. Denn viele der Sieden sind in bürgerliche Hände übergegangen und werden durch Erbteilung mit der Zeit in kleinste Bruchteile zersplittert.

1804 Napoleon wertet das Herzogtum Württemberg zum Königreich auf, indem er verschiedene bis dahin eigenständige Gebiete, vor allem aber die freien Reichsstädte und die bisher habsburgisch österreichischen Vorlande, einfach dem neuen Königreich angliedert, so geht auch die Selbständigkeit der bis dahin freien Reichsstadt Hall verloren. Die Salzquellen gelangen so in Staatseigentum.

1825 findet man in der Nähe von Schwäbisch Hall ein Steinsalzlager, nach dem damaligen König Wilhelm I. "Wilhelmsglück" benannt. Die Salzgewinnung aus dem Steinsalz erweist sich irgendwann als wirtschaftlicher, so dass die Haller Quelle aufgegeben wird. Die Rechte der damals 193 Familien zählenden Siederschaft wird abgekauft und auf ewige Zeiten eine Rente gewährt. Die Haller Sieder wehren sich vorerst erbittert gegen diese Regelung, doch sie sollte sich als segensreich erweisen (als echtes Wilhelmsglück). Im letzten Augenblick also ehe der Betrieb unwirtschaftlich wird, hatte man den Siedern ihren Besitz abgekauft. Dieses "Siedersgeld" besteht noch heute. 1977 bestätigt das Oberlandesgericht Stuttgart erneut, dass das Land Baden-Württemberg als Rechtsnachfolger des damaligen Königreichs Württemberg das Siedersgeld weiterhin zu zahlen habe.

1885 in Friedrichshall (bei Heilbronn) wird ein 180 m tiefer Schacht abgetäuft, durch den bis heute Steinsalz bergmännisch abgebaut wird. Durch die schlechteren Verkehrswege verliert nun das Bergwerk Wilhelmsglück seine Bedeutung. Heute erinnert nur noch der Schachteingang an das ehemalige Bergwerk. Die Salzquelle in Schwäbisch Hall fließt zwar heute noch, wird aber nur noch für medizinische Zwecke, wie für Solebäder und zu Inhalationen genutzt.

   
         
    Techniken der Salzgewinnung aus Mayers Konversations-Lexikon 1888    
Salz, Vorkommen und Gewinnung des Steinsalzes   Kochsalz findet sich in der Natur sowohl in festem Zustand (Steinsalz, Steppen-, Wüstensalz) als auch in gelöstem Zustand in Salzseen, im Meerwasser, in Salz- oder Solquellen in größter Menge und Verbreitung.

Das Steinsalz nimmt einen sehr wesentlichen Anteil an der Zusammensetzung der Erdrinde. In vielen Gegenden finden sich ausgedehnte und mächtige Lager und Stöcke, welche aus reinem Salz oder salzhaltigem Gips, Anhydrit, Dolomit, Mergel oder Thon (so genannten Salzthon) bestehen. Die reinen Salzstöcke und Salzlager sind oft mit Salzthonbedeckt, und an vielen Orten hat man zahlreiche übereinander liegende Steinsalzschichten aufgefunden, welche mit Lagen von Salzthon abwechseln.

Ochsenius erklärt die Bildung der Salzlager durch das Vorhandensein von tiefen Meerbusen mit einer annähernd horizontalen Mündungsbarriere, welche nur so viel Meerwasser eintreten lässt, als die Busenoberfläche auf die Dauer verdunsten kann. Bei trocknem und warmem Klima bewirkt die Erwärmung und starke Verdunstung über der Barre die Entstehung konzentrierter, also schwererer Salzlösung, welche fortwährend in die Tiefe des Busens sinkt. Aus der sich hier ansammelnden übersättigten Lange scheidet sich das Salz in Kristallen aus. Nachdem ein solcher Meerbusen mit Steinsalzablagerung, deren Liegendes von Gips gebildet worden, so weit angefüllt ist, dass eine konzentrierte Lösung der leicht löslichen sogen. Mutterlaugensalze die oberste Schicht bildet, so muss ein Kreislauf entstehen, indem über die Barre oben Meerwasser zu-, unten jene Lösung abfließt. Das erstere lässt bei der Vermischung mit der konzentrierten Salzsole seinen Gehalt an Kalksulfat oder auch Polyhalit fallen, und je länger diese Periode dauert, desto mächtiger wird die Gips- oder Anhydritdecke. Findet in dieser Periode eine vollständige Isolierung des Meerbusens statt, so kristallisieren die Mutterkaugensalze über der Gips- oder Anhydritdecke. Einige Steinsalzlager (Staßfurt, Kalusz) sind von einer mächtigen Schicht der kristallisierten Mukterlaugensalze (Abraumsalze) bedeckt, häufiger aber sind diese später wieder verschwunden und lassen sich nur noch in Spuren nachweisen.

   
         
Steinsalz   Das Steinsalz kommt in fast allen Gebirgsformationen (vom Glimmerschiefer bis zum Tertiärgebirge) vor und zwar in der Regel in Begleitungvon Anhydrit und Gips. Manche mächtige Steinsalzlager gehen zu Tage aus, viele andre sind in neuerer Zeit in bedeutender Tiefe durch Bohrarbeiten aufgefunden worden. Wenn hinreichend mächtige und reine Steinsalzlager schon bergmännisch ausgeschlossen sind oder leicht abgebaut werden können, so gewinnt man das Steinsalz bergmännisch durch Glocken- und Kammer-, meist aber durch den regelmäßigen Pfeilerbau. Dergleichen Steinsalzlager finden sich in vielen Ländern, so in Österreich (in Westgalizien: Wieliczka, Bochnia; in Siebenbürgen, Ungarn), in Bayern (Berchtesgaden) und Württemberg (bei Hall), in Preußen (Staßfurt, Erfurt), in Frankreich (Vic, Marennes), in England (Norwich), in Spanien (Cardona in Katalonien) etc. Das Steinsalz ist entweder farblos und leicht in Glas glänzende Würfel zerteilbar, oder es bildet gelbliche, rötliche, auch grünlichgraue kristallinische Massen, die Eisenoxyd, Thon und auch Infusorien enthalten.    
         
Sole   Die Solen enthalten neben Kochsalz viele fremde Salze, und diese scheiden sich bei der Konzentration zum Teil vor, zum Teil nach dem Kochsalz aus. Namentlich finden sich Chloride, Bromide (seltener Jodide), Sulfate, Carbonate, Silikate von Natrium, Kalium (auch Rubidium, Cäsium, Thallium),. Magnesium, Calcium und Eisen sowie organische Substanzen.

Starke Solen werden sofort verdampft, schwache konzentriert man durch Kälte (Ochotsk, Irkutsk) oder dadurch, dass man sie bei gewöhnlicher Temperatur einem Verdunstungsprozess unterwirft. Welche Konzentration die Solen haben müssen, um fiedle würdig zu sein, hängt von dem Preis des Brennmaterials ab.

Gewöhnlich werden schwache Solen zunächst gradiert, indem man sie über die Dornenwände der Dorngradierhäuser leitet. Hierbei erfahren sie eine Reinigung, indem gewissen Salzen das zu ihrer Lösung erforderliche Wasser durch Verdunstung entzogen wird (Gips) oder durch die stete Bewegung der tröpfelnden Sole Kohlensäure aus doppeltkohlensauren Salzen (von Eisen, Calcium etc.) entweicht. Die ausgeschiedenen Salze setzen sich dann auf den Dornen als Dornstein fest. Man belegt im Gradierhaus entweder nur die dem Wind entgegenstehende äußere Fläche der Dornenwand mit Sole und überlässt es dem Winde, die Sole nach dem Innern der Wand zu verbreiten (Flächengradierung), oder man lässt auch das Innere der Wand betröpfeln (kubische Gradierung). Ist bloß eine Dornenwand vorhanden, so wird hierbei nur die dem Wind entgegenstehende Hälfte benetzt, während in der andern Hälfte die verspritzte und verwehte Sole aufgefangen wird. Sind dagegen zwei Dornenwände vorhanden, so wird die ganze dem Wind entgegenstehende Wand betröpfelt, und die zweite Wand dient zum Auffangen. Bei solchen zweibändigen Gradierhäusern wendet man endlich auch die kombinierte kubische und Dreiflächengradierung an, indem man die ganze dem Wind zugekehrte Wand und außerdem noch die dem Wind zugekehrte Hälfte der andern Wand betröpfelt. Dies letztere Verfahren gibt bei Gradieranstalten mit zwei Dornenwänden den größten Effekt; zwei parallele, in einem Gebäude vereinigte Gradierwerke leisten aber immer ansehnlich weniger, als dieselben Wände voneinander getrennt leisten würden.

Die Sole muss stets mehrere Male über die Wände laufen; bei billigem Brennmaterial konzentriert man sie nur bis zu 15 Proz., auf den meisten Salinen bis 20 Proz. und auf einigen sogar bis zu 26 Proz. Salzgehalt, also fast bis zur Sättigung.

Der Betrieb der Gradierung ist mit Vorteil nur in der wärmern Jahreszeit möglich und muss selbst in dieser bei ungünstiger Witterung eingestellt werden. In Deutschland sind 200-260 Tage jährlich für den Betrieb geeignet. Aus einigen Salinen, deren Sole ohne Gradierung siedewürdig ist, lässt man dieselbe dennoch einmal durch die Dornenwand fallen, um sie von kohlensauren Salzen, namentlich kohlensaurem Eisenoxyd, welche nur durch Oxydation vollständig entfernt werden kann, zu befreien. Organische Substanzen und schwefelsaure Magnesia entfernt man bisweilen durch Fällung mit Kalkmilch, wobei man darauf zu achten hat, dass kein überschüssiger Ätzkalk in der Sole bleibe.

   
         
Salzsiedewerke   Die hinreichend konzentrierte und gereinigte Sole wird bei Kochhitze in Salinen (Salzsud- oder Salzsiedewerken) versotten oder verdunstet. Im ersterem Fall bildet sich kleinkörniges, im letztern grobkörniges Salz Dieses besteht zum großen Teil aushohlen vierseitigen Pyramiden mit treppenförmigen Wänden, die aus einzelnen Würfeln zusammengesetzt sind. Da das Kochsalz in manchen Gegenden von den Konsumenten in solcher Form verlangt wird, so sind viele Salinen genötigt, die Salzausscheidung durch Verdunstung zu bewirken, obgleich die Versiedung, bei welcher Brennmaterial erspart und viel rascher produziert wird, vorteilhafter sein würde. Die Siedepfannen sind flach, gewöhnlich aus Eisenblech konstruiert, dann mit einer Feuerung unter dem Boden versehen (unterschlächtige Feuerung) Und mit einem hölzernen Brodemfang bedeckt, dessen unterster Teil aus Klappen besteht, die man nach Erfordernis entweder auf dem Borde der Pfanne aufliegen lässt oder zurückschlägt. Zuweilen heizt man die Pfannen mit Wasserdampf (Dampfpfannen), oder man lässt, die Feuergase bei gemauerten Pfannen über die Oberfläche der Flüssigkeit streichen (oberschlächtige Feuerung) oder durch Röhren ziehen, die in der^Flüssigkeit liegen (Rohrpfannen). Gewöhnlich hat man für das Stören und Soggen besondere Pfannen, welche nebeneinander so aufgestellt sind, dass die gestörte Sole in die zum Soggen bestimmte Pfanne leicht abgelassen werden kann. Die Größe der Pfannen wechselt von 45-100, selbst 280 qm.

Beim Beginn der Operation wird die Sole unter lebhaftem Sieden und steter Entfernung von Schaum und Schlamm verdampft und so lange frische Sole zugegeben, bis die Pfanne mit siedend gesättigter Sole gefüllt ist. Nach dieser Arbeit, dem Stören, lässt man die Sole sich klären und in andre Pfannen abfließen, in welchen nun das Soggen beginnt. Man kocht entweder lebhaft weiter, oder ermäßigt zur Erzielung eines mehr oder minder grobkörnigen Salzes die Temperatur auf 90-60 °C. Das Salz, welches meist mit Handschaufeln, zuweilen aber auch durch maschinelle Vorrichtungen (Maschinenpfannen) ausgekrückt wird, ist anfangs schön weiß, wird dann aber immer gelber und unreiner, so dass man die Operation endlich unterbrechen und die Mutterlauge ablassen muss. Der Salzschlamm brennt zum Teil auf dem Pfannenboden fest und bildet eine Kruste, die man von Zeit zu Zeit herausschlagen muss. Sie enthält neben Kochsalz viel Gips und gewöhnlich auch schwefelsaures Natron und heißt Hungerstein, während der Salzstein (Pfannenstein), der beim Soggen aufbrennt, an Kochsalz viel reicher ist. Das ausgeschiedene Kochsalz lässt man abtropfen, wäscht es, wenn es aus unreiner Lauge kristallisierte, mit reiner heißer Siedesole wiederholt aus und trocknet oder darrt es in Kammern, welche das Salz in Körben oder auf Hürden aufnehmen, im offenen Feuer bei in konische Formen gekrücktem Salz (siebenbürgische Hurmanen), auf Trockenherden, in Kasten mit erwärmter Luft, auf mechanischen Darren mittels Wasserdampfes oder im geheizten Magazin. Eine mechanische Dampfsalzdarre besteht aus 6 zwischen 4 Säulen die in Zwischenräumen übereinander befestigten hohlen Scheiben, in deren Hohlraum Dampf eingeladen wird. Eine durch die Mitte sämtlicher Scheiben hindurch gehende stehende Welle enthält an Armen Krücken, welche beim Rotieren der Welle das Salz abwechselnd nach der Peripherie und Mitte hinschieben. Hier befinden sich passende Öffnungen, so dass das Salz allmählich von einer Scheibe auf die andre gelangt und von der untersten zwischen Walzen gestrichen wird, welche etwaige Klümpchen zerkleinern sollen. Eine Darrkammer (Dörrpfiesel), wie sie im Salzkammergut üblich ist besteht aus einem Pfiefel mit Pultfeuerung für Holz, welches auf gemauerten Bänken liegt. Die nach unten schlagende Flamme steigt im Raum hinter der Scheidewand empor und die Feuergase ziehen durch den Fuchs in den Schornstein. Das in Form von abgestumpften Kegeln (Fuderl) zusammen gepresste Salz ruht auf Gestellen in einer Kammer. In neuerer Zeit hat das Verdampfen der Salzlösungen einen bedeutenden Fortschritt gemacht, indem man die Pfannen mit Gasfeuerung versah und auch den aus der verdampfenden Sole entweichenden Dampf benutzte.

   
         
Laugverfahren   Ist das Salz durch eingemengten Thon, Gips, Mergel etc. (als Haselgebirge) so verunreinigt, dass es für sich nicht bergmännisch gewonnen werden kann, so arbeitet man in den Stöcken Höhlungen (Kammern) aus, füllt diese durch zugeleitetes Tagewasser und bringt die so erhaltene Lösung (Sole) zum Versieden (Verwässerung des Haselgebirges). Derartige Laug- oder Sinkwerke findet man unter anderem im Salzkammergut und im Salzburgischen. Der Sinkwerksbetrieb wird in der Weise ausgeführt, dass man in gewissen Entfernungen übereinander, gewöhnlich 90 m, Stollen ins Salzgebirge treibt, dann von dem untern Stollen aus auf der Mittellinie der anzulegenden Sinkwerke rechts und links rechtwinkelig dagegen Hauptstrecken von2 m Höhe, 1 m Breite und etwa 100 m Länge treibt.    
         
Salzsteuer   Salzsteuer, eine Aufwandsteuer, erhoben bei Einfuhr Und Verbrauch von Kochsalz. Als finanziell ergiebig schon frühzeitig beliebt, wurde sie gern mit der Salzkonskription verbunden, d. h. es wurde jeder Haushalt genötigt, wenigstens eine bestimmte, nach der Mitgliederzahl bemessene Menge von den staatlichen Abgabestellen zu kaufen und zwar mit dem Verbot des Wiederverkaufs (so in Frankreich, in Preußen 1719-1816, in Sachsen bis 1840). Ist auch das Salz ein unentbehrliches Genussmittel, so kann es immerhin bei mäßiger Belastung eine geeignete Handhabe bilden, um Steuerkräfte zu treffen, welche anderweit nicht zur Besteuerung herangezogen werden. Die kopfsteuerartige Wirkung der S. kann bei entsprechender Gestaltung des Steuersystems gemildert oder zum Verschwinden gebracht werden. Dabei lässt sich für Vieh-, Dung- und Gewerbesalz Steuerfreiheit oder Steuerminderung mit Hilfe der Denaturierung erzielen. Die S. kann erhoben werden als Produktionssteuer vom Produzenten (heute in Frankreich, Russland, seit 1867 in Deutschland, hier schon vorher in Hannover, Oldenburg, Bremen, Braunschweig) mit entsprechender Überwachung der Salzwerke oder auf dem Weg der Monopolisierung (Salzregal, Salzmonopol, in Österreich, Italien, Serbien, in den Kantonen der Schweiz, früher im größten Teil von Deutschland bis 1867, in Frankreich, dann in Russland bis 1863) und zwar als Produktionsmonopol unter Verbot der Erzeugung und Bereitung von Salz durch Private (alle Salinen gehören dem Staat, so in Österreich, früher in Süddeutschland Und Hessen) oder als Handelsmonopol (Verbot des Handels mit Salz sowie der Einfuhr durch Private, Privatsalinen durften nur an den Staat verkaufen, so früher in Preußen, dann in den Ländern, welche selbst kein Salz erzeugten, wie Sachsen, Nassau, Luxemburg, mit Einfuhr durch die Regierung). Das Salzmonopol wurde in Deutschland als lästig für den Verkehr beseitigt, an seine Stelle trat 1868 eine gemeinsame Salzsteuer.    
         
Salzwasser   Salzwasser, im Gegensatz zum Süßwasser das an Salzen, namentlich Chlornatrium, reichere Wasser der Meere und einzelner Landseen. Die großen Meeresbecken enthalten mit nur geringen Abweichungen durch lokale Einflüsse etwa 3,5 Proz. Salze, darunter etwa 2,7 Proz. Chlornatrium. In Meeresteilen, denen nur eine geringe Anzahl von Flüssen zuströmt, steigt der Salzgehalt (Rotes Meer mit 4 Proz. Chloruatrium und 5 Proz. Salzen überhaupt), während solche mit starker Süßwasserzufuhr der Versüßung Unterliegen (Ostsee).    
         
Salzfass   Salzfass, Tafelgerät, welches schon im Mittelalter und besonders in der Renaissancezeit eine reiche künstlerische Ausbildung erhielt Und mit Vorliebe aus Edelmetall hergestellt wurde. Berühmt ist das Salzfass von Benvenuto Cellini in Wien. Um das Salz auf den Teller zu schütten, bediente man sich der Salzlöffel, die früher ebenfalls aus Edelmetall hergestellt wurden. Gegenwärtig gibt es Salzfässer aus Silber und Gold Und ihren Surrogaten (Alfenid, Neusilber, Nickel), aus Porzellan, Glas, Kristall, Holz etc. Die Salzlöffel werden entweder aus dem entsprechenden Metall oder aus Elfenbein und Horn gefertigt. Salzfässer aus kupferhaltigen Legierungen sind nicht empfehlenswert, weil das stets feuchte Salz die Bildung von grünem basischen Kupferchlorid veranlasst, welches die Geräte verunziert und schädlich ist.